Kampf um Kaschmir Lasst Indien und Pakistan nicht allein

Extreme Spannungen: Proteste auf indischer (rechts), wie auf pakistanischer Seite.

(Foto: Reuters/AP)

Der extrem gefährliche Konflikt zwischen den beiden Atommächten eskaliert wieder. Die Welt muss sich einmischen. Sie kann es.

Kommentar von Georg Mascolo

Manche Konflikte auf der Welt sind so alt, dass nur noch eine krisenhafte Zuspitzung daran erinnert, wie gefährlich sie tatsächlich schon die ganze Zeit sind. Und wie katastrophal sie enden können. Gerade schießen die beiden Atommächte Indien und Pakistan wieder aufeinander, zwei indische Jets sollen vom Himmel geholt worden sein. Zuvor hatte die indische Luftwaffe auf pakistanischem Boden ein angebliches Ausbildungslager einer terroristischen Organisation bombardiert. Diese wiederum wird für einen Anschlag im indischen Teil Kaschmirs verantwortlich gemacht, bei dem am 14. Februar 44 indische Polizisten ums Leben kamen.

Kaschmir ist jene erbittert umstrittene Provinz, um die die beiden Rivalen seit 1947 bereits drei Kriege geführt haben. Das Hochland im Himalaja nannte schon der frühere US-Präsident Bill Clinton "den gefährlichsten Platz der Welt". Clinton intervenierte in seiner Amtszeit einmal, weil Pakistan laut einem Bericht des Geheimdienstes CIA bereits seine Nuklearwaffen für einen möglichen Einsatz vorbereiten wollte.

Schnelle Entspannung ist nicht zu erwarten

So weit ist es, nach allem, was man weiß, nicht schon wieder. Pakistans Premierminister Imran Khan warnte jetzt, beide Seiten könnten sich angesichts "der Waffen, die sie haben, keine Fehleinschätzung leisten". Das klingt beruhigend. Und doch fehlt es bisher an angemessenen diplomatischen Anstrengungen, um diese Endlos-Krise beizulegen.

Beide Staaten beanspruchen Kaschmir für sich, die offene Feindseligkeit zwischen Indien und Pakistan hat ihre Ursache in eben dieser Auseinandersetzung. Sie ist ein entscheidender Grund, warum zwei Länder, in denen 1,5 Milliarden Menschen leben, massiv aufgerüstet und sich Atomwaffen zugelegt haben. Nun hat der Konflikt die beiden hochgerüsteten Mächte wieder einmal an den Rand eines Krieges gebracht. Womöglich bricht er gerade auch schon aus. Schnelle Entspannung ist nicht zu erwarten, in Indien wird im April gewählt, und der zur Wiederwahl stehende Premierminister Narendra Modi will Stärke demonstrieren. Der auf den Hindu-Nationalismus setzende Modi drohte bereits mit Vergeltung "für jeden einzelnen vergossenen Tropfen Blut".

Erstes Ziel muss es nun sein, eine weitere Eskalation zu vermeiden. Eigentlich haben daran beide Seiten kein Interesse. Aber niemand möchte als schwach erscheinen. Twitter-Diplomatie heizt die Sache noch an. Indische Überlegungen, den Wasserzufluss in Richtung Pakistan zu reduzieren, ebenfalls. So muss die Weltgemeinschaft - wie in früheren Fällen - ihre Ressourcen zur Konfliktlösung mobilisieren. Nicht nur die Vereinigen Staaten sind gefragt. Sondern auch China, das enge Wirtschaftsbeziehungen zu Pakistan unterhält und dort über erheblichen Einfluss verfügt. Premierminister Khan muss daran gemessen werden, ob sein Militär und seine Geheimdienste endlich die jahrzehntelange Unterstützung terroristischer Gruppen beenden. Kanzlerin Angela Merkel hat einen guten Draht zu Modi. Sie sollte ihn nutzen.

In diesen Tagen bemüht sich US-Präsident Donald Trump in Vietnam darum, den Konflikt auf der nordkoreanischen Halbinsel zu beenden. Der ist beinahe so alt wie die Rivalität am Dach der Welt. Auch hier eine Lösung zu finden - womöglich endlich mehr als einen Waffenstillstand vor dem nächsten Waffengang - wäre jede Anstrengung wert.

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Zuvor hatte die pakistanische Luftwaffe zwei indische Flugzeuge abgeschossen und damit auf ein Bombardement Indiens reagiert, das Extremisten galt.