Pakistan Gegen die Seuche der Korruption

Mit Imran Khan kann ein Mann an die politische Spitze des Atomstaates rücken, der die miese Bilanz der Polit-Dynastien auf dem Weg nach oben für sich zu nutzen wusste.

(Foto: AFP)

Die Pakistaner haben die alten Familiendynastien abgewählt, die sich auf ihre Kosten bereicherten. Doch auch der neue Mann weckt Zweifel.

Kommentar von Tobias Matern

Pakistans Parlamentswahlen waren kein Fest der Demokratie. Die Manipulationsvorwürfe wiegen schwer, das Militär hat kräftig mitgemischt. Und trotzdem kann die Abstimmung eine Zeitenwende markieren. Seit Jahrzehnten haben zwei Politiker-Familien die muslimische Nation dominiert: die Bhuttos und die Sharifs. Viele Pakistaner kannten bislang nur Regierungschefs aus diesen Lagern - mit Ausnahme der Generäle, die nach Belieben einen der Clans aus dem Amt putschten. Bhutto-Coup-Sharif - dieser Dreiklang beherrschte in wechselnder Abfolge das Land. Sehr zum Schaden Pakistans.

Nun steht ein Wandel bevor. Mit dem sich abzeichnenden Wahlsieg Imran Khans kann ein Mann an die politische Spitze des Atomstaates rücken, der die miese Bilanz der Polit-Dynastien auf dem Weg nach oben für sich zu nutzen wusste. Für die Bhuttos und Sharifs galt: Erst der Clan, dann das Land. Während sich ihre Konten füllten, verharrten Millionen Pakistaner in Armut, ächzten nicht nur Kleinunternehmer unter permanenten Stromausfällen. Die Clans schickten ihren Nachwuchs gerne auf Elite-Universitäten im Ausland, für fast alle anderen pakistanischen Kinder blieb nur das marode heimische Bildungssystem - wenn überhaupt. Denn viele Eltern können ihre Jungen und Mädchen gar nicht in die Schule schicken, weil die Kinder helfen müssen, das Einkommen aufzubessern.

Khans Versprechen, das Land von der Seuche der Korruption und Vetternwirtschaft zu befreien, hat ihm viele Wähler aus den bisherigen Lagern der Clans beschert. Es ist ein bitterer Beleg der mangelnden demokratischen Reife Pakistans, dass sein Aufstieg nur unter Einflussnahme des Militärs vonstatten geht. Die Macht der Generäle besteht seit Pakistans Staatsgründung im Jahr 1947. Die Wahl hat den Zustand zementiert.

Gegen die Armee ist in Pakistan nach wie vor kein Staat zu machen. Khan hat das erkannt, er nimmt Überläufer aus anderen Parteien bei sich auf - offenbar unter Druck der Generäle. Das ist ein Makel, genau wie seine ideologische Nähe zu islamistischen Teilen der Gesellschaft. Längst hat er öffentlich eine Häutung vollzogen und will das Image des Playboys abstreifen. Er betont, wie wichtig ihm der Islam sei, lässt Fotos von seiner vollverschleierten Frau veröffentlichen. Kritiker sehen darin keine Überzeugungen, sondern Belege dafür, dass diesem Mann auf dem Weg zur Macht alle Mittel recht sind.

Trotzdem verdient Khan eine Chance - nicht weil seine Agenda überzeugt, sondern weil die Clans Pakistan geschadet haben.

Die Bhuttos und Sharifs zahlen, das ist wichtig zu erwähnen, einen hohen Preis für ihr Leben im Rampenlicht - Familienangehörige wurden ermordet, und es wurden und werden Mitglieder der Clans immer wieder mal eingesperrt, auch aus politischen Gründen. Aber die Polit-Dynastien haben es stets geschafft, die Macht für sich zu pachten und Posten zu ererben, statt sie sich zu verdienen. Sie haben von Ungerechtigkeiten profitiert, etwa der Tatsache, dass Großgrundbesitzer Millionen Angestellte ausbeuten und den großen Parteien Wählerstimmen zuschanzen. Wenn es dem Machterhalt diente, handelten die Clans Deal um Deal aus, um im Amt zu bleiben, nicht um Pakistan voranzubringen. Khan verspricht, er werde das alles ändern. Daran wird er sich messen lassen müssen.

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