Papst Doppelmoral

Die Kirche leidet nicht unter homosexuellen Priestern, sondern einem zu engen Begriff von Sexualität.

Von Matthias Drobinski

Papst Franziskus hat in seinem jüngsten Interview nur die geltende katholische Regel erklärt: Priester müssen zölibatär leben, egal, ob sie homo- oder heterosexuell empfinden. Und weil in den Priesterseminaren nun mal Männer eng zusammenleben, sollen dort möglichst keine schwulen Kandidaten aufgenommen werden. Das klingt in sich logisch - und beschreibt deshalb so gut das Problem der katholischen Kirche mit der menschlichen Sexualität.

Dass nur männliche, heterosexuelle, sexuell enthaltsame Männer kultfähig sein sollen, ist der Gipfel eines spätscholastischen Denkens, das jede Sexualität zur Sünde erklärt, sofern sie nicht in der Ehe und zur Erzeugung von Nachwuchs geschieht. Es setzt die abstrakte Regel über das, was die Kirche homo- wie heterosexuellen Menschen zu sagen hätte: Liebe und Achtung des anderen stehen über dem schnellen Konsum, dem Leistungskult und der sexuellen Ausbeutung.

Jene homosexuellen Priester, die nun mal mehr und mal weniger heimlich und immer erpressbar ihre Neigung leben, sind Ausdruck des Elends und der Doppelmoral, die dieser Regelglaube hervorbringt. Sie zeigen, dass etwas falsch läuft in der katholischen Kirche. Dagegen hilft aber nicht, die schwulen Priesteramtskandidaten zu feuern. Es muss sich das Denken ändern.