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Paul Manafort:In Treue fest

Von Trump verachtet: Sonderermittler Robert Mueller.

(Foto: Saul Loeb/AFP)

Der ehemalige Wahlkampfleiter Trumps muss wegen Betrugs wohl für viele Jahre in Haft. Vermutlich hofft er auf eine Begnadigung durch Trump.

Von Reymer Klüver

Es war wohl das, was Boxfreunde eine Rechts-Links-Kombination nennen, eine Schlagfolge mit mitunter fatalen Folgen, zumindest für denjenigen, der die Schläge einstecken muss. Erst gestand am Dienstagnachmitag amerikanischer Ostküstenzeit Donald Trumps einstiger persönlicher Rechtsanwalt und Vertrauter Michael Cohen, dass er im Auftrag seines Chefs wissentlich das Recht gebrochen hat. Und Minuten später sprach ein Gericht im beschaulichen Alexandria, nur ein paar Meilen vom Weißen Haus entfernt, den einstigen Wahlkampfchef des heutigen Präsidenten, Paul Manafort, schuldig, weil er Banken und Finanzamt um Millionen betrogen hat.

Das Urteil trifft Trump gleich mehrfach. Nicht nur, dass einer der einst wichtigsten Männer in seinem Umkreis nun ein verurteilter Krimineller ist - ein Umstand, den die Demokraten im bevorstehenden Kongresswahlkampf genüsslich hervorheben dürften. Viel unangenehmer aus Sicht des Präsidenten ist die Tatsache, dass die Anklage gegen den schillernden PR-Berater Manafort das Ergebnis der Nachforschungen von Sonderermittler Robert Mueller ist. Trump hasst den einstigen FBI-Direktor Mueller, den das US-Justizministerium eingesetzt hat, um Vorwürfen nachzugehen, Trumps Team habe sich im Wahlkampf mit russischen Geheimdiensten oder Regierungsstellen eingelassen. Trump nennt Muellers hartnäckige Recherchen eine "Hexenjagd"; noch am Dienstagabend, nach dem Urteil gegen Manafort, wiederholte er den Vorwurf.

Noch beunruhigender dürfte für den Präsidenten und sein Team ein anderer Umstand sein. Manafort wird wohl zu einer hohen Gefängnisstrafe verurteilt werden, manche Rechtsexperten unken sogar, der 69-Jährige werde den Rest seiner Tage hinter Gittern fristen müssen. Keine wirklich verlockende Aussicht. Und so könnte der Schuldspruch Manafort dazu bewegen, seine bisher hartnäckige Weigerung zu überdenken, mit Sonderermittler Mueller über seine Zeit mit Trump zu reden - und so eine mildere Strafe zu erwirken. Im September beginnt in Washington überdies ein weiterer Prozess, den Mueller gegen ihn angestrengt hat; es geht um Geldwäsche und Behinderung der Justiz.

In Alexandria ist Manafort indes nicht wegen Delikten verurteilt worden, die er in Diensten Trumps begangen hat. Vielmehr ging es vor allem um Einkünfte, die er in den Jahren davor als Berater des damaligen pro-russischen Präsidenten der Ukraine, Viktor Janukowitsch, erzielte. Nicht weniger als 60 Millionen Dollar, die er nicht versteuerte - und mit vollen Händen ausgab - für Apartments und Häuser in New York und Washington, aber auch für ein Jackett aus Straußenleder (15 000 Dollar), für ein exquisites Oberhemd (1500 Dollar) oder für eine Blumenrabatte in seinem Ferienhaus auf Long Island, rote Blumen, in der Form eines "M" angepflanzt. Kostenpunkt: 450 000 Dollar.

Angesichts der Fülle belastender Beweise, die Muellers Leute präsentierten, fragen manche Rechtsexperten, warum sich Manafort nicht längst auf einen Deal mit Mueller eingelassen hat. Ihre einzige Erklärung: Manafort spekuliert auf die Begnadigung durch den Präsidenten. Denn nur so könnte er dem Gefängnis wohl ganz entgehen.

© SZ vom 23.08.2018
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