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Oskar Lafontaine:Der Trommler von der Saar

Linker Scharfmacher oder der gefährlichste Mann Europas wurde er von Kritikern genannt. Oskar Lafontaine hatte noch viel vor. Nun bremst ihn ein Krebsleiden.

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Oskar Lafontaine, Linkspartei

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Schon als er noch in der SPD war, galt Lafontaine als schillernde, aber stets auch umstrittene Persönlichkeit: "Linker Scharfmacher", "Napoleon von der Saar", der "gefährlichste Mann Europas" wurde er genannt. In den eigenen Reihen gilt er manchen als selbstherrlich und autoritär. Doch nun ...

Oskar Lafontaine redet auf der Karnevalsveranstaltung "M'r sin nit so" 1998 in Saarbrücken mit einem Napoleon-Hut auf dem Kopf in der Bütt.

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Oskar Lafontaine, Gregor Gysi; Foto: Reuters

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... ist seine Politikkarriere vorerst zu Ende: Oskar Lafontaine hat den Vorsitz der Partei Die Linke aufgegeben. Beim Parteitag im Mai will er nicht erneut für das Amt kandidieren. Auch sein Bundestagsmandat werde er niederlegen, sagte Lafontaine. Die Entscheidung hat gesundheitliche Gründe.

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Im November gab der Linken-Chef in einer Erklärung bekannt. "Ich werde mich am Donnerstag zu einem seit längerem geplanten chirurgischen Eingriff in eine Klinik begeben. Es handelt sich um eine Krebserkrankung." Schon kurz nach der Bundestagswahl hatte Lafontaine mit seinem Rückzug aus der Fraktionsführung für Schlagzeilen gesorgt.

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Noch im Mai 2008 hatte ihn der Bundesparteitag der Linken in Cottbus mit 78,5 Prozent zum Vorsitzenden gewählt. Sein Ziel war unverkennbar die alleinige Herrschaft über die Linkspartei. Allerdings sagte er schon damals: "Solange ich gesund bin, werde ich weiter mitmischen."

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Erst drei Jahre zuvor war der jahrzehntelange SPD-Politiker Lafontaine zur damaligen Wahlalternative WASG gestoßen, die er in einem Kraftakt mit der PDS zusammenführte. Beide Parteien kamen bei der Bundestagswahl 2005 auf über acht Prozent, zogen in den Bundestag ein und wählten Lafontaine zu einem ihrer beiden Fraktionschefs.

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Kompromisslos, machthungrig, schlagfertig und populistisch sind nur einige Attribute, mit denen Lafontaine beschrieben wird. Es gibt kaum einen brillanteren Redner. Er zieht die Zuhörer in seinen Bann, wickelt sie um den kleinen Finger.

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Altkanzler Helmut Schmidt (SPD) attackierte Lafontaine einmal scharf: Man dürfe nicht vergessen, dass Charisma für sich genommen noch keinen guten Politiker ausmacht, sagte Schmidt der Bild am Sonntag. "Auch Adolf Nazi war ein charismatischer Redner. Oskar Lafontaine ist es auch." Zudem verglich er Lafontaine mit dem französischen Rechtspopulisten Jean-Marie Le Pen.

Schmidt (rechts) unterhält sich am 22.04.1982 beim SPD-Parteitag in München mit Oskar Lafontaine.

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Jahrelang stand Lafontaine in der ersten Reihe der SPD. Bereits 1966 trat er in die Partei ein. 1980 wurde die Saar-SPD unter seiner Führung zur stärksten Kraft im Landtag, fünf Jahre später wurde Lafontaine Ministerpräsident. Dem SPD-Präsidium gehörte er ab 1979 an.

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Bei der ersten gesamtdeutschen Bundestagswahl 1990 trat Lafontaine als Kanzlerkandidat gegen Helmut Kohl an. Seine Kandidatur war überschattet von einem Attentat, bei dem eine Frau ihn mit einem Messer in den Hals sticht und lebensgefährlich verletzt. Er erholte sich überraschend schnell von seinen Verletzungen.

Bei der Wahl fuhr der Politiker, der der deutschen Einheit eher reserviert gegenüberstand, mit 33,5 Prozent das - bis dato - schlechteste SPD-Ergebnis seit 1957 ein.

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Mit Macht meldete sich Oskar Lafontaine trotz der Niederlage am 15. November 1995 auf dem Mannheimer Parteitag zurück. Bei seiner leidenschaftlichen Rede kanzelte er den noch amtierenden SPD-Chef Rudolf Scharping ab.

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Durch eine Kampfabstimmung löste er Scharping (links) als Parteivorsitzenden ab. Gemeinsam mit dem damaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten Gerhard Schröder ...

Rudolf Scharping, der damalige NRW-Ministerpräsident Johannes Rau und Oskar Lafontaine (v.l.n.r.) am 14. November 1995 vor den dramatischen Ereignissen auf dem Parteitag in Mannheim.

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... inszenierten sich Scharping und Lafontaine als Führungstroika der SPD.

Lafontaine wie auch Schröder interessierten sich für die Kanzlerkandidatur - Schröder setzte sich durch. Nach dem Sieg der SPD bei den Bundestagswahlen im September 1998 wurde Lafontaine Finanzminister.

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Schon wenige Monate später folgte das Zerwürfnis mit dem Regierungschef, zu unterschiedlich waren die Auffassungen über die Wirtschaftspolitik. Lafontaine kritisierte "das schlechte Mannschaftsspiel" im Kabinett und nannte als Beispiel für den fehlenden "Teamgeist" die Auseinandersetzungen um die Steuerpolitik. Nach seinem Rücktritt 1999 galt Lafontaine als abgeschrieben. Über sein Engagement bei der Linkspartei meldete sich Lafontaine aber in der Politik zurück.

Als "Privatmann" zeigt sich Lafontaine nach seinem Rücktritt im März 1999 auf der Terrasse seines Privathauses in Saarbrücken. Auf den Schultern hat er seinen damals zweijährigen Sohn Carl-Maurice, der ihn nach eigenen Worten zu diesem ersten öffentlichen Auftritt ermunterte.

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Privat ist Lafontaine in dritter Ehe mit der Volkswirtin Christa Müller verheiratet. Es ist bereits seine dritte Ehe. 1997 wurde der gemeinsame Sohn Carl-Maurice geboren.

Foto: dpa Text: (sueddeutsche.de/pir/jja/yas)

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