Süddeutsche Zeitung

Vatikan:Die neuen "Prinzen des Papstes"

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Franziskus ernennt 21 neue Kardinäle, 16 von ihnen werden wohl seinen Nachfolger wählen. Schon jetzt kursieren erste Namen, wer als Nächster den Stuhl Petri besetzen könnte.

Von Oliver Meiler, Rom

Papst Franziskus bestellt seine Nachfolge - nicht direkt natürlich, aber mit klar erkennbarer Handschrift bei der Personalpolitik. Im achten Konsistorium seiner Amtszeit, das der katholischen Kirche am kommenden 27. August 21 neue Kardinäle bescheren wird, sind wieder viele Namen von der "Peripherie" dabei, also aus Gegenden und Ländern, die in den vergangenen Jahrhunderten nur selten bis gar nie zu Ehren gekommen waren. Neue "Prinzen des Papstes" kommen zum Beispiel aus Osttimor, Ghana, Singapur, Indien, Nigeria, Paraguay und Südkorea. Es sind auch wieder viele Überraschungen dabei, Männer ohne bekannte Namen. Aber da Franziskus immer schon überraschende Kardinäle kreiert hat, ist das Überraschungselement über die Jahre etwas abgestumpft.

Von den 21 werden 16 jünger sein als 80 Jahre, was sie berechtigen würde, beim nächsten Konklave teilzunehmen. Einer von ihnen, der Italiener Giorgio Marengo, Apostolischer Präfekt im mongolischen Ulan Bator, ist sogar erst 47 Jahre alt. Er wäre bei einer baldigen Papstwahl der jüngste Wähler. Drei Spitzenleute aus der römischen Kurie, die bisher noch kein Purpur tragen, werden nun damit eingekleidet, und das war erwartet worden. Nach dem Konsistorium wird die Zahl der Kardinäle auf insgesamt 229 steigen. 132 von ihnen sind im Wahlalter.

Zwei Kriterien lenken seine Personalpolitik: Peripherie und Engagement

Die Zusammensetzung des Gremiums gibt einen ersten Hinweis darauf, wer dann einmal als Nächster den Stuhl Petri besetzen könnte. Es zirkulieren auch schon Namen, obschon das Raten, der sogenannte "Toto-Papa", sich weder ziemt noch verlässlich ist. Zunächst aber zu den Zahlen. Von den 132 Wählern sind 38 von Benedikt XVI. ausgesucht worden, elf noch von Johannes Paul II. Franziskus hat also 83 von ihnen bestimmt. Er prägt damit das nächste Konklave ganz markant. Auffällig sind vor allem zwei Kriterien, die ihn leiten.

Erstens: Der Argentinier Jorge Mario Bergoglio, der sich einst als Papst "vom Ende der Welt" vorgestellt hat und die Umsorgung aller Peripherien, der geografischen und der existenziellen, in den Mittelpunkt stellte, bleibt seiner Devise treu und justiert die Gewichte neu. Die Führung der Weltkirche soll auch wirklich global und divers sein. Dadurch schrumpft die zentrale Vormachtstellung italienischer und europäischer Kirchenmänner. Waren 2013, für die Wahl Bergoglios, noch 52 Prozent der Wähler Europäer, sind es nach dem neuen Konsistorium noch 41 Prozent. Die Italiener stellen das größte Kontingent mit 21 von 132 Wählern, vor neun Jahren waren sie allerdings noch 28 von 115 gewesen. Auf Italien folgen die USA mit zehn und Spanien mit sechs. Neuerdings stellt Afrika 17 wählende Kardinäle, Asien 20, Ozeanien drei, ganz Amerika 38.

Zweitens: Franziskus interessiert sich bei der Auswahl nicht so sehr für das Prestige und die Tradition der Diözesen, aus denen mögliche Anwärter kommen. In Italien zum Beispiel sind gleich sechs Bistümer, die früher eine Garantie für den Kardinalshut waren, übergangen worden: Mailand, Turin, Genua, Venedig, Neapel und Palermo. Wichtiger scheint dem Papst nur zu sein, dass Männer mit Amtswürden bedacht werden, die sich durch besonders starkes Dienstengagement hervorgetan haben.

Es kursieren schon Namen. Doch Prognosen haben den Wert eines Lotteriescheins

Gleich im Anschluss an das Konsistorium im August wird der Papst die Kardinäle versammeln, um über die neue "Verfassung" der römischen Kurie zu reden. "Praedicate Evangelium", 54 Seiten lang, ersetzt die Konstitution "Pastor bonus" aus dem Jahr 1988 und tritt schon am kommenden Pfingstsonntag in Kraft. Ziel ist es, die Kirchenzentrale noch stärker in den Dienst der Ortskirchen zu stellen und die Evangelisierung neu zu beleben. Missionsarbeit ist schwierig geworden: Die vielen Missbrauchsskandale haben das Image der Kirche nachhaltig beschädigt.

Aber nun noch zu den herumgereichten Namen für die Zeit nach Franziskus, der mittlerweile 85 Jahre alt ist. Sein Knie schmerzt ihn, in jüngerer Vergangenheit sah man ihn oft mit Gehhilfe, doch schlimmere Gebrechen scheint er nicht zu haben. Besonders oft genannt wird der Römer Matteo Maria Zuppi, 66 Jahre alt, Erzbischof von Bologna und seit vergangener Woche Präsident der italienischen Bischofskonferenz. Zuppi steht der humanitären Laienorganisation Sant'Egidio nahe und wird auch "Priester der Letzten" genannt, weil er sich oft für die Armen und Randständigen starkgemacht hat.

Chancen werden immer auch den vatikanischen Staatssekretären eingeräumt: Im Moment ist das Pietro Parolin, 67, auch er Italiener. Als "papabile", papstfähig, gelten weiter Luis Tagle, 64, Kardinal von den Philippinen, und Seán Patrick O'Malley, 77, Erzbischof von Boston. Vor Einberufung eines Konklaves haben solche Prognosen aber gemeinhin den Wert eines Lotteriescheins.

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