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Peinlicher Brief des Premiers:Gordons Gekrakel

Mit einem handschriftlichen Brief wollte Gordon Brown der Mutter eines gefallenen Soldaten sein Beileid aussprechen. Doch dieser strotzte vor Fehlern. Es könnte für den Premier noch peinlicher werden.

Der Streit ist so alt wie die Fähigkeit des Menschen, Gedanken auf Tontafeln, Papyri oder Papier festzuhalten: Ist eine unleserliche Handschrift ein Zeichen für intellektuelles oder künstlerisches Genie? Oder ist sie vielmehr ein Ausdruck von Schlamperei und Nachlässigkeit, ja ein Zeichen mangelnden Respekts für all jene, die das Gekrakel lesen müssen?

Gordon Brown: Angeblich 25 Rechtschreibfehler in einem Brief.

(Foto: Foto: Getty Images)

In Großbritannien ist diese Debatte mit großer Heftigkeit ausgebrochen, was kein Wunder ist, schließlich geht es um einen zweiseitigen handschriftlichen Brief, den Premierminister Gordon Brown der Mutter eines in Afghanistan gefallenen, 20Jahre alten Soldaten geschrieben hatte.

Insgesamt 25 Rechtschreibfehler will Jacqui Janes gezählt haben, einschließlich ihres eigenen Namens, den der Regierungschef "James" geschrieben hatte. Nehme man die krakelige Schrift hinzu, sei die Epistel "eine Beleidigung für meinen Sohn", befand die 47-Jährige.

Verteidiger des Premierministers erinnern daran, dass er seit einem Rugby-Unfall als Teenager nur noch ein Auge hat, dessen Sehkraft letzthin ebenfalls deutlich nachgelassen hat. Seine Handschrift sei daher "ziemlich einzigartig" und weniger leicht zu lesen als die anderer Leute.

Zudem trage seine Vorliebe, mit einem dicken Filzstift zu schreiben, nicht unbedingt zur besseren Lesbarkeit bei, und überhaupt habe er sich bereits reuig bei Mrs. Janes entschuldigt.

Die Auseinandersetzung freilich hat inzwischen den Bereich der Kalligraphie verlassen und droht, sich zu einer handfesten massiven politischen Peinlichkeit für den Premierminister zu entwickeln.

Denn als er, um seinen ersten Fehler gutzumachen, die trauernde Mutter am vergangenen Sonntagabend persönlich anrief, warf sie ihm politisches Versagen vor. Ihr Sohn, so sagte sie, sei hilflos verblutet, weil die Regierung die Truppen unzureichend ausrüste und vor allem nicht genügend Hubschrauber bereitstelle, mit denen Verwundete ausgeflogen werden können. "Der schlimmste Feind unserer Armee ist das Finanzministerium", zitierte Janes einen alten Vorwurf. Brown war zehn Jahre lang Finanzminister, bevor er Regierungschef wurde.

Der Vorwurf der schlechten Ausrüstung war bereits vorher von Abgeordneten und Militärs erhoben worden. Dass nun die Kritik der Mutter in der Öffentlichkeit bekanntwurde, ist dem Massenblatt Sun zu verdanken, das einen Mitschnitt des 13 Minuten langen Telefongesprächs auf seine Internet-Seite stellte. Janes, die bereits Browns Brief zur Sun gebracht hatte, leitete auch das Tonband an die Redaktion weiter.

Bei der Zeitung bestreitet man vehement, der Frau Geld für diese Informationen gegeben zu haben. Dennoch bietet die Affäre einen Vorgeschmack darauf, was Brown und seine Labour Party von Britanniens auflagenstärkster Tageszeitung bei der nächsten Unterhauswahl erwarten können.

Ende September hatte das Blatt bekanntgegeben, dass es nicht mehr wie seit 1997 Labour publizistisch unterstützen werde, sondern die oppositionellen Konservativen. Die Zeitung ist nicht dafür bekannt, dass sie mit weichen Bandagen kämpft, wie auch die Affäre Janes zeigt.