Anfang der 1990er-Jahre importierte Gibraltar so viele Zigaretten, dass jeder Gibraltarer täglich sieben Packungen rauchen konnte. Theoretisch jedenfalls, die meisten Kippen wanderten nämlich direkt weiter nach Spanien. Möglich war das auch, weil der damals regierende "Chiefminister", der Sozialist Joe Bossano, den Schmuggel indirekt unterstützte und Geschäftsleute "ermutigte", ihr Geld in Schnellboote zu investieren. Der illegale Handel brachte seiner Regierung 16 Millionen Pfund im Jahr ein, die kriminellen Banden, die ihn kontrollierten, erwirtschafteten einen hübschen Profit. Die spanische Regierung jedoch kostete er Hunderte Millionen Pesetas an verlorenen Zöllen. Jahrelang weigerte sich Bossano, dem Treiben Einhalt zu gebieten; er ließ sich erst dazu bewegen, als die Regierung in London drohte, ihren Außenposten wieder direkt zu verwalten. Von da an konzentrierten sich die Gibraltar-Regenten auf andere Einnahmen: steuerbegünstigte Online-Sportwetten und Offshore-Finanzpakete. Beides ist eh lukrativer.
Oliver Bullough: "Der Welt zu Diensten"Saustall of London
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Ganz viele Milliarden, nicht alles ganz legal erworben: The City of London von der Waterloo Bridge aus gesehen.
Peter Nicholls/ReutersOliver Bullough beschreibt brillant und unterhaltsam, wie Großbritannien zum Butler von Finanzjongleuren, Oligarchen und Freunden der Steuerschlupflöcher wurde.
Rezension von Viola Schenz
