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Spanien:Brandsätze aus der Zelle

Proteste in Spanien nach Rapper-Festnahme

In Barcelona werden die Zusammenstöße zwischen Randalierern und der Polizei immer heftiger.

(Foto: Emilio Morenatti/dpa)

Regelmäßig eskaliert in Barcelona die Gewalt am Rande der Demonstrationen für den inhaftierten Rapper Pablo Hasél. Der ruft aus dem Gefängnis dazu auf, den Kampf auf der Straße zu verstärken.

Von Karin Janker, Madrid

Bald könnte es Tote geben - die Warnung von Eugenio Zambrano, dem Sprecher der Polizeigewerkschaft in Barcelona, könnte kaum eindringlicher sein. "Worauf wartet die Politik, bis sie sich endlich hinter uns stellt?", fragte Zambrano am Montagmorgen im Interview mit dem Fernsehsender Antena 3. Der Polizist zeigte sich schockiert von der Heftigkeit der Gewalt am vergangenen Wochenende und klagte insbesondere Vertreter der politischen Linken in Spanien an.

Gerne würde er einmal Ada Colau oder Pablo Iglesias in seine 20 Kilogramm schwere Ausrüstung stecken und sie in die Krawalle schicken. "Damit sie sich einmal so fühlen, wie wir uns fühlen und wie sich unsere Familien fühlen, wenn wir da rausgehen", sagte Zambrano. Ada Colau ist die linke Bürgermeisterin von Barcelona, Pablo Iglesias Chef der linkspopulistischen Unidas Podemos, die in Madrid mitregieren.

Die Worte des Polizisten zeugen davon, was sich an diesem Wochenende in Barcelona zugetragen hat. Knapp zwei Wochen dauern die Proteste für den Rapper Pablo Hasél nun schon. Das Gewaltniveau hat sich zuletzt spürbar gesteigert. Am Samstagabend gab es in Barcelona nach einer friedlichen Kundgebung für das Recht auf Meinungsfreiheit, an der etwa 4000 Menschen teilgenommen hatten, erneut heftige Ausschreitungen.

Besonders betroffen reagiert Spanien auf ein Video, das zeigt, wie Demonstranten Benzin auf einen Einsatzwagen der Polizei schütten, der zuvor durch einen Molotowcocktail in Brand gesetzt wurde. Im Inneren des Wagens sitzt ein Polizist, der sich erst nach Sekunden durch die Beifahrertür nach draußen retten kann.

Die Verse tragen den Titel "Feuer in den Straßen"

Die Krawallmacher verwüsteten am Samstagabend außerdem Bankfilialen und mehrere Geschäfte sowie den Eingangsbereich eines Hotels auf der Flaniermeile Las Ramblas in Barcelona. In seiner Gefängniszelle in Lleida scheint der inhaftierte Rapper Pablo Hasél eben diese Eskalation der Gewalt herbeizusehnen. Mitunter befeuert er sie sogar. Hasél kommuniziert mit seinen Anhängern über mehrere Kanäle in sozialen Medien, die mutmaßlich von Freunden von ihm betrieben werden. Vergangenen Mittwoch wurde über einen Telegram-Kanal, der sich "Organisation Freiheit Pablo Hasél" nennt und mehr als 6000 Abonnenten hat, eine Nachricht verbreitet: "Wir haben mit Pablo Hasél gesprochen und er übermittelt uns Folgendes". Was folgte, war der Aufruf, "den Kampf auf den Straßen zu verstärken".

Acht Stunden später kam ein weiteres Posting: "ein Gedicht von Pablo Hasél aus dem Gefängnis". Das "Gedicht" trägt den Titel "Feuer in den Straßen" und beginnt mit der Zeile "Die Straßen brennen, weil sie uns zuerst verbrannt haben". Der Text ist wenig poetisch, dafür umso pathetischer: "Sie brennen, um diese kalte Zelle zu wärmen." Illustriert ist Haséls Gedicht mit einer Hand, die einen Molotowcocktail hält.

Ministerpräsident Sánchez verurteilt die Gewalt als "inakzeptabel"

Der 32-jährige Pablo Hasél war von der spanischen Justiz wegen der Verherrlichung von Terrorismus und Beleidigung des Königshauses schuldig gesprochen worden und ist nun für zwei Jahre und viereinhalb Monate in Haft. Der Rapper, der mit bürgerlichem Namen Pablo Rivadulla Duró heißt, sieht seine Texte, die auch drastische Gewaltfantasien gegen Politiker enthalten, durch die Kunstfreiheit geschützt. Der Tag, an dem er von der Polizei abgeführt und ins Gefängnis gebracht wurde, markiert den Beginn heftiger Proteste in zahlreichen Städten Spaniens. Besonders betroffen ist die katalanische Heimat des Rappers.

Vor allem junge Menschen demonstrieren seitdem für einen besseren Schutz der Meinungsfreiheit, die meisten von ihnen friedlich. Sie haben erreicht, dass der sozialdemokratische Ministerpräsident Pedro Sánchez zugesichert hat, bald eine Gesetzesreform umzusetzen, die er bereits vor Jahren angekündigt hatte. Ein Grund dafür, dass Spanien trotz dieses Versprechens nicht zur Ruhe kommt, könnten die Botschaften aus Pablo Haséls Gefängniszelle sein. Sánchez verurteilte die Gewalt am Wochenende abermals als "inakzeptabel" und positioniert sich damit erneut gegen seinen Koalitionspartner Podemos, der Sympathie für die Proteste zeigt.

© SZ/jbb
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