Kämpfe in der Ostukraine Suche nach Absturzopfern von MH17 ausgesetzt

Sie sind extra aus Australien, Malysia und den Niederlanden angereist, um die letzten Opfer des Flugs MH17 zu bergen. Doch schwere Kämpfe in der Nähe der Absturzstelle verurteilen die Experten zum Nichtstun.

  • Wegen der anhaltenden Kämpfe in der Nähe der Absturzstelle wird die Suche nach weiteren Opfern ausgesetzt. Derzeit bereitet sich die Armee darauf vor, Donezk und Lugansk zurückzuerobern.
  • Der russische Präsident Wladimir Putin verhängt ein Importstopp für Nahrungsmittel aus Ländern, die Sanktionen gegen Russland verfügt haben.
  • Die Nato befürchtet einen Einmarsch Russlands in die Ostukraine - unter dem Vorwand eines humanitären oder friedenssichernden Einsatzes.

Experten können ihrer Arbeit nicht nachgehen

Die Suche nach den Opfern des im umkämpften Osten der Ukraine abgestürzten Flugzeugs wird wegen der anhaltenden Kämpfe in der Region ausgesetzt. "Es macht keinen Sinn, unter diesen Umständen mit der Rückführung weiterzumachen", sagte der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte. Die Situation verschlechtere sich täglich in der Region. Unter den gegebenen Umständen hätten die Experten getan, was sie konnten, sagte Rutte. "Die Spannungen steigen und die Experten können in bestimmten wichtigen Zonen ihrer Arbeit nicht mehr nachgehen."

Seit Freitag ist ein Team von Experten aus Australien und den Niederlanden an der Absturzstelle, um die menschlichen Überreste von dutzenden Todesopfern zu bergen. Am Montag stießen auch Malaysier dazu. Doch gibt es in der Nähe der Absturzstelle heftige Kämpfe zwischen Regierungstruppen und prorussischen Separatisten. Die ukrainischen Streitkräfte bereiten sich derzeit auf die Einnahmee der Hochburgen prorussischer Separatisten Donezk und Lugansk vor.

Russland wehrt sich gegen Sanktionen

Russlands Sanktionen

Auf jeden Schlag ein Gegenschlag

Moskaus Rache: Putin reagiert auf die Sanktionen des Westens mit Importverboten für Lebensmittel und Maßnahmen gegen Fluglinien. Doch seine Vorgabe, der eigenen Bevölkerung nicht zu schaden, wird immer schwieriger umzusetzen.   Von Julian Hans

Der russische Präsident Wladimir Putin hat einen Importstopp für Nahrungsmittel aus Ländern verhängt, die im Ukraine-Konflikt Sanktionen gegen Russland verhängt haben. Er habe angeordnet, zum Schutz "nationaler Interessen" den Import aus diesen Ländern für ein Jahr "zu verbieten oder zu begrenzen", erklärte Putin laut einer vom Kreml verbreiteten Mitteilung am Mittwoch.

Betroffen seien einige Agrarprodukte, Rohstoffe und Lebensmittel. Russland hatte in den vergangenen Wochen bereits zahlreiche Importverbote für westliche Produkte erlassen, diese aber stets mit Gesundheitsbedenken begründet. Eine Zeitung berichtete, die Regierung erwäge weitere Maßnahmen. So könnten westlichen Fluglinien der Überflug über Russland verboten werden (Mehr über die geplanten Maßnahmen).

In der vergangenen Woche hatten die Europäische Union und die USA scharfe Wirtschaftssanktionen gegen Russland wegen des Ukraine-Konflikts verhängt. Auch andere Länder belegten Russland mit Strafmaßnahmen.

Nato befürchtet russischen Einmarsch

In Europa wächst die Furcht vor einem Einmarsch russischer Truppen in der Ostukraine. Die Nato beschuldigte die Regierung in Moskau, die Krise durch den Aufmarsch von etwa 20 000 kampfbereiten Soldaten im Grenzgebiet weiter eskalieren zu lassen. Man teile die Sorge, dass Russland unter dem Vorwand eines humanitären oder friedenssichernden Einsatzes Truppen in das Nachbarland entsenden könnte, sagte eine Sprecherin des Militärbündnisses.

Nach Angaben eines hochrangigen Nato-Militärangehörigen hat Russland seit Anfang des Monats im Grenzgebiet zur Ukraine Panzer, Infanterie, Artillerie, Luftabwehrsysteme sowie Truppen zur logistischen Unterstützung zusammengezogen. Auch Spezialkräfte und verschiedene Einheiten der Luftwaffe seien vor Ort.

Auch Polens Ministerpräsident Donald Tusk warnte vor einer Invasion Russlands in der Ostukraine. Die Bundesregierung forderte von der Regierung in Moskau, alles zu unterlassen, was zu einer weiteren Eskalation beitrage.

Ukraine im Umbruch Straße um Straße, Block um Block
Krieg in der Ukraine

Straße um Straße, Block um Block

Am 24. August, dem Unabhängigkeitstag, soll alles vorbei sein. Bis dahin will die ukrainische Armee Donezk und Lugansk unter Kontrolle bringen. Die Separatisten geraten in die Defensive, Russland zieht Truppen zusammen. Droht ein Entscheidungskampf?   Von Javier Cáceres, Brüssel, Julian Hans, Moskau, und Frank Nienhuysen

Moskau wies die Anschuldigungen zurück. Es sei "nicht möglich", tausende Truppen und Ausrüstung innerhalb von so kurzer Zeit zu bewegen, zumal ohne dass die in der Region stationierten OSZE-Beobachter dies bemerkten, zitierte die Nachrichtenagentur Interfax einen Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums.

Russlands UN-Botschafter spricht von "echtem Krieg"

Auf Antrag Russlands hatte sich der UN-Sicherheitsrat in einer Dringlichkeitssitzung mit der Situation im Osten der Ukraine befasst. Dabei kam es zu einem heftigen Schlagabtausch zwischen Russland und US-Vertretern: "Es ist ein echter Krieg", sagte Russlands UN-Botschafter Witali Tschurkin. Trotz internationaler Abkommen setze Kiew seine Militäreinsätze fort. Wohngebiete würden beschossen und es würden sogar Kassettenbomben mit Streumunition eingesetzt. Tschurkin sagte, Russland habe 800 000 Flüchtlinge aufgenommen. Nach UN-Angaben sind es allerdings nur 168 000.

Die USA warfen Russland Heuchelei vor. "Russland kann das alles beenden", sagte Vize-Botschafterin Rosemary DiCarlo. "Die Gewalt endet an dem Tag, an dem Russland seine Hilfe für die Aufständischen einstellt." Ein Vertreter der Ukraine sagte, Russlands Forderung nach der Sondersitzung sei an Zynismus nicht zu überbieten.

Unterdessen zeigt sich die UN besorgt über die humanitäre Situation. "Wir sprechen von 3,9 Millionen Menschen, die in einer von der Gewalt heimgesuchten Region leben", sagte John Ging vom Nothilfebüro der UN. "Die Infrastruktur ist zerstört, Strom gibt es kaum und Wasser nur ein paar Stunden am Tag." Jeden Tag würden etwa 1000 Menschen aus dem Kampfgebiet fliehen. Seit Beginn des Konflikts seien 1376 Menschen getötet worden, mehr als 4000 wurden demnach verletzt.

Linktipps: