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Parallelgesellschaften und Anti-Islamismus:Unter Verdacht

Parallelgesellschaften und Anti-Islamismus darf es in einer Demokratie nicht geben. Doch sie sind im Inbegriff, wieder zu entstehen.

In einer großen Zeitung erscheint ein langer Artikel über die Stellung der Juden in Deutschland heute. Darin heißt es: Während ein nicht unbedeutender Teil der Juden sich in die deutsche Gesellschaft integriert, ist das bei vielen anderen nicht festzustellen.

"Naher Osten, näher": Ein Projekt anlässlich der Buchmesse in Frankfurt.

(Foto: Foto: AP)

Viele Juden meinen, sie kämen auch ohne Deutschkenntnisse aus. Schulische Aktivitäten, wenn sie denn einmal auf einen Samstag fallen, werden boykottiert. Frauen sind im Judentum auch heute noch Bürger zweiter Klasse.

Besonders besorgt drückt sich der Autor darüber aus, dass einige ultra-zionistische, nicht offen operierende Organisationen Mitglieder in Deutschland anwerben und für ihre Zwecke, ein theokratisches Groß-Israel, Geld sammeln. Gerade auch die russisch-jüdischen Einwanderer hätten sich in großstädtischen Ghettos isoliert, abgeschottet von der deutschen Umwelt und ohne Interesse an unserer Kultur und Lebensweise.

Ein Artikel dieser Sorte, erschiene er denn in einer deutschen Zeitung, würde eine Welle der Entrüstung hervorrufen. Der Chefredakteur müsste sich umgehend für den "bedauerlichen Ausrutscher" entschuldigen, dem verantwortlichen Redakteur würde vermutlich fristlos gekündigt.

Wenn wir in diesem Bericht jedoch das Wort "Juden" durch die Wörter "Muslime" oder "Türken" ersetzen und den Inhalt etwas umschreiben, dann liegt die Sache ganz anders. Solche Berichte lesen wir fast täglich, sie sind, trotz ihrer Halbinformiertheit, das Selbstverständlichste der Welt.

Ignoranz und Hysterie

Mit einer erstaunlichen Ignoranz und Hysterie - der soziologische Begriff der moral panic bringt das auf den Punkt - werden Gruselgeschichten über türkische Organisationen in Deutschland, muslimische Frauen oder die Schulsituation der Kinder kolportiert. Wenn eine Moschee angezündet oder geschändet wird, ist das kaum eines Berichtes wert. Bei einer Kirche oder Synagoge wäre das anders.

Klaus Buß, Innenminister in Schleswig-Holstein, wurde unlängst in der SZ mit dem Satz zitiert, es entwickelten sich bei uns "Parallelgesellschaften mit undurchsichtigen Strukturen. So etwas darf es in einer demokratischen Gesellschaft nicht geben".

Buß meinte nicht etwa bestimmte elitäre Milieus, deren Angehörige enge Geschäftsverbindungen miteinander pflegen, oft untereinander heiraten und ihre Kinder auf für Normalverbraucher kaum zugängliche Internate schicken.