Parteitag der US-Republikaner in Tampa Gegen den Neid der Demokraten

Ein langer Videofilm beschrieb Romney als liebenden Ehemann und fürsorglichen Vater, drei Sportler priesen seine Leistung als Olympia-Organisator in Salt Lake City; auch die Tatsache, dass Romney Mormone ist, wurde erstmals ausführlich dargestellt. 15 bis 20 Stunden pro Woche habe Romney als Gemeindevorstand für seine Glaubensbrüder und -schwestern investiert, erzählt sein damaliger Assistent: "Er schippte Schnee, brachte Kranken Essen vorbei und war oft der Letzte bei Veranstaltungen." Die Botschaft ist klar: Romney mag Multimillionär sein, aber er kennt die Probleme der hart arbeitenden Durchschnittsamerikaner.

Romneys Auftritt in Tampa

"Wir haben Besseres verdient"

Durch das Vorprogramm, die Rede seiner Gattin Ann und die parallel zum Parteitag laufende Medienoffensive zur "Vermenschlichung" war der Boden bereitet, auf dem Mitt Romney sein Leben ins beste Licht rückte. Als zu Beginn der Rede ein paar Demonstranten mit Zwischenrufen seine Rede störten, reagierte Romney auf seine typische Art - mit einem Grinsen. Anders als Condoleezza Rice, die am Vortag auf Störer schlagfertig reagiert hatte, hielt sich der risikoscheue Romney ans Skript.

Er berichtete einfühlsam von Vater George, der aus Mexiko geflüchtet sei und es ohne College-Abschluss zum Gouverneur von Michigan gebracht habe. Die Anekdote, dass George seiner Gattin Lenore jeden Tag eine Rose auf den Nachttisch legte, durfte natürlich ebenso wenig fehlen wie das Bekenntnis des Sohnes, er sei wie seine Mutter davon überzeugt, dass es Frauen überall genauso weit bringen können wie Männer.

Sein Engagement beim Finanzinvestor Bain Capital stellte Romney äußerst romantisch dar: Mit ein paar Freunden habe er die "kleine Firma" gegründet, um mit ihrem Wissen Firmen zum Erfolg zu führen und anfangs hätten sie sehr zu kämpfen gehabt. Dass er bereits zuvor viel Geld in der Unternehmungsberatung Bain verdient hatte und für den Fall des Scheiterns ein schriftlich zugesichertes Rückkehrrecht besaß, verschwieg er.

"Amerika ist kein Land, das sich für Erfolg entschuldigt"

Wie Paul Ryan legte sich Romney auf eine Zahl fest: In vier Jahren wolle er zwölf Millionen Jobs schaffen. Sein Fünf-Stufen-Plan ist für einen selbst ernannten Business-Experten jedoch erstaunlich vage: Bis 2020 will Romney Nordamerika unabhängig von Energie-Importen machen und für mehr Freihandel sorgen. Jene Staaten, die hier tricksen, sollen bestraft werden - ein Satz, den man vor allem in Peking registrieren wird. Zudem möchte Romney das Bildungssystem verbessern, indem die Eltern mehr Wahlfreiheit bekommen. Wie dies gelingen soll, wenn zugleich die US-Staatsschulden abgebaut und der Haushalt ausgeglichen werden soll, verrät er nicht.

Zudem verneigte sich Romney vor dem small business ("Die Kleinunternehmer sind der Wachstumsmotor Amerikas") und wiederholte das Mantra der Republikaner: Mithilfe von Deregulierung und niedrigeren Steuersätzen werden neue Arbeitsplätze entstehen. Besonders groß war der Jubel der Delegierten bei der Forderung, Obamacare, jenes Gesetzespaket, das 30 Millionen Amerikanern Zugang zur Krankenversicherung verschafft, rückgängig zu machen.

Genau wie Barack Obama, der kommende Woche in Charlotte offiziell zum Kandidaten der Demokraten gekürt werden soll, stellte Romney die Abstimmung in zweieinhalb Monaten als Richtungswahl dar. Er werde die USA wieder zu alter Stärke führen, weil es seine Bürger nicht anders verdient hätten. Der Multimillionär warf den Demokraten vor, davon überzeugt zu sein, dass der Reichtum der einen nur durch die Armut der anderen zustande käme. Dieser Neid sei falsch: "Amerika ist ein Land, das den Erfolg feiert und kein Land, das sich für Erfolg entschuldigt."

Ob die Mehrheit der Amerikaner am 6. November das Gefühl hat, mit einem Präsidenten Mitt Romney mehr Erfolg im Leben haben zu können, bleibt abzuwarten. Die Möglichkeit, bald ins Weiße Haus einzuziehen, hat der Republikaner mit seinem Auftritt in Tampa jedenfalls nicht verspielt.

Linktipps:

"I accept your nomination for President of the United States of America": Romneys Rede zum Nachlesen.

Die New York Times hat in einer langen Analyse nachgezeichnet, wie sich der Kandidat Mitt Romney in den vergangenen viereinhalb Jahren neu erfunden hat.