Tote Flüchtlinge in Österreich:Erwachsene und Kinder schlafen im Freien

Die Tragödie im Burgenland wirft aber auch ein Schlaglicht auf die Flüchtlingssituation in Österreich, die sich seit Monaten immer weiter zuspitzt. Die rot-schwarze Regierungskoalition scheint unfähig zu sein, Lösungen zu finden. So lebten im auf etwa 1800 Menschen ausgelegten Erstaufnahmelager Traiskirchen zeitweilig bis zu 4500 Menschen, darunter viele Kinder und Jugendliche. Seit Wochen schlafen bei Wind und Wetter Hunderte Menschen - Erwachsene, aber auch unbegleitete Minderjährige und kleine Kinder - auf den Gängen oder unter freiem Himmel am Boden.

Vor Kurzem untersuchte Amnesty International das Lager, ihr Ergebnis: Österreich verletze "fast alle menschenrechtlichen Konventionen", die Situation in Traiskirchen sei "menschenunwürdig". Das liege aber nicht an Geldmangel, sondern an "administrativen Fehlern", konstatierte AI.

Innenministerin fordert schärfere Kontrollen

Nun haben die toten Flüchtlinge mitten in Österreich die Diskussion um das richtige Vorgehen in der Asylpolitik noch einmal weiter angefacht. Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) sprach von einem "dunklen Tag" und bekräftigte ihre Forderungen nach schärferen Kontrollen und härteren Strafen für Schlepper. Ähnlich äußerte sich Außen- und Integrationsminister Sebastian Kurz (ebenfalls ÖVP). Erst am Mittwochabend hatte sich Kurz in der "Zeit im Bild 2", der Hauptnachrichtensendung des öffentlich-rechtlichen ORF, für eine schärfere Asylpolitik ausgesprochen.

Wenn nicht bald eine "europäische Lösung" gefunden werde, müsse man über "wesentlich intensivere Grenzkontrollen" reden, müsse man eine Kürzung der Sozialleistungen für Flüchtlinge sowie "Blitzverfahren" für Asylbewerber diskutieren. "Dann werden andere Einzelstaaten, nicht nur die Ungarn, sondern vielleicht auch wir, Maßnahmen setzen, die nicht so erfreulich sind", sagte er.

Und dann mischte sich noch einmal Amnesty International ein - mit einem Statement, das wie ein Schlusswort zu diesem schrecklichen Tag klang, aber doch kein Schlusswort sein konnte: "Wer immer hier von Tragödie spricht, ist ein Heuchler. Das ist ein vorhersehbarer und auch fahrlässig in Kauf genommener, grauenhafter Kollateralschaden", sagte der Generalsekretär von Amnesty Österreich, Heinz Patzelt, der österreichischen Nachrichtenagentur APA. Und er wagte eine düstere Prophezeiung: Es werde sicher nicht die einzige Katastrophe bleiben.

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