Offensive gegen den IS:Irak beginnt entscheidende Schlacht um Mossul

Irakische Truppen bringen sich für die Offensive auf West-Mossul in Stellung

Irakische Truppen bringen sich für die Offensive auf West-Mossul in Stellung

(Foto: REUTERS)
  • Die irakische Armee beginnt mit dem Angriff auf die Stellungen der Terrormiliz Islamischer Staat in West-Mossul.
  • Der Kampf in diesem Teil der nordirakischen Stadt dürfte für die irakische Armee besonders schwer werden.
  • Mitte Oktober 2016 hatte der Irak mit der Militäroperation in Mossul begonnen, Ost-Mossul gilt offiziell als vom IS befreit.

Der irakische Ministerpräsident Haidar al-Abadi hat den Start einer Militäroffensive gegen den westlichen Teil der IS-Hochburg Mossul verkündet. Dieser solle von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zurückerobert werden, teilte er am Sonntag mit. Im Staatsfernsehen sagte al-Abadi, Streitkräfte seien in Bewegung gesetzt worden, um die Bevölkerung Mossuls "für immer von der Unterdrückung des Daesh zu befreien".

Bei einer vollständigen Eroberung Mossuls wäre der IS im Irak weitgehend besiegt - zuvor waren bereits die Städte Ramadi und Falludscha aus den Händen der Dschihadisten zurückerobert worden. Die Gefechte in der ehemaligen Millionenstadt werden voraussichtlich aber noch Wochen oder sogar Monate andauern.

Als die Militärkoalition aus irakischer Armee, verbündeten Milizen und kurdischen Kämpfern die ersten Stellungen des IS im Südwesten Mossuls angriff, waren in der Nähe des vom IS kontrollierten Flughafens Rauchfahnen zu sehen. Am Stützpunkt der irakischen Armee machten sich zeitgleich Kräfte für einen Einsatz im Norden bereit.

Bereits Mitte Oktober hatte der Irak aus mehreren Richtungen die Offensive auf Mossul begonnen und die Großstadt eingekreist. Unterstützt wurden die Kämpfer durch Luftangriffe der US-geführten internationalen Koalition sowie durch Hunderte Militärberater hinter der Front.

Zuletzt kam es in Bagdad fast täglich zu Anschlägen

Die jetzt begonnene Militäroperation zur Befreiung des westlichen Teils von Mossul dürfte aufwendiger werden als die bisherigen Gefechte im östlichen Teil. Viele Zehntausend Zivilisten leben unmittelbar neben den Kämpfern des IS in der Stadt, die westlich des Tigris teilweise eng bebaut ist. Dies macht eine Eroberung kompliziert, da der IS sich dort besser verschanzen und womöglich Sprengfallen aufstellen kann.

Die Vereinten Nationen schätzen, dass in den Stadtteilen westlich des Flusses Tigris etwa 750 000 Unbeteiligte leben. Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Save The Children sind darunter derzeit noch etwa 350 000 Kinder. Berichten zufolge wurden Zivilisten in Mossul in der Vergangenheit als menschliche Schutzschilde benutzt. Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Save The Children leben derzeit noch etwa 350 000 Kinder im Westteil von Mossul. Save the Children fordert die irakischen Streitkräfte und ihre Verbündeten dazu auf, Fluchtkorridore für Zivilisten einzurichten und "alles dafür zu tun, um Kinder und Familien zu schützen".

Mossul galt neben der syrischen Stadt Al-Rakka lange als Hochburg des IS. Die dschihadistische Miliz hatte 2014 weite Teile des Nordiraks unter ihre Kontrolle gebracht, verliert dort aber immer mehr Gebiet an das irakische Militär. Der IS setzt im Kampf gegen die Armee bislang vor allem Selbstmordattentäter und Scharfschützen ein. In Bagdad kam es zuletzt fast täglich zu Anschlägen, zu denen sich der IS bekannte. Erst am vergangenen Donnerstag starben bei einem Autobombenanschlag fast 60 Menschen.

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