Offizieller Wahlkampfauftakt von US-Präsident Obama Obama: Romney zieht die falschen Lehren

Und ihr Ehemann macht wenige Minuten später deutlich, dass der Republikaner Mitt Romney für ein anderes Amerika stehe. In scharfen Worten attackiert Obama seinen wahrscheinlichen Herausforderer: Dieser sei zwar ein "Patriot" und guter Familienvater, doch aus seinen Erfahrungen als Geschäftsmann und Gouverneur von Massachusetts habe er die falschen Lehren gezogen.

Das Publikum in der Sporthalle jubelt Obama zu, im Hintergrund ist das in großen Lettern das neue Wahlkampf-Motto zu lesen: "Forward."

(Foto: AFP)

Es sei ein Irrglaube, dass der Reichtum einiger Weniger dem Rest des Landes zugute komme. Aus hohen Profiten entstünden nicht zwangsläufig bessere Jobs. "Die Republikaner im Kongress wollen genau zu jener Politik der Bush-Jahre aus Sozialkürzungen und Steuersenkungen für Millionäre zurückkehren, die uns in die Misere geführt hat", warnt Barack Obama.

Seitenhieb gegen Mitt Romney

Romney sei bereit, diese Vorstellungen ohne Wenn und Aber umzusetzen. "Wir dürfen ihm nicht die Gelegenheit dazu geben, denn dafür steht viel zu viel auf dem Spiel", donnert Obama unter dem Applaus seiner Anhänger. Für Amerikas Mittelschicht gehe es "um alles oder nichts". Er trete für eine zweite Amtszeit an, weil er das Land modernisieren sowie in Bildung und Infrastruktur investieren wolle. Und in Anspielung auf ein Romney-Zitat versetzt er dem Multimillionär noch einen Seitenhieb: "Egal, wie oft sie es euch sagen werden: Unternehmen sind keine Menschen. Nur Menschen sind Menschen."

Spielend gelingt es Obama, während der 35-minütigen Rede sein Publikum zu unterhalten. Natürlich, alle sind ihm wohlgesonnen und haben stundenlang auf seinen Auftritt gewartet, aber sein Charisma und seine rhetorischen Fähigkeiten sind noch immer einzigartig. Ohne Populismus kommt er nicht aus, etwa wenn er Amerikas Reiche auffordert, ihren "fairen Anteil" beizutragen. Immer wieder kommt Obama darauf zurück, dass jeder seine "faire Chance" erhalten müsse: "Wir messen Wohlstand nicht nur nach dem Bruttosozialprodukt oder nach der Zahl von Milliardären, die wir produzieren. Es geht darum, wie gut es der amerikanischen Durchschnittsfamilie geht und wie weit sie deren Träume und harte Arbeit führen kann."

Dass Obama für den "Presidential Campaign Kickoff" ausgerechnet nach Virginia und Ohio gereist ist, kommt wenig überraschend. Am Mittag hatte er vor 14.000 Zuschauern in Columbus (Ohio) eine ähnliche Rede gehalten: In Ohio liegen der US-Präsident und Herausforderer Romney nahezu gleichauf.

Vor vier Jahren hatte der Demokrat den wichtigen Swing State mit 51 Prozent gewonnen. Sollte er das in dem vom industriellen Niedergang geprägten Staat wiederholen können, wäre ihm die Wiederwahl kaum zu nehmen.

Wenn jedoch Romney in Ohio gewinnt, braucht der Amtsinhaber unbedingt einen Sieg in Virginia. Bevor Obama hier 2008 eine Mehrheit gewann, galt der Staat 44 Jahre lang als republikanische Bastion. Einer aktuellen Umfrage der Washington Post zufolge führt Obama mit sieben Punkten vor Mitt Romney. In Virginia hat das Obama-Lager bereits 15 Bürgerbüros eröffnet. "Wenn wir in Virginia gewinnen, gewinnen wir die Wahl", ruft ein Einheizer während des Vorprogramms, durch das Shaka Smart, der überaus populäre Coach des Basketball-Teams der Virginia Commonwealth University führt. Riesige schwarz-gelbe Fahnen an den Wänden erinnern an die Erfolge der Mannschaft.

Präsident Obama hatte zuletzt seine Vorstellungen zur Bildungs- und Energiepolitik so häufig in Swing States erläutert und war nach offiziellen Terminen bei Fundraiser-Spendengalas aufgetreten, dass ihm die Republikaner vorwarfen, Wahlkampf auf Kosten der Steuerzahler zu machen.