Organspende Familiensache

Im Zweifelsfall müssen heute die Angehörigen entscheiden, ob ein Verstorbener seine Organe spendet. Das muss so bleiben.

Von Kristiana Ludwig

Der Wunsch ist nur allzu verständlich: Menschen, die heute vergeblich auf ein Spenderorgan warten, weil es ihnen ihr Leben retten würde, sollen nicht aus den falschen Gründen sterben. Nicht, weil jemand vergessen hat, seinen Organspendeausweis auszufüllen. Nicht wegen Unwissenheit oder Ignoranz der Bevölkerung. Die Widerspruchslösung, die Abgeordnete um Jens Spahn und Karl Lauterbach vorschlagen, sollte deshalb dafür sorgen, dass die Bürger bewusster über eine Organspende nachdenken. Sie sollte ihren Familien aber nicht die Entscheidung aus der Hand nehmen, was mit ihrem Körper nach dem Tod geschieht. So etwas zerstört Vertrauen, das es für Spendenbereitschaft braucht.

Obwohl die Krankenkassen bereits heute Briefe verschicken und über Organspenden aufklären, und obwohl ein großer Teil der Bürger sagt, dass er Spenden befürwortet, gibt es zu wenig Organe. Vielleicht ist es die Auseinandersetzung mit dem eigenen Tod, die viele Menschen von einer solchen Entscheidung abhält.

Woran es im Einzelfall auch liegen mag - am Ende sind es heute meist Angehörige, die entscheiden und dabei ihrem Gefühl folgen müssen, wenn sie sich fragen: Was hätte der oder die Verstorbene gewollt? Vermutlich wird dies auch so bleiben, selbst wenn künftig widersprochen statt eingewilligt wird. Spahn und Lauterbach haben zugesagt, die Nahestehenden ernst zu nehmen. Dieses Versprechen müssen sie einlösen.