bedeckt München 27°

Pater Nikodemus Schnabel:Was dient der Versöhnung? Was dem Frieden?

Glauben Sie, dass es eine dritte Intifada geben wird?

Grundsätzlich bin ich über die Frage nach der Gewalt zunehmend verärgert, weil es doch nicht sein kann, dass die Gewalt darüber entscheidet, ob Trump nun eine richtige oder falsche Entscheidung getroffen hat. Was ist denn das für ein Maßstab? Die Fragen müssen doch lauten: Was dient der Versöhnung? Was dem Recht? Was dem Frieden? Ich erlebe Palästinenser, die statt Krawall zu verüben eher in tiefe Resignation verfallen sind.

Was ist Ihre Hoffnung?

Ich habe mich dazu entschieden, hier ein Leben lang zu bleiben. Ich bin erst 38 Jahre alt und habe hoffentlich noch ein paar Jahrzehnte vor mir. Als Seelsorger bekomme ich drei klassische Geisteshaltungen mit: In Jerusalem werden viele aggressiv, depressiv oder zynisch. Alle drei halte ich nicht für sehr gesund. Man kann uns Mönche, die wir täglich für den Frieden beten, niedlich und naiv finden. Ich träume von Jerusalem als offener Stadt und unser Dormitio begreifen wir schon jetzt als offenes Kloster. Wir fragen nicht nach Nationalität oder Religion, sondern bleiben jenseits alle Schubladen: Wir sind weder pro Israel noch pro Palästina, sondern pro Mensch! Jeder Mensch ist bei uns von Herzen willkommen.

Gibt es Hoffnung auf friedliche Weihnachten im Heiligen Land?

Nur zwei Prozent der Einwohner Jerusalems sind Christen, die Weihnachten auch noch an drei verschiedenen Daten feiern: die West-Christen am 25. Dezember, die Ost-Christen am 7. Januar nach dem julianischen Kalender und die Armenier am 19. Januar - also am 6. Januar nach dem julianischen Kalender. Weihnachten interessiert hier sonst keinen Menschen, das sind ganz normale Arbeitstage. Auch Christkindl-Märkte gibt es hier nicht. Immerhin predige ich Heilig Abend vor lauter Juden, weil die das bei uns Benediktinern so schön festlich finden. Weihnachten bedeutet für uns Dormitio-Mönche vor allem aber in der Heiligen Nacht die Namen von Tausenden von Menschen im Gebet zu Fuß nach Betlehem zum Geburtsstern zu tragen.

© SZ.de/lala/mcs/liv
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB