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Zukunftszentrum für Deutsche Einheit:Mission Versöhnung zwischen Ost und West

Zukunftszentrum für Deutsche Einheit und Europ. Transformation

Eine Würdigung ostdeutscher Biografien wünscht sich der frühere Brandenburger Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD).

(Foto: Kay Nietfeld/dpa)

Viele Ostdeutsche fühlen sich bis heute im vereinigten Deutschland nicht angekommen. Die Bundesregierung will nun ihre Erfahrungen würdigen - und plant dafür eine Art kreatives Museum, Begegnungsstätte und wissenschaftlichen Knotenpunkt.

Von Constanze von Bullion, Berlin

Es soll eine Begegnungsstätte werden, ein Ort der Verständigung zwischen Ost- und Westeuropa, aber auch ein Forschungsinstitut der besonderen Art. Am Mittwoch hat der frühere Brandenburger Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) in Berlin ein Konzept für das geplante "Zukunftszentrum für Deutsche Einheit und Europäische Transformation" vorgestellt. Es soll zur Versöhnung zwischen Ost und West beitragen, den teilweise hochproblematischen Prozess der deutschen Einheit aufarbeiten, aber auch persönliche Erfahrungen und Verwundungen in post-sozialistischen Transformationsgesellschaften in einem gesamteuropäischen Kontext beleuchten. Über die Förderung des Vorhabens wird aller Voraussicht nach am 7. Juli das Kabinett entscheiden.

Mehr als drei Jahrzehnte nach dem Fall des Eisernen Vorhangs sei unübersehbar, dass "trotz großer Erfolge im Aufbau Ost nicht wenige Menschen hadern, nicht angekommen sind" beziehungsweise sich "nicht angenommen fühlen" im vereinigten Deutschland, sagte Platzeck. In Teilen der ostdeutschen Gesellschaft, aber auch in anderen Staaten des ehemaligen Warschauer Paktes gebe es wenig Vertrauen in die Demokratie. "Wir habe es auch mit Gesellschaften zu tun, die sich in einer Suchbewegung befinden", sagt Platzeck. Nicht wenige Bürgerinnen und Bürger schauten dort "ängstlich" in die Zukunft, etliche hätten sich vom Westen innerlich abgewandt.

Das "Zukunftszentrum für Deutsche Einheit und Europäische Transformation" soll das nun ändern. Die Bundesregierung hatte dazu eine Gruppe aus Politikern, Forscherinnen und Forschern eingesetzt, die ein Konzept erarbeitet hat für einen Ort, den man sich wie eine Mischung aus kreativem Museum, Begegnungsstätte und wissenschaftlichem Knotenpunkt vorstellen soll. Für etwa 200 Millionen Euro soll nun ein Haus "mit eigener Architektursprache" und 180 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern entstehen. Seine Aufgabe: die Wunden der Vergangenheit heilen lassen im Osten, dem Westen mehr über Transformationsgesellschaften erzählen, ostdeutsche Biografien würdigen und den Blick selbstbewusst in eine gemeinsame Zukunft richten.

Ziel sei es, eine weit verbreitete ostdeutsche Haltung des Trotzes und des Haders in ein neues "Identitätsgefühl" zu verwandeln, ein "Gefühl des Stolzes, auch des Zupackens" auszustrahlen und persönliche Erfahrungen und Erzählungen ebenso zu würdigen wie Forschungsergebnisse aus dem osteuropäischen Raum, sagte Platzeck. Das Zukunftszentrum solle in jedem Fall in Ostdeutschland gebaut werden, sagte der Beauftragte der Bundesregierung für die neuen Bundesländer, Marco Wanderwitz. Der Standort werde in einem Wettbewerb ermittelt und müsse nicht zentral gelegen, aber für internationale Gäste gut erreichbar sein.

Das Ziel: den Stolz stärken

Basil Kerski, Direktor des Europäischen Solidarność-Zentrums in Danzig betonte, man werde "nicht in Konkurrenz" zu bereits existierenden Museen oder Begegnungsstätten Mittel- und Osteuropas treten. Neben der Erforschung des Transformationsprozesses und der Fehler, die dabei gemacht wurden, werde das Zentrum den "Stolz des Erreichten" stärken. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) habe sich bereits "sehr positiv" zu dem Vorhaben geäußert, betonte Platzeck. Auch Bundesheimatminister Horst Seehofer (CSU) sei angetan.

© SZ/nvh
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