Peer Steinbrück als SPD-Kanzlerkandidat:Der Scheinriese

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Peer Steinbrück ist zweifellos ein Sozialdemokrat, der das Zeug zum Kanzler hat. Viele erinnern sich an ihn als beherzten Finanzminister. Gut, je näher man kommt, desto weniger gewaltig erscheinen seine Taten - aber selbst das macht nichts. Die Frage ist nur, ob er nicht gerade alles vermasselt.

Claus Hulverscheidt

Peer Steinbrück wäre sicher ein veritabler Kanzlerkandidat der SPD. Er ist gescheit, erfahren und spricht eine Sprache, die von den Menschen verstanden wird. Und er gilt vielen als der erfolgreiche Finanzminister, der den Kampf gegen die Bankenkrise einst beherzt anging und das Haushaltsdefizit senkte.

Bundestag - Steinbrück

Den ehemaligen Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) erinnern viele als denjenigen, der den Kampf gegen die Bankenkrise beherzt anging.

(Foto: dpa)

Um der Wahrheit die Ehre zu geben, muss man sagen, dass es sich mit Steinbrück und seiner Regierungsbilanz ein wenig so verhält wie mit Herrn Tur Tur, dem Scheinriesen aus "Jim Knopf": Je näher man ihm kommt, desto weniger gewaltig erscheint er. Das ändert aber nichts daran, dass Steinbrück zu den wenigen im Lande gehört, denen der Kanzlerjob prinzipiell zuzutrauen wäre.

Die Frage ist nur, ob er nicht gerade alles vermasselt. Indem er sich von Helmut Schmidt, seinem Vorbild, Mentor und Alter Ego, zum Kandidaten ausrufen lässt, stärkt er zwar seine ohnehin gute Position im eher bürgerlichen Teil der SPD. Zugleich vergrätzt er aber alle anderen Flügel, für die Schmidt der Prototyp desjenigen Sozialdemokraten ist, der Popularität nicht aus seiner Nähe, sondern aus seiner Abgrenzung zur Partei generiert.

Steinbrücks Strategie ist umso eigenartiger, als er zuletzt erkennbar auf die Partei zugegangen war. Er, der viele SPD-Funktionäre stets für praxisferne Ideologen hielt, war selbst unideologischer geworden, indem er bekannte, das er manche Position der Parteilinken in der Steuer- und Finanzmarktpolitik in früheren Jahren zu Unrecht verteufelt hatte. Nach diesem Wochenende wird vielerorts das Misstrauen wieder wachsen. Und Steinbrück könnte am Ende als derjenige Sozialdemokrat in Erinnerung bleiben, der zwar das Zeug zum Kanzler hatte, nicht aber das zum Kanzlerkandidaten.

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