Panama Papers Was die Panama Papers in Russland auslösen

Wladimir Putin und sein Freund, der Cellist Sergej Roldugin (links) im Jahr 2009. Rechts steht der damalige Präsident Dmitrij Medwedjew.

(Foto: Reuters)

Wie zu besten Sowjetzeiten spricht der Kreml von einer groß angelegten Desinformationskampagne. Ziel sei es, Präsident Putin zu schaden. Zu den Details will sich Moskau aber nicht äußern.

Analyse von Julian Hans, Moskau

Einen Vorwurf kann man den russischen Staatsmedien im Allgemeinen nicht machen: den Vorwurf, sie seien langsam oder würden wichtige Themen verschlafen. Oft kommen Eilmeldungen aus Moskau vor der westlichen Konkurrenz.

Aber an diesem Sonntagabend war etwas anders: Rund um den Globus schalteten Redaktionen Internetseiten mit Enthüllungen aus den Daten frei, in den Abendnachrichten waren sie die Hauptmeldung. Nur im russischen Fernsehen kamen sie nicht vor. Die staatlichen Nachrichtenagenturen erwähnten sie mit keinem Wort. Erst nach Mitternacht erschien bei Ria Novosti ein Artikel mit der Überschrift: "Deutsche Medien berichten über angebliche Beteiligung internationaler Spitzenpolitiker an Offshore-Strukturen."

Panama Papers Putins reiche Freunde - die Spur des geheimen Geldes
Panama Papers

Putins reiche Freunde - die Spur des geheimen Geldes

Seit Jahren wird spekuliert, ob der russische Präsident ein geheimes Vermögen hat. Die Panama Papers zeigen: Zumindest sein engstes Umfeld hat über Briefkastenfirmen Zugriff auf Hunderte Millionen Euro.

Langweiliger hätte man die Nachricht kaum verpacken können. Die Echtheit der Dokumente sei nicht belegt, hieß es weiter, bevor schließlich im dritten Absatz auch die Politiker genannt wurden, auf die ein Verdacht falle: Xi Jinping, der chinesische Parteichef, der ukrainische Präsident Petro Poroschenko, Aserbaidschans Staatschef Ilham Alijew, der verstorbene Vater des britischen Premiers David Cameron, und, ja, auch "eine Reihe von Personen, die dem russischen Präsidenten Wladimir Putin nahestehen", würden erwähnt. Bereits eine Woche zuvor hatte Putins Sprecher Dmitrij Peskow verkündet, was von den bevorstehenden Veröffentlichungen zu halten sei, nämlich nichts. Nachdem die Süddeutsche Zeitung und der Recherche-Verbund ICIJ den Kreml um Stellungnahme zu den Recherchen gebeten hatten, rief Peskow die wichtigsten Medien des Landes am 28. März zusammen und warnte vor einer Desinformationskampagne, hinter der "nicht nur Journalisten, sondern auch Vertreter anderer Organisationen und Dienste" steckten. Ziel sei es, Putin vor den Parlamentswahlen im Herbst und den Präsidentschaftswahlen 2018 zu diskreditieren.

"Nichts Konkretes und nichts Neues"

Ähnlich hatte Peskow schon im vergangenen Jahr gepoltert, bevor die britische BBC eine Dokumentation über die fantastische Geldvermehrung bei engen Freunden Putins aus dem Datschen-Kollektiv Osero veröffentlichte. Dass damit noch mehr Aufmerksamkeit auf das Thema gelenkt wird, nimmt der Kreml offenbar in Kauf, um ein wichtigeres Ziel zu erreichen: Alle Betroffenen müssen schnell erfahren, wie die offizielle Linie ist, damit sie entsprechend reagieren können. Einer, der mit der Kommunikation in der Präsidialverwaltung vertraut ist, sagt: "Sie wissen nicht, was genau vorliegt und wer noch angesprochen wurde. Also sendet Peskow ein Signal: Alles abstreiten, wir behandeln das als Angriff gegen Putin vor den Wahlen."

An dieser Generallinie hielt Peskow fest, als er sich am Montagmittag zu den Veröffentlichungen äußerte: Zu Putin gebe es "nichts Konkretes und nichts Neues", sagte er. Er habe "besser Fundiertes" erwartet, sei gar "ein wenig enttäuscht". Zu Details wolle sich der Kreml nicht äußern. Putin habe viele Freunde im In- und Ausland, dazu gehörten auch der Cellist Sergej Roldugin "und viele, viele andere Leute mit den unterschiedlichsten Berufen".