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Parlamentswahl in Griechenland:Banken und Regierung in Griechenland sind allein nicht überlebensfähig

Einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zufolge haben sowohl Finanzminister Hardouvelis als auch Zentralbankchef Giannis Stournaras Alexis Tsipras in den letzten Wochen mehrfach über die finanziellen Spielräume informiert und dem Syriza-Chef wohl deutlich gemacht, dass Griechenland ohne Kooperation mit der Troika nicht überlebensfähig ist.

Athen wird seit fünf Jahren von den Euro-Ländern und dem IWF unterstützt, weil die Regierung wegen zu hoher Schulden auf den Kapitalmärkten keinen Kredit mehr erhält. Insgesamt haben die Partner der griechischen Regierung fast 240 Milliarden Euro geliehen, Deutschland bürgt für etwa 53 Milliarden.

So können sich die vier größten griechischen Geldhäuser - Alpha-Bank, Euro-Bank, Piräus-Bank und Ethniki-Bank - nicht auf den privaten Kapitalmärkten mit Geld versorgen, sondern sind auf Rückendeckung der EZB angewiesen.

Tsipras ist nun endgültig Star der europäischen Linken

In den nächsten Wochen wird es für Tsipras und seine Regierung darum gehen, ein Programm auszuarbeiten, dass nicht nur für die EZB, die Partner der EU-Kommission in Brüssel sowie in Berlin, Paris oder Rom akzeptabel ist, sondern dem auch die eigene Partei und die Wähler in Griechenland zustimmen können. Welche seiner Versprechen Tsipras unter diesen Sparzwängen wird einhalten können, ist ebenso völlig offen: Der 40-Jährige hatte im Wahlkampf angekündigt, den monatlichen Mindestlohn von 586 auf 751 Euro anzuheben, Massenentlassungen zu verbieten und 300 000 neue Jobs zu schaffen.

Seit seinem fulminanten und deutlichen Wahlsieg vom Sonntag, der ihn nun zum neuen griechischen Premierminister macht, hat Alexis Tsipras noch einen weiteren Titel endgültg sicher: Er ist nun der Star der europäischen Linken, die auf ein Ende der strengen Sparpolitik hoffen. Im Wahlkampf trat Tsipras unter anderem mit dem Spanier Pablo Iglesias, dem Chef der linksliberalen "Podemos"-Partei, auf.

Tsipras ist sich seines eigenen Charismas und der Symbolik seines Erfolgs bewusst. Deswegen wird er sicher trotz seines engen Zeitplans bald nicht nur nach Brüssel reisen - sondern auch nach Madrid, Rom oder Lissabon, um dort für seine Überzeugungen zu werben.

Linktipps:

  • Ein Porträt des "Revoluzzers" und eindeutigen Wahlsiegers Alexis Tsipras lesen Sie hier.
  • Wie Syriza-Chef Alexis Tsipras von seiner radikalen Rhetorik abrückt und erste Kompromisse andeutet, beschreibt SZ-Korrespondentin Christiane Schlötzer in dieser Analyse.
  • Die BBC beschreibt in einem ausführlichen Stück, wie sich Syriza darauf vorbereitet hat, politische Verantwortung zu übernehmen.
© SZ.de/mit Material von Reuters/ghe/frdu

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