Leben und Gesellschaft:Organspende oder nicht?

Transplantationszentrum am Uniklinikum Leipzig

Ein Patient empfängt eine gespendete Niere in einem Transplantationszentrum.

(Foto: Waltraud Grubitzsch/dpa)

44 Prozent der Bürger haben ihre Entscheidung schriftlich festgehalten. Die Akzeptanz für eine Spende wächst - und soll weiter wachsenauch durch ein Gesetz.

Immer mehr Menschen halten ihre Entscheidung über eine mögliche Organ- und Gewebespende nach dem Tod schriftlich fest. Das geht aus einer am Montag veröffentlichten bundesweiten Repräsentativbefragung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) hervor. Demnach dokumentierten 44 Prozent der Befragten ihre Entscheidung schriftlich, etwa in einem Organspendeausweis oder in einer Patientenverfügung. Im Jahr 2012 waren es noch 26 Prozent gewesen.

Der Kommissarische Direktor der BZgA, Martin Dietrich, begrüßte diese Entwicklung. Es sei wichtig, Menschen zu informieren "und sie zu motivieren, mit ihren Angehörigen, Freunden und Bekannten das Thema zu besprechen und ihre Entscheidung schriftlich festzuhalten". Einen Anlass dazu bietet der bundesweite "Tag der Organspende" am 5. Juni. Die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) plant zahlreiche virtuelle Aktionen.

Generell zeigte eine Mehrheit der Befragten eine positive Haltung zum Thema Organ- und Gewebespende, heißt es in der Studie weiter. 82 Prozent der Befragten erklärten, sie stünden dem Thema positiv gegenüber - im Vergleich zu 78 Prozent im Jahr 2012. 73 Prozent der Befragten gaben an, sie seien grundsätzlich bereit, Spender oder Spenderin zu werden. 21 Prozent sagten, sie wären damit nicht einverstanden.

18 Prozent der Befragten berichteten, sie hätten eine Entscheidung getroffen, diese aber nicht schriftlich dokumentiert. 37 Prozent haben nach eigenen Angaben noch keine Entscheidung getroffen. Dieser Anteil ist etwas zurückgegangen, 2018 waren noch 42 Prozent unentschieden. Wer die Entscheidung dokumentiert, entscheidet sich den Angaben zufolge "meistens" zugunsten einer Spende-Einwilligung. 71 Prozent der Befragten erklärten, sie hätten sich zustimmend entschieden. Als Grund für diese Entscheidung wurde am häufigsten genannt, anderen helfen oder dem eigenen Tod einen Sinn geben zu wollen.

Auch Fahrschulen sollen aufklären

Der Hauptgrund für eine noch ausstehende Entscheidung war der Umfrage zufolge eine fehlende oder unzureichende Auseinandersetzung mit dem Thema. Auch bekundeten 42 Prozent der Studienteilnehmer, sich mehr Informationen zum Thema zu wünschen.

Anfang kommenden Jahres wird das neue Gesetz zur Stärkung der Entscheidungsbereitschaft bei Organspende in Kraft treten. Ab diesem Zeitpunkt müssen die Ausweisstellen von Bund und Ländern den Bürgern Aufklärungsmaterial und Organspendeausweise aushändigen beziehungsweise bei elektronischer Antragsstellung elektronisch übermitteln. Hausärzte werden bei Bedarf ihre Patienten alle zwei Jahre ergebnisoffen über die Organ- und Gewebespende beraten. Außerdem sollen Fahrschulen in die Aufklärungsarbeit mit einbezogen werden.

Das Gesetz beinhaltet zudem die Einrichtung eines bundesweiten Online-Registers, in dem die persönliche Entscheidung zur Organspende selbständig dokumentiert werden kann. Trotz der Corona-Pandemie war die Zahl der Organspender in Deutschland im vergangenen Jahr nur leicht gesunken. 2020 spendeten 913 Menschen nach dem Tod 2941 Organe. Das waren 19 Spender und 54 Organe weniger als im Vorjahr. Ende 2020 registrierte die Warteliste 9183 Patienten, die insgesamt 9463 Organe benötigen.

© SZ/kna/skle
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