Pegasus-Projekt:Frankreich befragt Israel zur Abhör-Affäre

Pegasus-Projekt: Der israelische Außenminister Benny Gantz trifft in Paris die französische Verteidigungsministerin Florence Parly.

Der israelische Außenminister Benny Gantz trifft in Paris die französische Verteidigungsministerin Florence Parly.

(Foto: Jack Guez/AFP)

Israels Verteidigungsminister Gantz reist nach Paris, um Rede und Antwort zur NSO-Abhöraffäre zu stehen. Auch Präsident Macrons Telefonnummer stand auf der Zielliste.

Von Peter Münch, Tel Aviv

Israels Verteidigungsminister Benny Gantz ist am Mittwoch nach Paris geflogen, in normalen Zeiten wäre das ein Besuch bei Freunden. Jetzt aber wirft die Affäre um die Überwachungssoftware Pegasus des israelischen Unternehmens NSO einen Schatten auf die Beziehung der beiden Länder. Bei Gantz' Treffen mit der französischen Verteidigungsministerin Florence Parly stand deshalb nicht nur die bedrohliche Entwicklung in Iran und Libanon auf der Tagesordnung, sondern auch eine andere heikle Frage: Wie ist eine Telefonnummer des französischen Präsidenten Emmanuel Macron auf eine Liste potenzieller Ausspähziele geraten?

Macrons Handy und obendrein noch die Mobiltelefone mehrerer Menschen aus seinem unmittelbaren Umfeld sind mutmaßlich ins Visier ausländischer Mächte geraten - das hat in der vorigen Woche im Rahmen des sogenannten Pegasus-Projekts ein internationales Rechercheteam enthüllt, zu dem auch die Süddeutsche Zeitung gehört. Zwar schließt das Unternehmen NSO aus, dass Macron abgehört worden sei, und die verdächtigten Behörden in Marokko bestreiten, etwas damit zu tun zu haben. Doch Macron reagierte alarmiert und berief ein Krisentreffen des Rats für nationale Sicherheit ein. Außerdem stellte er persönlich den israelischen Premierminister Naftali Bennett am Telefon zur Rede und drang auf Aufklärung, wie der israelische TV-Sender Channel 12 berichtete.

Den Verkauf der NSO-Software an ausländische Regierungen oder Behörden muss in Israel das Verteidigungsministerium genehmigen. Gantz hatte nach Bekanntwerden der Vorwürfe gegen die NSO Group eine "Prüfung" zugesagt. Israelischen Medien zufolge hat die Regierung dazu inzwischen eine Expertenkommission gebildet, zu der Vertreter verschiedener Ministerien, der Armee und des Auslandsgeheimdienstes Mossad zählen.

In Paris werde Gantz seiner Amtskollegin Parly ein "Update geben zum Thema NSO", hieß es nun in einer offiziellen israelischen Erklärung. Das Treffen, so wurde betont, sei aber bereits vor Veröffentlichung der Vorwürfe gegen NSO vor rund einem Monat vereinbart worden.

© SZ/skle
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