Parteitag der Demokraten Der Präsident als Cheerleader

Auf dem Parteitag der Demokraten verordnet Obama den unzufriedenen Wählern Optimismus - und Hillary Clinton. Er fordert: "Macht für sie, was ihr für mich getan habt."

Von Matthias Kolb, Philadelphia

Zum vierten Mal steht Barack Obama bei einem Parteitag der Demokraten im Mittelpunkt. Um 22:54 Uhr betritt er die Bühne und erinnert daran, dass es auf den Tag genau zwölf Jahre her ist, als er mit seiner Rede auf den damaligen demokratischen Präsidentschaftskandidaten John Kerry ein angehender Polit-Superstar wurde. "Es gibt jene, die uns gegeneinander ausspielen wollen", proklamierte er damals. "Ihnen sage ich: Es gibt kein liberales und kein konservatives Amerika, es gibt nur die Vereinigten Staaten von Amerika."

Da hörte man sie zum ersten Mal, die Botschaft des Brückenbauers und von hope und change, von einem Amerika, das nicht in Rassen und politische Lager aufgeteilt ist. Sie trug Obama 2008 ins Weiße Haus. Als Präsidentschaftskandidat und als Amtsinhaber 2012 war er stets der letzte Redner bei den Conventions und warb um die Stimmen der Wähler. In Philadelphia ist er am vorletzten Abend dran und übernimmt die Rolle des Cheerleaders: Natürlich wirbt er weiter für Einigkeit, doch er preist vor allem Hillary Clinton.

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Parteitag der US-Demokraten

First Lady furios

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"Ich kann mit voller Überzeugung sagen, dass kein Mann und keine Frau je qualifizierter waren für das Amt des US-Präsidenten als Hillary Clinton", ruft Obama. Wie reagiert man auf globale Krisen und wie entscheidet man, junge Soldaten in den Krieg zu schicken? Niemand kann sich darauf vorbereiten, sagt Obama, aber seine Ex-Außenministerin sei im Vorteil: "Sie war bei den Beratungen dabei. Sie weiß, was auf dem Spiel steht, hört in Krisensituationen zu und behält die Ruhe."

Der US-Präsident versichert den Millionen TV-Zuschauern, dass Clinton den Islamischen Staat besiegen werde: "Sie kennt sich mit Terroristen aus. Sie wird sie bezwingen, ohne Folter anzuwenden oder allen Angehörigen einer Religion die Einreise zu verbieten." Wie seine Ehefrau Michelle am Montag betont Obama, dass Clinton nie aufgebe. Am Ende bittet der Präsident, den sie in seiner Partei so sehr verehren: "Macht für sie, was ihr für mich getan habt." Als Clinton von der Seite die Bühne betritt und sich die früheren Rivalen lange umarmen, steht die Halle Kopf.

Obama nennt Trump eine Bedrohung

In den 40 Minuten davor beschreibt Obama die USA, die überhaupt nicht jenem Bild ähneln, das Donald Trump vergangene Woche gezeichnet hatte. Obama feiert das bunte, multikulturelle Amerika - und betont, dass Clinton Einwanderer als "liebende Familien" sehe und nicht wie Trump als "Vergewaltiger" und "Kriminelle". Der amerikanische Traum sei etwas, das keine Mauer aufhalten könne.

Je länger Obama redet, umso klarer wird, wie sehr er Donald Trump verachtet. Die Amerikaner würden auf dessen Angstmache nicht hereinfallen. Voller Spott nennt der Präsident den 70-Jährigen einen Mann ohne "Pläne und Fakten". Trump sei ein Geschäftsmann, gesteht Obama zu, doch gebe es viele andere Unternehmer, die nicht ständig in Prozesse und Pleiten verwickelt seien. Amerika habe ein starkes Militär, ziehe die schlauesten Köpfe an, sagt Obama stolz. "Deshalb wird jeder, der unsere Werte bedroht, am Ende scheitern - egal ob Faschisten, Kommunisten oder Dschihadisten oder unsere selbst gezüchteten Populisten." Es ist seine härteste Attacke auf Trump bisher.

"Das Amerika, das ich kenne, ist voller Mut, Optimismus und Einfallsreichtum. Es ist anständig und großzügig", ruft der Präsident. Natürlich gebe es Probleme - Rechnungen müssen bezahlt, Kinder beschützt und Eltern gepflegt werden.

Er verstehe den Frust über politischen Stillstand, die Spannungen zwischen Schwarzen und Weißen und die Trauer "über den Wahnsinn von Orlando oder Nizza", sagt er. Was er vergangene Woche gehört habe, sei weder typisch für Konservative noch für die Republikaner, ruft Obama - es ist ein eindeutiges Buhlen um die Wähler des politischen Rivalen.

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Natürlich betont Obama, dass sich die USA anstrengen müssten, um sich zu verbessern. Aber wie fast alle Redner beim Parteitag gibt er sich auch zuversichtlich: "Ich war nie so optimistisch wie heute." Er weiß, dass die Arbeitslosigkeit seit Jahren abnimmt und die Wirtschaft wächst. Doch Umfrage nach Umfrage belegt, dass viele Wähler das nicht wahrnehmen: Sieben von zehn Amerikanern sind unzufrieden mit dem Zustand des Landes; beinah ebenso viele sagen, dass sich die USA in die falsche Richtung bewegten, die Mehrheit ist überzeugt, dass Amerikas Volkswirtschaft eigentlich schrumpfe.