Papst trifft Missbrauchsopfer "Intensiv und emotional"

Papst Benedikt XVI. betet mit Opfern sexuellen Missbrauchs durch katholische Priester. Tief bewegt spricht er von Scham und äußert Bedauern - und das zum fünften Amtsjubiläum.

Seit fünf Jahren steht Papst Benedikt XVI. an der Spitze der katholischen Kirche - dazu haben ihm jetzt die deutschen katholischen Bischöfe gratuliert und ihm zugleich "uneingeschränkte Solidarität" zugesichert. Das Kirchenoberhaupt hatte sich angesichts der jüngsten Skandale um den massenhaften Missbrauch von Kindern durch katholische Geistliche massive Kritik gefallen lassen müssen.

Lob und Rückhalt

In einem Glückwunschschreiben dankte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, dem Papst für seinen Einsatz und die Leitung der universalen Kirche. "Auch wenn wir derzeit schwere Zeiten erleben, dürfen wir nicht kleinmütig werden", schrieb der Freiburger Erzbischof. "Wir danken Ihnen für Ihre Mut machenden Worte, die ein Zeugnis des lebendigen Glaubens an unseren Herrn sind", heißt es in dem Brief.

Zollitsch versichert Benedikt, "dass die Kirche in Deutschland auch die kommenden Jahre Ihres Pontifikats im Gebet und mit voller Unterstützung begleiten wird. Sie dürfen sich unserer uneingeschränkten Solidarität sicher sein."

Zum Jahrestag der Wahl des deutschen Papsts schrieb Zollitsch auch einen Beitrag für die Vatikan-Zeitung L'Osservatore Romano. Darin heißt es, mit seinem feinen, sicheren Gespür weise Benedikt gerade auch auf die modernen Gefährdungen des menschlichen Lebens hin, die sich etwa hinter der Globalisierung und Fortschrittsgläubigkeit verbärgen.

"Dazu gehört auch die Gefahr eines ungezügelten Kapitalismus genauso wie die vielfachen Bedrohungen durch einen scheinbar grenzenlosen Machbarkeitswahn auf dem Gebiet der Bio-Technologien", schreibt Zollitsch.

Ein "brillanter Intellektueller"

Zudem suche Papst Benedikt XVI. ganz bewusst den Dialog zu den anderen Religionen. "Religion darf nicht Anlass von Hass und Gewalt sein und nicht zu politischen Zielen missbraucht werden, hieß seine eindringliche Botschaft beim Besuch in der großen Moschee von Amman." Und auch mit dem Judentum wisse sich das Kichenoberhaupt tief verbunden, "allen Wirren um die Williamson-Affäre zum Trotz".

Der schmeichelnden Worte nicht genug, bezeichnete der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz den Papst gegenüber der Nachrichtenagentur dpa gar als "brillanten Intellektuellen".

Zollitsch räumte ein, dass es im vergangenen Jahr im Zusammenhängen mit den Missbräuchen in der katholischen Kirche "das eine oder andere Problem in der Kommunikation" gegeben habe. Der Freiburger Erzbischof hob jedoch den Papst-Brief an die irischen Katholiken hervor, der "über Irland hinaus fundamentale Aussagen" getroffen habe. Auch habe sich der Pontifex "persönlich mit Opfern getroffen".

Treffen mit Missbrauchsopfern

Wie um die lobenden Worte aus Deutschland zu bestätigen, traf sich Benedikt am Sonntag in Malta mit Opfern sexuellen Missbrauchs durch katholische Priester.

Der Papst sei von den Erfahrungsberichten der maltesischen Männer tief bewegt gewesen und habe Scham und Bedauern ausgedrückt, berichtete Vatikan-Sprecher Federico Lombardi. Der Papst traf die heute 30 bis 40 Jahre alten Männer in der Kapelle der Apostolischen Nuntiatur, sprach mit jedem und betete auch mit den Missbrauchsopfern.

Die 25-minütige Begegnung sei "intensiv und emotional" verlaufen, aber in gelöster Atmosphäre, beschrieb Lombardi das Treffen, bei dem Medien ausgeschlossen waren. Der Papst versicherte den Männern, dass die Kirche weiterhin alles in ihrer Macht stehende tun werde, "um Anschuldigungen (zu sexuellem Missbrauch) zu untersuchen, Verantwortliche der Justiz zuzuführen und wirksame Maßnahmen zu ergreifen, die junge Menschen in der Zukunft schützen sollen". Das Gebet des Papstes richtete sich auf "Heilung und Versöhnung" bei allen Missbrauchopfern, damit diese mit neuer Hoffnung voranschreiten könnten, so eine Mitteilung des Vatikans.

"Wir haben alle geweint, aber jetzt sind wir alle sehr glücklich", sagte eines des Missbrauchsopfer, der 38-jährige Joe Magro. "Wir taten dem Papst wirklich leid, diese ganze Erfahrung war sehr beeindruckend", ergänzte Magro, der nach seinen Angaben von 1988 bis 1990 in einem katholischen Waisenhaus missbraucht worden war. "Ich bin erleichtert und befreit von einem großen Gewicht", sagte auch Lawrence Grech. "Wir haben dem Papst sehr gedankt", erklärte er als Sprecher der Missbrauchsopfer unter Tränen.

Die maltesischen Missbrauchsopfer hatten um eine persönliche Begegnung mit dem Papst gebeten. Jedoch sollte das Gespräch nicht vor den Medien geführt werden, hatte Vatikan-Sprecher Lombardi betont.