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Messerattacke auf Pariser Polizei:Sieben tödliche Minuten

Messerattacke in Paris

Vier Menschen hat der Polizeiangestellte Mickaël H. am Donnerstag in der Pariser Polizeipräfektur erstochen.

(Foto: dpa)
  • Die Hinweise auf eine mögliche Radikalisierung des Attentäters von Paris mehren sich.
  • Das teilen die Ermittler am Samstag mit.
  • Oppositionspolitiker werfen Innenminister Castaner (LREM) vor, Hinweise auf ein mögliches islamistisches Motiv zunächst verschwiegen zu haben.

Zwei Tage nach der Messerattacke in der Polizeipräfektur von Paris haben die Ermittler Details zum Tathergang und dem mutmaßlichen Täter, Mickaël H., 45, genannt. Demnach gibt es Hinweise auf ein mögliches radikalislamisches Motiv: Der Mann, der als IT-Mitarbeiter in der Polizeiverwaltung tätig war, sei Anhänger einer radikalen Interpretation des Islam gewesen und habe in Kontakt zur salafistischen Bewegung gestanden, sagte ein Sprecher der ermittelnden Anti-Terror-Einheit.

Zudem hätten sich weitere Hinweise auf eine "latente Radikalisierung" H.s ergeben, etwa, dass sich sein Kleidungsstil und sein Umgang mit Kolleginnen verändert habe. Am Donnerstagvormittag, kurz bevor H. aus seinem Büro auf der Île de la Cité aufbrach um die Tatwaffe zu kaufen, wechselte H. 33 SMS mit seiner Frau. Die Nachrichten waren nach Angaben des Sprechers religiösen Inhalts, wiesen allerdings keinen konkreten Bezug zur Tat auf.

Die Ehefrau des mutmaßlichen Angreifers blieb am Samstag weiterhin in Gewahrsam. Den Angaben zufolge war sie nicht in der "Fiche S" geführt, der französischen Datei für Gefährder. Am Freitagabend hatten die Anti-Terror-Fahnder der Staatsanwaltschaft die Ermittlungen übernommen.

Nach Angaben vom Samstag spielte sich die tödliche Messerattacke binnen sieben Minuten ab: Um 12.53 Uhr am Donnerstag verließ H., bewaffnet mit einem Keramikmesser, das er eine halbe Stunde zuvor in der nahegelegenen Rue Saint-Jacques gekauft hatte, sein Büro. Auf seinem Weg durch die Polizeipräfektur verletzte er drei Polizisten und einen Polizeiangestellten tödlich. Um 13 Uhr wurde Mickaël H. von einem Beamten erschossen.

Oppositionspolitiker fordern Castaner zum Rücktritt auf

Kritik an der Reaktion der Behörden kam vonseiten der Opposition. Konservative Politiker erhoben den Vorwurf, dass frühe Hinweise auf ein mögliches islamistisches Motiv vernachlässigt oder sogar absichtlich verschwiegen wurden. Éric Ciotti, Abgeordneter der Republikaner, verlangte eine parlamentarische Untersuchung und beschuldigte Innenminister Christophe Castaner von Emmanuel Macrons Partei "La Republique en Marche" (LREM), nicht die Wahrheit gesagt zu haben. Es wurde erwartet, dass der Chef der Republikaner in der Nationalversammlung, Christian Jacob, am Dienstag die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses fordern würde. Andere konservative Abgeordnete riefen Castaner zum Rücktritt auf.

Die Zeitung Le Parisien berichtete unter Berufung auf anonyme Polizeiquellen, dass auf Beamte Druck ausgeübt worden sei, verdächtige Vorkommnisse aus H.s Vergangenheit unerwähnt zu lassen. Dabei geht es dem Bericht zufolge unter anderem um eine offiziell bestätigte Begebenheit, bei der H. seine Sympathie für den Anschlag auf die Redaktion der Satirezeitschrift Charlie Hebdo im Januar 2015 bekundet haben soll.

Die Regierung hat angesichts des Vorfalls in Paris nun angekündigt, konsequenter gegen eine Radikalisierung innerhalb der Polizei vorzugehen. Es werde zwei Aufklärungsmissionen geben, sagte der französische Premierminister Edouard Philippe der Zeitung Le Journal du Dimanche. Eine betreffe die Polizeipräfektur in der französischen Hauptstadt, die zweite die Geheimdienste, die mit der Terrorbekämpfung betraut seien. Die Aufdeckung interner Bedrohungen habe höchste Priorität, sagte Philippe. Kein Signal der Radikalisierung dürfe ignoriert werden.