Parteitag in Magdeburg Wagenknecht: Die Torte war nicht das Schlimmste

Nach dem Angriff mit einer Sahnetorte auf Sarah Wagenknecht machen Deligierte sauber.

(Foto: dpa)

Aktivisten schleudern der Linken-Fraktionschefin Sahra Wagenknecht eine Schoko-Torte ins Gesicht. Drei Stunden später sagt sie, was sie wirklich ärgert.

Von Thorsten Denkler, Magdeburg

Parteichef Bernd Riexinger redet gerade auf dem Bundesparteitag der Linken in Magdeburg. Es ist kurz vor Mittag. Plötzlich Aufruhr in der ersten Reihe vor ihm. Irgendetwas ist mit Sahra Wagenknecht. Riexinger stockt. Fragt: "Was ist denn da los?"

Es ist - zum Glück - nur eine Schokotorte. Eine mit viel brauner Creme-Füllung. Wagenknecht hat sie ins Gesicht bekommen. Die Reste der Torte sind hier zu sehen:

Ein paar Aktivisten laufen durch die Reihen, werfen Bekenner-Flugblätter durch die Luft. Eine "Initiative Torten für Menschenfeinde" steckt dahinter.

Die Tortenwerfer werfen ihr vor, sich zu sehr dem "Volkszorn" unterworfen zu haben. Wagenknecht hatte vor einigen Wochen von den Grenzen der Aufnahmebereitschaft gesprochen und einem Gastrecht, das Flüchtlinge nicht missbrauchen sollten. Das hat ihr auch innerparteilich ungewöhnlich viel Kritik eingebracht.

Die Initiative setzt Wagenknecht in dem Bekenner-Flugblatt auf eine Stufe mit der AfD-Vizechefin und Islam-Feindin Beatrix von Storch. Sie hatte wie Wagenknecht jetzt bereits im Februar am Rande einer Parteiveranstaltung eine Torte ins Gesicht bekommen.

Damals bekannte sich ein Künstler-Duo namens "Peng Collectiv".

Gegen die Frau und den Mann, die an dem Tortenanschlag auf Wagenknecht direkt beteiligt gewesen sein sollen, wurde Anzeige erstattet.

Nach der Rede von Riexinger kommen seine Co-Parteichefin und Fraktionschef Dietmar Bartsch mit auf die Bühne. Kipping erklärt: "Was während der Rede von Bernd passiert ist, das war nicht nur ein Angriff auf Sahra, das war ein Angriff auf uns alle." Und mit Bezug auf das Flugblatt: "Wir weisen geschlossen zurück, was hier in diesem Wisch steht."

Bartsch sagt, er sei "wirklich erschüttert". Das sei "nicht links, das ist nicht antifaschistisch, das ist asozial, hinterhältig und dumm." Die Delegierten applaudieren stehend.

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Wagenknecht ist nach dem Vorfall etwa drei Stunden lang abwesend. Nach ihrer Rückkehr erklärt sie in einem kurzen Statement: "Ich bin wieder da. Ich lasse mich auch von dieser saudämlichen Aktion nicht davon abhalten, weiter Politik für die Linke zu machen. Schlimmer als die ganze Torte ist die Beleidigung, mit Frau von Storch auf eine Stufe gestellt zu sein."