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Olmert: Appell an Gaza-Bewohner:"Stoppen Sie die Hamas!"

Israel geht neue Wege: Ministerpräsident Olmert wendet sich direkt an die Bewohner des Gazastreifens - und fordert einen Aufstand gegen die radikal-islamische Hamas.

Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert hat an die Bevölkerung im Gazastreifen appelliert, die radikal-islamische Hamas von Raketenangriffen auf Israel abzuhalten. "Ich sage es Ihnen in letzter Minute: Stoppen Sie es! Sie, die Bürger von Gaza, können es stoppen", sagte Olmert nach Angaben des Fernsehsenders Al-Arabija in einem Interview.

Unter Handlungsdruck: Israels Regierungschef Ehud Olmert.

(Foto: Foto: dpa)

Er forderte die rund 1,5 Millionen Bewohner des Gazastreifens auf, mit der dort herrschenden Hamas zu brechen. Der unter starkem innenpolitischen Druck zum Handeln stehende Regierungschef sagte, die Menschen in dem Küstenstreifen könnten die Hamas stoppen. Denn diese töte im Widerspruch zum islamischen Geist Kinder in Israel, greife Kindergärten und Zivilisten mit Raketen an.

"Dass die Hamas dies im Widerspruch zum Geist des Islam tut, ist der Hauptgrund für Ihr Leiden und das unsere", sagte Olmert an die Bürger des Gazastreifens gerichtet.

Er kündigte an, ohne zu zögern die ganze Macht Israels einzusetzen, um die Hamas und die ebenfalls für Angriffe auf Israel verantwortliche Extremistengruppe Islamischer Dschihad anzugreifen.

Eskalation der Gewalt im Süden Israels

Im Süden Israels waren allein seit Heiligabend mehr als 80 Raketen niedergegangen. Die im Gaza-Streifen abgefeuerten Geschosse treffen immer wieder die Kleinstadt Sderot und die grenznahen Dörfer. Dutzende Menschen mussten in Krankenhäuser eingeliefert werden, nachdem sie Schocks erlitten hatten.

Zusätzlich war die Lage in den vergangenen Tagen mit Angriffen auch auf die israelische Küstenstadt Aschkelon eskaliert. Die mehr als 100.000 Einwohner zählende Stadt liegt rund 15 Kilometer nördlich des Küstenstreifens und kann damit nur mit weiterreichenden Raketen des Typs Grad angegriffen werden. Ihr Einsatz zieht gewöhnlich massive Gegenschläge Israels nach sich.

Die Politik in Israel steht kurz vor den Wahlen unter großem Handlungsdruck, den andauernden Angriffen ein Ende zu bereiten. Aus den Grenzregionen wird den Politikern im weit außerhalb der Raketen-Reichweite liegenden Jerusalem vorgeworfen, ihre Region bereits abgeschrieben zu haben und sie nicht ausreichend zu verteidigen.

Die israelische Außenministerin Tzipi Livni, die für die derzeit regierende Kadima-Partei als Spitzenkandidatin in die Wahl zieht, hat angekündigt, sie werde den Sturz der Hamas zu ihrer wichtigsten Aufgabe machen. Der Wahlfavorit, der Spitzenkandidat des rechten Likud, Benjamin Netanjahu, plädiert ebenfalls für ein hartes Vorgehen und tritt gegen eine Fortsetzung des Friedensprozesses in seiner jetzigen Form ein.

Zu dieser Haltung passen aktuelle Medienberichte, wonach sich Israel auf harte Militärschläge gegen die Hamas im Gazastreifen vorbereitet. Livni sagte am Donnerstag nach einem Treffen mit dem ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak in Kairo, Israel könne die ständigen Raketenangriffe aus dem Gazastreifen nicht mehr dulden.

"Genug ist genug", sagte Livni nach Angaben ihres Büros nach dem Treffen mit Mubarak. "Wir können diese Situation nicht länger akzeptieren, und sie wird sich ändern." Die Hamas als herrschende Macht im Gazastreifen müsse verstehen, "dass ihre Entscheidungen einen Preis haben", sagte die Ministerin.

Papst fordert Frieden

In seiner Weihnachtsbotschaft hat sich Papst Benedikt XVI. auch zu der erneuten Eskalation im Nahost-Konflikt geäußert. Im nächsten Jahr wird er im Heiligen Land erwartet. Er hoffe, dass Israelis und Palästinenser nach dem Ende der Waffenruhe und dem Wiederaufflammen der Gewalt auf einen Weg zum Frieden zurückfänden.

Es ist ein frommer Wunsch. Und er scheint in der derzeitigen Lage aussichtslos: Am Donnerstagabend haben militante Palästinenser erneut zahlreiche Granaten auf israelisches Gebiet gefeuert. Nach Angaben eines Sprecher des israelischen Verteidigungsministeriums schlugen sie unter anderem in einem Industriegebiet nahe der Stadt Aschkelon ein. Verletzt wurde niemand.

Der ägyptische Präsident Husni Mubarak hat Israel unterdessen bei dem Treffen mit Livni zur Zurückhaltung aufgefordert. Zugleich machte Mubarak am Donnerstag deutlich, dass er von der Hamas eine sofortige Einstellung des Beschusses von Israel mit Raketen erwarte. Ägypten bemüht sich um eine neue Waffenruhe zwischen Israel und der im Gazastreifen regierenden Hamas.

Die Armee hatte zuvor - knapp eine Woche nach Ende einer sechsmonatigen Waffenruhe - grünes Licht für eine Serie von Operationen im Gazastreifen erhalten, berichteten israelische Medien am Donnerstag. Geplant seien schwere Luftangriffe auf Ziele der Hamas und des Islamischen Dschihad sowie punktuelle Bodeneinsätze, hieß es.

Eine Wiederbesetzung des Gazastreifens sei jedoch nicht vorgesehen, berichteten die Medien unter Berufung auf Militärs. Man wolle schrittweise den Druck erhöhen, um Hamas zum Stopp der Raketenangriffe zu zwingen. Die Einsätze sollten beginnen, sobald das Wetter dies erlaube. In Israel und den Palästinensergebieten herrscht in diesen Tagen stürmisches und regnerisches Wetter.

Verteidigungsminister Ehud Barak sagte am Mittwochabend im israelischen Fernsehen, er habe die Streitkräfte angewiesen, sich auf eine Antwort auf die Raketenangriffe vorzubereiten. Er warnte die Hamas vor einem "hohen Preis", den sie zahlen müsse, sollte der Raketenbeschuss weitergehen.

Militante Palästinenser hatten am Mittwoch mehr Dutzende Kassam-Raketen und Mörsergranaten auf Israel abgefeuert. Es gab keine Verletzten, zahlreiche Menschen erlitten jedoch einen Schock.

Hamas erklärte, die Angriffe seien eine Antwort auf den Tod dreier seiner Kämpfer am Dienstagabend bei einem Feuergefecht mit israelischen Soldaten am Nordrand des Gazastreifens.