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Katholische Kirche:Auszeit für Erzbischof Heße

Erzbischof Heße

Stefan Heße, Erzbischof von Hamburg, hat beim Papst um seinen Rücktritt gebeten.

(Foto: Markus Scholz/dpa)

Ein Missbrauchs-Gutachten im Erzbistum Köln belastet den Hamburger Katholiken schwer. Nun schickt ihn Papst Franziskus in eine Pause von unbestimmter Dauer.

Von Matthias Drobinski, Frankfurt

Papst Franziskus gewährt Hamburgs Erzbischof Stefan Heße, 54, der um die Entpflichtung von einem Amt gebeten hat, zunächst eine Auszeit von unbestimmter Dauer. Dies teilten der Vatikan und das Erzbistum Hamburg mit. "Während seiner Abwesenheit wird der Generalvikar Ansgar Thim, 63, die ordnungsgemäße Verwaltung der Erzdiözese sicherstellen", heißt es in einer Medieninformation. Eine endgültige Entscheidung, ob Franziskus das Rücktrittsgesuch Heßes annimmt, ist damit noch nicht gefallen.

Das im Erzbistum Köln veröffentlichte Gutachten der Kanzlei Gercke/Wollschläger zum Verhalten der Kirchenverantwortlichen bei Fällen sexualisierter Gewalt belastet den aus dem Erzbistum Köln stammenden Heße schwer. In seiner Zeit als Personalchef und Generalvikar hat er laut Gutachten in elf Fällen seine im Kirchenrecht festgelegten Pflichten verletzt. Er habe es versäumt, kirchliche Verfahren in Gang zu bringen und Verdachtsfälle nach Rom oder der Staatsanwaltschaft zu melden. Auch das vom Erzbistum zurückgehaltene Gutachten der Münchner Kanzlei WSW wirft Heße vor, den Schutz der Institution über die Fürsorge für die Betroffenen gestellt zu haben.

Erzbischof Heße hatte, als das Gutachten am 18. März veröffentlicht wurde, noch am Abend erklärt, er werde den Papst um die Erlaubnis zum Rücktritt bitten, "um Schaden vom Amt des Erzbischofs sowie vom Erzbistum Hamburg abzuwenden". Er betonte, er habe sich niemals an der Vertuschung von Missbrauchsvorwürfen beteiligt, sei aber bereit, Verantwortung für das Versagen des Systems zu tragen. Am Tag danach hatte Generalvikar Thim vorläufig die Leitung des Erzbistums übernommen.

Ein Sprecher des Erzbistums Hamburg sagte, das Schreiben des Papstes sei notwendig, damit Erzbischof Heße sein Amt schon jetzt ruhen lassen und der Generalvikar die Geschäfte übernehmen könne. Papst Franziskus habe damit die Schritte bestätigt, die Heße und das Erzbistum unternommen hätten. Der Brief deute auch darauf hin, dass der Vatikan nun das Rücktrittsgesuch "angemessen sorgfältig" prüfen wolle. Die Auszeit sei nicht begrenzt. Er verstehe die Mitteilung so, dass in Rom noch keine Entscheidung über die Zukunft Heßes gefallen sei, sagte der Sprecher.

Ebenfalls am Montag hat der Vatikan Strafen gegen zwei polnische Bischöfe veröffentlicht, die Missbrauchsfälle vertuschen halfen. Der emeritierte Erzbischof Slawoj Leszek Glodz aus Danzig (Gdansk) und der frühere Bischof von Kalisz, Edward Janiak, müssen nun außerhalb ihrer jeweiligen Diözesen leben. Sie sind von öffentlichen religiösen Feiern und Treffen ausgeschlossen und müssen einer Stiftung zur Unterstützung von Missbrauchs-Betroffenen einen "angemessenen Betrag" spenden.

© SZ/hum
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