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Parteitag in Nürnberg:"Oswald Metzger darf nicht die Gabriele Pauli der Grünen werden"

Der grüne Europaabgeordente Cem Özdemir findet, dass die Grünen die Partei sind, die Querköpfe am meisten duldet. Den Parteirebellen Oswald Metzger will Özdemir weiter bei den Grünen sehen, empfiehlt ihm aber, auf die Ego-Bremse zu treten.

sueddeutsche.de: "Geh in Dich", rief Parteichef Bütikofer dem Parteirebellen Oswald Metzger zu. Was geben Sie ihm mit auf den Weg?

Oswald Metzger beim Grünen-Parteitag in Nürnberg: Metzger solle auf die Bremse treten, empfiehlt sein Parteikollege Cem Özdemir

(Foto: Foto: Reuters)

Cem Özdemir: Reinhard Bütikofer hat das gut gemacht, er hat nicht überzogen. Ich fand auch die Reaktion der Delegierten positiv, die meisten haben nicht gepfiffen, als der Oswald gesprochen hat. Ich gebe Oswald auf den Weg: Trage selbst dazu bei, dass der Graben nicht noch tiefer wird. Sorge dafür, dass nun die Kommunikation über die Medien aufhört und wir wieder so miteinander umgehen wie sich das unter Parteifreunden gehört.

sueddeutsche.de: Hand aufs Herz: Ist der Mann noch richtig bei den Grünen?

Özdemir: Der Oswald gehört in diese Partei. Ich wünsche ihm, dass er das selber auch so sieht. Er hat einen wichtigen Platz bei uns, er hat auch immer viel eingebracht bei den Grünen. Aber Solidarität kann auch keine Einbahnstraße sein. Leute wie ich, die für den Verbleib von Oswald bei den Grünen kämpfen, wollen dann nicht anschließend einen Tritt ins Schienbein bekommen.

sueddeutsche.de: Er sieht sich als "Querkopf", dem man seine Meinung übel nimmt.

Özdemir: Der Oswald darf nicht vergessen, dass er bei uns so viele Freiheiten hat, wie bei keiner anderen Partei in Deutschland. Die Grünen sind die Partei, die Querköpfe am meisten duldet. In der Union, wo man vielleicht einige seiner Ideen mag, würde er nicht sehr glücklich werden.

sueddeutsche.de: Metzger ist offenbar gefrustet und fühlt sich ungerecht behandelt. Einmal verlor er auch gegen sie, als es um einen sicheren Listenplatz bei der Bundestagswahl ging. Können Sie ihn verstehen?

Özdemir: Das hatte er sich damals selbst zuzuschreiben, weil er dickköpfig agiert hat. Alle seine Freunde, mich eingeschlossen, hatten ihm geraten, für den nächsten Listenplatz zu kandieren - er wäre sicher in den Bundestag eingezogen. Manchmal kann das starke Ego einem auch ein Bein stellen. Beim Oswald ist das schon häufiger passiert. Am meisten leiden seine Freunde darunter, denen es wichtig ist, ihn einzubinden. Er sagt ja richtige und wichtige Dinge...

sueddeutsche.de: ...zum Beispiel?

Özdemir: Dass er uns immer wieder daran erinnert, dass wir Haushaltsdisziplin halten müssen, dass er mahnt, über Vier-Jahres-Zyklen hinaus zu denken, dass man nicht populistisch agieren darf. Beim Oswald ist leider manchmal das "Zuviel" der Feind des Guten. Er darf nicht die Gabriele Pauli der Grünen werden. Aber das hat er selber in der Hand.

sueddeutsche.de: Sein Auftritt in Nürnberg zeigte, dass er stur bleibt: War's das bei den Grünen?

Özdemir: Das glaube ich nicht. Der Oswald wird sich das sehr gut überlegen. Er ist in einem Landesverband und einer Landtagsfraktion, wo er große Freiräume hat. Die halten ihm oft genug den Rücken frei, und das sollte der Oswald auch würdigen.

sueddeutsche.de: Während seiner Nürnberger Rede bekam Metzger auch Applaus. Es gibt also Grüne, die ihn gut finden.

Özdemir: Teilweise hat er ja auch berechtigte Anliegen. Umso ärgerlicher, dass er durch so eine völlig verkorkste Äußerung, die er sich geleistet hat, seiner Sache einen Bärendienst erweist.