Opfer des Anschlags auf Charlie HebdoGetötet für ihre freie Meinung

Wer waren die zwölf Menschen, die beim bislang heftigsten islamstischen Angriff auf die Presse- und Meinungsfreiheit in der westlichen Welt starben? Was trieb sie an? SZ-Autoren blicken zurück auf die bewegten Leben der Opfer.

Jean Cabut

Besonders weh tut der Tod jener, die man schon in der Kindheit ins Herz geschlossen hat. Für Millionen Franzosen gehörte Jean Cabut zu diesen Menschen, sie kennen den Karikaturisten, der sich Cabu nannte, aus der Kindersendung RécréA2, die in den Achtzigern im Fernsehen lief. Cabu gehörte zu den Stammgästen. Meist machte er sich über die Moderatorin Dorothée lustig, er zeichnete sie immer mit einer abstrus langen, spitzen Nase. Einmal malte er eine Sonderbriefmarke für sie, mit einer zackigen Ausbuchtung rechts, damit die Nase noch ins Bild passte.

Dorothée lachte darüber, weil man dem stillen Cabu mit seinen runden Brillengläsern und der Topffrisur einfach nicht böse sein konnte. Die Kinder von damals haben, als sie erwachsen wurden, die lustige Dorothée irgendwann aus den Augen verloren, aber Cabu blieb ihr Begleiter. Mit wenigen Strichen und verblüffend präzise karikierte er in Frankreichs satirischen Zeitungen Politiker und Religiöse, Spießbürger und Radikale. Eine dieser Zeichnungen, erschienen in Charlie Hebdo, zeigt den Propheten Mohammed, wie er an den Extremisten verzweifelt. Er schlägt die Hände vors Gesicht und sagt: "Es ist hart, von Deppen geliebt zu werden."

Nun haben diese, nun ja, Deppen Cabu erschossen, einen mittlerweile 76-Jährigen mit Topffrisur, der noch immer Bilder malte. Manche seiner ewigen Fans haben sich bei YouTube noch mal den alten, von Cabu gezeichneten Abspann der Kindersendung RécréA2 angesehen. "C'est fini", steht da. Es ist aus.

Bild: Getty Images 11. Januar 2015, 11:472015-01-11 11:47:16 © SZ vom 10.01.15/pram