Olympia 2022:Zutritt nur für Einheimische

Olympia 2022: Kein Eintritt für Ausländer: China hat seit Frühjahr 2020 seine Grenzen faktisch geschlossen. Nur wenige Menschen erhalten Einreisegenehmigungen.

Kein Eintritt für Ausländer: China hat seit Frühjahr 2020 seine Grenzen faktisch geschlossen. Nur wenige Menschen erhalten Einreisegenehmigungen.

(Foto: Noel Celis/AFP)

Peking sperrt bei den Olympischen Winterspielen wegen der Coronakrise Besucher aus dem Ausland aus. Athletinnen und Athleten müssen strenge Vorschriften beachten - vor allem ungeimpfte.

Von Lea Sahay, Peking

Es klang wie eine Einladung, als die chinesischen Sportbehörden vor zwei Wochen das Motto der Olympischen Winterspiele im Februar 2022 in Peking bekannt gaben: zusammen für eine gemeinsame Zukunft. Damit nahm das Komitee allerdings unverhohlen Bezug auf das Konzept von Xi Jinpings "Gemeinschaft mit gemeinsamer Zukunft für die Menschheit". Es ist die sperrig klingende Vision des chinesischen Staats- und Parteichefs, die er 2015 der Generalversammlung der Vereinten Nationen vorstellte - und die von Experten als ein direkter Angriff auf die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte kritisiert wird.

Nun ist auch klar, dass das Olympia-Motto keineswegs als ein Angebot an die Fans gemeint war - zumindest nicht im Ausland. Denn wie das Internationale Olympische Komitee (IOC) am Mittwoch mitteilte, werden im Februar zwar Zuschauer bei den Wettkämpfen in Chinas Hauptstadt zugelassen. Tickets werden allerdings ausschließlich für Einwohner in Festlandchina verfügbar sein, soweit sie die Corona-Vorschriften der chinesischen Behörden erfüllen. Wie diese genau aussehen werden und welche Personen am Ende wirklich Zugriff auf die Tickets haben, ist wohl noch immer nicht endgültig entschieden. Weitere Details sollen in den kommenden Wochen folgen.

Peking bleibt damit seinem harten Corona-Kurs treu. Das Land hat seit Frühjahr 2020 seine Grenzen faktisch geschlossen. Nur wenige Menschen erhalten Einreisegenehmigungen. Auf neue Ausbrüche reagieren die Behörden weiterhin mit gnadenloser Härte. Bereits ein positiver Corona-Test kann dazu führen, dass Stadtteile mit Millionen Einwohnern unter Quarantäne gestellt und die Menschen zum Testen verpflichtet werden. Und das, obwohl laut offiziellen Angaben bereits mehr als eine Milliarde Menschen im Land mit einem chinesischen Impfstoff geimpft worden ist.

In anderen asiatischen Staaten, die zunächst ebenfalls auf die sogenannte No-Covid-Strategie gesetzt haben, hat sich in den vergangenen Monaten die Erkenntnis durchgesetzt, dass die Welt möglicherweise dauerhaft mit dem neuartigen Erreger leben muss. Staaten wie Singapur akzeptieren nun Fallzahlen auf einem niedrigen Niveau, setzen lieber auf wirksame Impfstoffe und Tests als auf monatelange Lockdowns, um zur Normalität zurückkehren zu können. In China hingegen erscheint ein solcher Kurswechsel weiter undenkbar.

Behörden setzen auf eine "Olympia-Blase", um Kontakt mit Einheimischen zu verhindern

Dementsprechend ähnlich streng werden laut IOC die Bedingungen für Sportlerinnen und Sportler bei den Winterspielen sein: Athleten sowie andere Teilnehmer aus dem Ausland müssen geimpft sein. Ansonsten sind sie verpflichtet, sich nach Ankunft für 21 Tage in staatliche Quarantäne zu begeben.

Die Quarantänevorschriften sind damit noch strenger als vielerorts in China. Reisende aus dem Ausland, die beispielsweise über Shanghai ins Land kommen, müssen nur für 14 Tage in Quarantäne. Lediglich Personen, deren Zielort Peking ist, sind aktuell bei Einreise verpflichtet, 21 Tage in überwachter Isolation zu verbringen.

Beobachter hatten entsprechend strenge Vorschriften bereits erwartet, nachdem das Nachbarland Japan bei den Olympischen Sommerspielen in Tokio dieses Jahr keine Zuschauer zugelassen hatte. In der japanischen Hauptstadt hatte nicht einmal heimisches Publikum den Wettkämpfen beiwohnen dürfen. Nach einem Anstieg der Corona-Fälle war zu jener Zeit sogar der Ausnahmezustand in Tokio verhängt worden.

Chinas Behörden werden vergleichbar mit der Abschottung in Tokio ebenfalls auf eine "Olympia-Blase" setzen. Sie soll den Teilnehmern ermöglichen, sich innerhalb des Olympischen Dorfs relativ frei zu bewegen - ohne Infektionen in der Bevölkerung zu riskieren. Die Blase soll am 23. Januar starten, fast zwei Wochen vor Beginn der Spiele, und bis zum 13. März aufrechterhalten werden, wenn die paralympischen Winterspiele zu Ende gehen. Teil der abgeriegelten Orte werden alle Trainings- und Wettkampfstätten sein, die Unterkünfte und die Stadien für die Eröffnungs- und Abschlussfeier. Ein abgeschottetes Transport-Netz soll dafür sorgen, dass auch bei Transfers kein Kontakt mit Einheimischen zustande kommt. Alle Personen, die sich innerhalb der Blase befinden, werden zudem verpflichtet sein, sich täglich auf das Coronavirus testen zu lassen.

Die Winterspiele dürften abseits von den Pandemie-Vorschriften die am stärksten umstrittenen Wettkämpfe der vergangenen Jahre werden. Zahlreiche Menschenrechtsorganisationen haben bereits dazu aufgerufen, als Protest gegen die Menschenrechtslage im Land nicht an den Spielen teilzunehmen. Auch das EU-Parlament hat die Mitgliedstaaten dazu aufgefordert, die Wettkämpfe zumindest politisch zu boykottieren.

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