Pakistan Ex-Premier Sharif festgenommen

Pakistans Ex-Premier Nawaz Sharif kurz vor seiner Verhaftung auf dem Flughafen in Lahore.

(Foto: REUTERS)
  • In knapp zwei Wochen wählen die Pakistaner ein neues Parlament.
  • Am Freitag nahmen Behörden Ex-Premierminister Nawaz Sharif fest.
  • Bei einem Selbstmordanschlag auf eine Wahlkampfveranstaltung wurden mindestens 128 Meschen getötet.

Der frühere pakistanische Premierminister Nawaz Sharif wurde am Freitag bei der Rückkehr in sein Heimatland am Flughafen von Lahore festgenommen. Sharif war vergangene Woche in Abwesenheit wegen Korruption zu einer Freiheitsstrafe von zehn Jahren und einer Strafzahlung von mehreren Millionen Euro verurteilt worden.

Sharif war im vergangen Jahr seines Amtes enthoben worden nachdem eine Untersuchungskommission des Verfassungsgerichts festgestellt hatte, dass er Einkünfte aus einer Briefkastenfirma nicht deklariert hatte. Durch die Veröffentlichung der Panama Papers war bekannt geworden, dass mehrere Kinder Sharifs Direktoren oder Eigentümer diverser Briefkastenfirmen waren. Darüber hielten sie unter anderem Luxusimmobilien in London. Die Untersuchungskommission war eine Reaktion auf wochenlangen öffentlichen Druck und Massendemonstrationen.

Der Ex-Priemier wurde nun die Hauptstadt Islamabad gebracht, wo er in Untersuchungshaft sitzt. Die Verhaftung passierte mitten in unruhigen Walkampfzeiten, in Pakistan finden am 25. Juli Parlamentswahlen statt.

Ebenfalls am Freitag hatte ein schwerer Selbstmordanschlag das Land erschüttert. Bei dem Angriff auf eine Wahlkampfveranstaltung in Mastung wurden mindestens 128 Menschen getötet. Das sagte der Verwaltungschef der betroffenen Region in der südpakistanischen Provinz Baluchistan. 130 weitere Menschen seien verletzt worden. "Mehr und mehr Menschen in den Kliniken sterben."

Nach Angaben des hochrangigen Provinzbeamten Saeed Jamali sprengte sich der Angreifer in Mastung inmitten der Versammlung in die Luft. Ein weiterer hochrangiger Beamter bestätigte, dass es sich um einen Selbstmordanschlag handelte. Medien berichten, der Attentäter habe acht bis zehn Kilogramm Sprengstoff gezündet. Nach Angaben des Innenministers der Provinz, Agha Umar Bungalzai, wurde dabei auch ein regionaler Kandidat der neu gegründeten Awami-Partei Belutschistans (BAP) tödlich verletzt.

Die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) bekannte sich über ihr Propaganda-Sprachrohr Amaq zu dem Attentat. Auch eine pakistanische radikalislamische Talibangruppe reklamierte den Anschlag für sich.

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Wenige Stunden zuvor waren mindestens vier Menschen bei der Explosion einer Bombe in der Stadt Bannu im Nordwesten Pakistans getötet und 39 weitere verletzt worden. Die Bombe war nach Polizeiangaben in einem Motorrad versteckt, das Teil einer Fahrzeugkolonne des Kandidaten der Partei Mittahida Majlis-e-Amal (MMA) war. Der Kandidat habe den Angriff überlebt, zu dem sich zunächst niemand bekannte.

Erst am Dienstag war ein Anschlag in der Stadt Peschawar im Nordwesten des Landes verübt worden, dem nach neuen Angaben 22 Menschen zum Opfer fielen. Der Angriff richtete sich gegen eine Wahlkampfkundgebung der Awami-National-Partei (ANP). Die Talibangruppe Tehreek-e-Taliban Pakistan hatte sich dazu bekannt.

Der Südasien-Direktor von Amnesty International, Omar Waraich, forderte von den pakistanischen Behörden, während des Wahlkampfs die Sicherheit der Kandidaten zu garantieren. Das pakistanische Militär hatte bereits angekündigt, die Wahlen mit mehr als 370 000 Soldaten abzusichern.