SPD: Peer Steinbrück:Im Duo mit Jürgen Trittin

Dann gibt es Sigmar Gabriel, der als Parteichef nach der Niederlage 2009 einsprang, weil er keinen anderen außer sich sah und dies schnell mit dem Wahlverlierer Steinmeier klarzog. Gabriel ist zwar nicht so proletenpoltrig, wie er manchmal wirkt, aber dennoch ähnelt er in vielem seinem einstigen Mentor Schröder, dessen Erfolg 1998 die SPD bis ungefähr 2003 dazu zwang, sich wie seine politische Heimat zu fühlen. Gabriel würde wohl gerne, weiß aber, dass es jetzt mindestens noch zu früh für ihn ist. Politisch ist er flexibel und kann, wenn es sich ergibt, auch links sein.

Bleibt der, der wohl gekürt werden wird, wenn die Partei auf Nummer sicher gehen möchte: Peer Steinbrück. Er ist im Januar 1947 geboren und wurde politisch wirklich sozialisiert, als Helmut Schmidt regierte. Die Schmidtianer waren in der SPD lange unbeliebt, heute ist das wieder ganz anders. Steinbrück ist außerordentlich pragmatisch und lösungsorientiert, außerdem ist er gebildet und ironisch. Das lässt er gerne alle spüren, was ihm nicht nur in der SPD auch zum Nachteil gereicht.

Steinbrück hat nun so lange mit der Möglichkeit, Kandidat zu werden, kokettiert, dass er jetzt unterm Strich so weit ist, es auch werden zu wollen. Im Herbst wird es einen Publizitätssturm geben, weil er gemeinsam mit Helmut Schmidt ein Schachspiel-Politplauderbuch veröffentlicht, das mutmaßlich dazu beitragen wird, jene heimlichen Hauptzweifel an Steinbrück etwas zu zerstreuen: Er wird 2013 relativ alt sein, 66 Jahre. Andererseits wirkt er, vergleicht man ihn mit dem Kriegsteilnehmer Schmidt oder, pardon, sogar mit Angela Merkel, immer noch irgendwie knackig im politischen Sinne. Gegenüber Gabriel wiederum wirkt Steinbrück reif.

Sollte sich die SPD für Steinbrück entscheiden, mag es sein, dass er von einem 98er-Effekt profitieren wird. Im Angesicht des möglichen Sieges stellte die SPD 1998 alle Flügelkämpfe hintan und scharte sich um Gerhard Schröder. Auch dies trug ihn damals zum Sieg, Oskar Lafontaine später aus der Kurve.

Steinbrücks grünes Pendant in einer rot-grünen Koalition würde wohl Jürgen Trittin werden. Trittin ist ebenfalls völlig von sich überzeugt. Gefühlt ist er nur wenig jünger als Steinbrück, auch wenn er eigentlich nur so alt ist wie Merkel. Sollten die Grünen einen eigenen Kanzlerkandidaten aufstellen, könnte nur die Entschlossenheit, eine Frau zu benennen, Trittins Nominierung verhindern. Allerdings ist aus dem gegenwärtigen Spitzenpersonal keine ernsthafte Konkurrentin für Trittin in Sicht.

Acht Jahre Merkel sind genug

Trittin, in seiner Jugend ein Sektierer-Kommunist, galt in den Pubertätsjahren der Grünen als Linker. Das Fundi-Realo-Ding spielt heute bei den Grünen, zumal bei den vernünftigen Jüngeren, keine so große Rolle mehr. In gewissem Sinne apart wäre ein Spitzenduo Steinbrück/Trittin, weil dies die wohl letzte Regierung mit ausschließlich westdeutschen Wurzeln bei Kanzler und Vizekanzler wäre.

Und dann bleibt natürlich noch Angela Merkel, die Kanzlerin und Kandidatin der Union. Sie hat eine, heute eher als gering einzuschätzende, Chance, als Kanzlerin weitermachen zu können. Dazu müssten SPD oder Grüne oder beide zusammen so schwach abschneiden, dass nur eine neuerliche große Koalition ginge. (Rot-Rot-Grün wird Steinbrück nicht machen, da kann man bei diesem Schmidtianer sicher sein.) Einerseits war Merkels beste Zeit als Regierende genau diese große Koalition mit Steinbrück als Finanzminister an der Seite. Andererseits sind acht Jahre Angela Merkel dann auch genug.

© SZ vom 30.07.2011/wolf
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB