Nach seinem verbalen Fernduell mit US-Präsident Donald Trump hat Papst Leo XIV. erneut den Missbrauch der Religion für politische Zwecke kritisiert. „Wehe denen, die die Religionen und selbst den Namen Gottes für ihre militärischen, wirtschaftlichen und politischen Zwecke verbiegen und damit das Heilige in Schmutz und Finsternis ziehen“, sagte das katholische Kirchenoberhaupt am Donnerstag in Bamenda im Nordwesten Kameruns. Kamerun ist für Leo nach Algerien die zweite Station einer elftägigen Afrika-Reise.
US-Präsident Trump hatte Leo in der Nacht zu Montag auf seinem Netzwerk Truth Social für seine wiederholten Friedensbotschaften auch im Zusammenhang mit dem Iran-Krieg attackiert. Papst Leo hatte den Angriff am Montag gelassen pariert und erklärt, er werde sich nicht auf eine Debatte einlassen und weiterhin für den Frieden und gegen Krieg eintreten.
Auch am Donnerstag legte Papst Leo nach: „Die Welt wird von wenigen Tyrannen zerstört und von Myriaden solidarischer Brüder und Schwestern aufrechterhalten“, sagte der Papst in seiner auf Englisch gehaltenen Rede. Anlass war ein Friedenstreffen. In Kamerun bekämpfen sich die Unabhängigkeitsbewegung der englischsprachigen Regionen und die frankofone Zentralregierung des Landes seit 2016. Für die etwa 20 Prozent der Bevölkerung Kameruns, die in der Region leben, hat der Konflikt eine humanitäre Krise ausgelöst.
Kirchen spielen in Konflikt wichtige Vermittlerrolle
In seiner leidenschaftlichen Ansprache dankte Leo all jenen, „besonders den Frauen, Laien und Ordensschwestern“, die sich um Menschen kümmern, die durch Gewalt traumatisiert sind. „Die Kriegsherren tun so, als ob sie nicht wüssten, dass ein Augenblick genügt, um zu zerstören, dass aber oft ein ganzes Leben nicht ausreicht, um wiederaufzubauen“, sagte Leo. Milliarden Dollar würden für das Töten und Zerstören ausgegeben. Man finde jedoch nicht die Mittel, „um zu heilen, zu erziehen und wiederaufzurichten“.
Der Besuch des Papstes in der Krisenregion lässt laut dem Priester Tatah Mbuy viele Menschen dort auf Frieden hoffen. Die Bevölkerung habe in den vergangenen Jahren sehr gelitten, sagte der Kommunikationsdirektor der Erzdiözese Bamenda dem Evangelischen Pressedienst (epd). Nun hätten die Separatisten eine Waffenruhe für die Zeit des Papstbesuchs angekündigt, sagte Mbuy. „Wir hoffen, dass der Frieden bleibt und einen Neuanfang ermöglicht.“
Die Unabhängigkeitskämpfer kontrollieren Teile der Diözese, haben Checkpoints errichtet und erheben Zölle. Die Bevölkerung ist der Gewaltherrschaft ausgesetzt. Die Kirchen spielten eine wichtige Rolle im Friedensprozess. Diese könnte sich durch den Papstbesuch noch verstärken, sagte Mbuy.


