Parteitag der Republikaner:Trump-Gegner scheitern mit ihrem letzten Versuch

Convention delegates yell and scream as the Republican National Convention descended into chaos over the announcement that the convention would not hold a roll-call vote in Cleveland

Geschrei und kurzzeitiges Chaos am ersten Tag der Parteiversammlung der Republikaner in Cleveland, Ohio.

(Foto: REUTERS)
  • Die Anti-Trump-Rebellen sind mit ihrem letzten Versuch gescheitert, die Nominierung des Milliardärs zu verhindern.
  • In der Halle in Cleveland kommt es zu lauten Protesten und kurzzeitig zu chaotischen Zuständen.
  • Für den Geschäftsmann beginnt der Parteitag mit einem Fehlstart: Die Zerrissenheit der Republikaner ist deutlich zu erkennen.

Von Matthias Kolb, Cleveland

Die Republikaner werden mit Donald Trump einen Mann als Präsidentschaftskandidaten nominieren, der bisherig kein einziges politisches Amt inne hatte und auch nicht über militärische Erfahrung verfügt. Am ersten Tag des Parteitags in Cleveland scheiterte der letzte Versuch einer Gruppe von Delegierten, die Kandidatur des umstrittenen Immobilien-Moguls zu verhindern - und legte zugleich die Zerrissenheit der amerikanischen Konservativen offen.

Bereits am Wochenende hatte die #NeverTrump-Bewegung versucht, eine Änderung der Abstimmungsregeln für die Nominierung durchzusetzen. Nach den geltenden Vorschriften sind die Delegierten an die Ergebnisse der Vorwahlen gebunden und müssen damit mehrheitlich für Trump stimmen.

Die Rebellen wollten durchsetzen, dass die Delegierten bei der Abstimmung nur ihrem Gewissen unterworfen sind - theoretisch hätten sie sich dann von Trump abwenden und etwa Ted Cruz oder einen Alternativkandidaten küren können.

Im Laufe des Nachmittags hatte sich eine Gruppe mit Delegierten aus neun Staaten zusammengeschlossen, um eine Abstimmung des Plenums über die Änderung zu erzwingen (roll call vote). Laut Regularien würde es genügen, wenn sich die Mehrheiten von mindestens sieben Delegationen verbünden, damit alle Abgesandten votieren müssen.

Eine Abstimmung über die Regeln hätten die Gegner wahrscheinlich verloren. Das Votum hätte allerdings deutlich gemacht, dass nicht alle Delegierten den umstrittenen Milliardär unterstützen.

Große Wut auf die Leitung des Parteitags

Steve Womack, republikanischer Abgeordneter und zu diesem Zeitpunkt Vorsitzender des Parteitags, setzte sich jedoch über den Antrag hinweg und verließ die Bühne. Es folgten wütende Proteste, laute "Roll Call Vote"-Rufe und Klagen über mangelnde Demokratie. Zugleich brüllten die Trump-Fans höhnisch in Richtung der Rebellen.

Womack, ein bekennender Trump-Unterstützer, kehrte schließlich zurück, wiederholt das Prozedere und erklärte das Anti-Trump-Lager zu Verlierern der Abstimmung. Er verkündet danach, dass die Leitung einen Antrag von neun Staaten erhalten habe - doch kurz darauf hätten drei Delegationen wieder zurückgezogen. Dadurch sei die nötige Zahl nicht erreicht worden. Senator Mike Lee aus Utah sprach von einem "unerhörtem Vorgang" und sagte: "Jemand schuldet uns eine Erklärung."

Damit steht der Kür von Donald Trump nichts mehr im Wege. In der Nacht auf Dienstag wird unter anderem Ehefrau Melania sprechen und diverse Hardliner-Senatoren werden Hillary Clinton heftigst attackierten. Am Dienstag erfolgt das offizielle Votum der 2437 Delegierten, bevor der 70-jährige Immobilien-Mogul am Donnerstag die Nominierung annehmen und die wohl wichtigste Rede seines Lebens halten wird.

Die Auseinandersetzungen in der Halle, die per Live-TV in die Welt hinaus gingen, offenbaren den tiefen Riss, der durch die konservative Partei geht. Das einzige, was sie verbindet, ist die Ablehnung von Hillary Clinton (mehr hier) - die ehemalige Außenministerin soll in der kommenden Woche in Philadelphia zur Präsidentschaftskandidatin der Demokraten gewählt werden.

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