Migration:Papst geißelt Flüchtlingspolitik

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Papst Franziskus in Griechenland

Mauern und Stacheldrahtzäune seien eine "traurige Lösung" der Migrationsfragen, sagte Papst Franziskus auf der griechischen Insel Lesbos. Hier mit Kindern im Lager Kara Tepe.

(Foto: Louisa Gouliamaki/dpa)

Auf der griechischen Insel Lesbos trifft Franziskus Migranten und beklagt ihre menschenunwürdige Behandlung. In Europa herrsche in der Frage "schrecklicher Stillstand".

Papst Franziskus hat sich auf der griechischen Insel Lesbos erneut sehr prägnant zum Thema Migration geäußert. Das Mittelmeer, "Wiege zahlreicher Zivilisationen", sagte er, werde zum "kalten Friedhof ohne Grabsteine" und einem "Spiegel des Todes". "Ich bitte euch, lasst uns diesen Schiffbruch der Zivilisation stoppen", forderte der 84-Jährige dort am Sonntag.

Das Kirchenoberhaupt ließ bei dieser Etappe seines Griechenlandbesuchs sogleich das Protokoll außer Acht. Bei der Ankunft in Camp Kara Tepe stieg er aus dem Auto, um zu Fuß an Hunderten Migranten vorbeigehen, er schüttelte viele Hände, sprach mit Flüchtlingen, legte Kindern die Hand auf den Kopf.

December 5, 2021, LESBOS: Pope Francis at the Reception and Identification Centre (RIC) in Mytilene on the island of Le

Lieber bei den Menschen als im Protokoll: Auf Lesbos ging Franziskus anders als geplant zu Fuß an Hunderten Migranten im Aufnahmecenter Mytilene vorbei und sprach mit vielen von ihnen.

(Foto: Vatican Media/Ansa/imago/ZUMA)

In anderen Bereichen wie der Klimapolitik sei mehr in Bewegung, sagte Franziskus dann im Aufnahmezentrum Mytilini, aber es gebe in Europa immer noch Leute, die so täten, als gingen Flucht und Migration sie nichts an. Es herrsche ein "schrecklicher Stillstand", tragischerweise bestünden weiter viele menschenunwürdige Situationen: "Wie viele Hotspots, wo Migranten und Flüchtlinge unter grenzwertigen Umständen leben, ohne dass sich am Horizont eine Lösung abzeichnet." Die Menschenrechte müssten geachtet werden, "vor allem auf dem Kontinent, der sie weltweit propagiert", sagte der Papst an Europa gewandt. Es sei traurig, "wenn als Lösung vorgeschlagen wird, mit gemeinsamen Ressourcen Mauern zu bauen, Stacheldrahtzäune zu bauen."

Die EU beschreibt der Pontifex als "von nationalistischen Egoismen zerrissen"

Ähnlich deutlich hatte sich Franziskus am Vortag bei einer Ansprache im griechischen Präsidentenpalast geäußert und zuvor in Zypern. In Athen beklagte er die "Zögerlichkeit Europas" in der Flüchtlingspolitik und rief zu mehr gemeinsamer Solidarität auf, die EU sei "von nationalistischen Egoismen zerrissen".

In Zypern, erste Etappe seiner Reise in den östlichen Mittelmeerraum, traf sich Franziskus in Nikosia ebenfalls mit Migranten und veranlasste, dass von dort 50 Flüchtlinge nach Italien kommen können, wo die Kirche sich ihrer annimmt. Das tat Franziskus bereits 2016, als er das erste Mal auf die Insel Lesbos kam, um Flüchtlingen im inzwischen von einem Brand vernichteten Lager Moria zu begegnen.

Von Lesbos kehrte der Pontifex wieder in die griechische Hauptstadt zurück, wo auf dem Programm eine Messe in einer Konzerthalle und ein weiteres Treffen mit Hieronymus II., dem orthodoxen Erzbischof von Athen und ganz Griechenland, standen. An diesem Montag soll der Papst nach Rom zurückfliegen.

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