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Parlamentswahl:Tote und Verletzte bei Anschlägen auf Wähler in Afghanistan

  • Gewalt überschattet die Parlamentswahlen in Afghanistan. In der Nähe mehrerer Wahllokale kommt es zu Explosionen und Angriffen durch die radikal-islamischen Taliban.
  • Auch organisatorische Probleme erschweren die Stimmabgabe.
  • Knapp neun Millionen Menschen sind wahlberechtigt, das Wahlergebnis wird erst in einigen Wochen vorliegen.

Der Urnengang für das neue Parlament in Afghanistan hat mit den befürchteten gewalttätigen Attacken begonnen: In der Nähe mehrerer Wahllokale explodierten Sprengsätze. Die Taliban, die ein Drittel des Landes kontrollieren, hatten zum Boykott der Abstimmung aufgerufen und mit Gewalt gedroht.

Aus verschiedenen Provinzen gibt es Berichte über Angriffe, mindestens elf Menschen wurden getötet und Dutzende verletzt. Allein aus Kabul melden Krankenhäuser mindestens drei Tote und 67 Verletzte. Auf die Stadt Kundus im Norden des Landes seien seit dem Morgen etwa 50 Raketen abgefeuert worden, berichtet Provinzrat Ghulam Rabbani. Dabei seien mindestens zwei Menschen getötet und Dutzende verletzt worden. Nur wenige Wahlstationen hätten geöffnet. In dieser Form sei die Wahl "wertloser Unsinn", sagte Rabbani.

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Trotz der Drohungen der Taliban gingen am Samstagvormittag viele der knapp neun Millionen Wahlberechtigten zur Wahl. In der Provinz Baghlan bildeten Männer und Frauen eine Menschenkette, um Selbstmordattentäter vor sechs Wahllokalen fernzuhalten. Organisatorische Schwierigkeiten machen allerdings in einigen Orten die Stimmabgabe unmöglich: Wahllokale sind auch Stunden nach dem offiziellen Wahlbeginn noch nicht geöffnet oder es fehlen Unterlagen. Viele Lehrer, die als Wahlpersonal eingeteilt sind, seien nicht in die Wahllokale gekommen, hieß es. Die Taliban haben Lehrern und Schulleitern mit Gewalt gedroht, sollten sie ihre Schulen als Wahlbüros zur Verfügung stellen.

Probleme bereiten auch die biometrischen Geräte zur Wählererfassung. Das neue Registrierungsverfahren ist erst kurz vor der Wahl eingeführt worden. Die Wahlkommission kündigte an, die Wahl in einigen Teilen des Landes zu verlängern.

Mehr als 2500 Kandidaten bewerben sich um 250 Sitze in der Wolesi Dschirga (Haus des Volkes). Die Wahl war aufgrund von Verzögerungen bei der Wahlrechtsreform über drei Jahre immer wieder verschoben worden. Die afghanische Wahlkommission lobte Bürger, die ihr Kreuz machen, als "sehr, sehr mutig". Eine Wahlbeteiligung von fünf Millionen Bürgern wäre ein Erfolg. Mit vorläufigen Wahlergebnissen ist nicht vor Mitte November zu rechnen, sagte der Vize-Sprecher der Wahlkommission. Die Endergebnisse würden für Ende Dezember erwartet.

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