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Österreichische Regentin:Innige Ehe-Liebe und 16 Kinder

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Élisabeth Badinter: Maria Theresia. Die Macht der Frau. Aus dem Französischen von Horst Brühmann und Petra Willim. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2017. 301 Seiten, 24 Euro. E-Book 17,99 Euro.

Für eine 23-jährige, in politischen Dingen nicht allzu bewanderte Königstochter handelte die junge Habsburgerin erstaunlich, man möchte fast sagen märchenhaft kühn. Statt sich einschüchtern zu lassen, bot sie ihren Gegnern die Stirn - und das mit einer Armee, die ihr der Vater nach heutigem Verständnis im Zustand einer Gurkentruppe hinterlassen hatte.

Wie selbstverständlich sah sie sich als exponiertes Wesen einer überirdischen Weltordnung. Die göttliche Vorsehung selbst hatte ihr diese Rolle zuerkannt, das Erbrecht galt ihr im wahrsten Wortsinn als heilig. Wer es infrage stellte, handelte in ihren Augen dieser von Gottes Gnade eingesetzten Ordnung und damit Gott selbst zuwider.

Die Vorsehung zu verteidigen war ihrer Überzeugung nach ihr heiliger Auftrag. Sie wusste von Anfang an, dass sie Geschichte schreiben würde, welche Unbilden und Erfolge auch immer sie zu verzeichnen hätte. Diese Selbsteinschätzung begründete ihr Image von der standhaften Herrscherin.

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Eine der vielen Titulierungen, die Maria Theresia im Laufe der Zeit zuteilwurden, lautet Reichshausfrau. Heute klingt sie alles andere als schmeichelhaft, sie verhöhnt ihre Distinktion. Ja, diese Frau war ein Familienmensch, und ja, sie kümmerte sich wohl stärker und beherzter um ihre Kinder, als die meisten männlichen Monarchen dies taten.

Doch die Staatsgeschäfte standen bei ihr Tag für Tag im Vordergrund. Die Erzherzogin und spätere Königin gebar 16 Kinder. Es ist aus heutiger Sicht schwer vorstellbar, wie eine Frau, die fast ununterbrochen schwanger ist, ein solches Vielvölkergebilde regieren kann. Maria Theresia schaffte es. Darauf haben schon immer alle verwiesen, die sie als Heldin verehren.

Bei Barbara Stollberg-Rilinger lernen die Leser eine Monarchin nicht nur in ihren privaten Gemächern und Gedankengängen kennen, bei dekadentem Zocken mit ihren Hofleuten um Tausende Gulden am Spieltisch und beim Vorbereiten der geliebten Schwiegertochter auf die Niederkunft, sondern auch in ihrem politischen Alltag. Sie war verschiedener Sprachen mächtig, verwendete aber in der Konversation mit ihrer Entourage ein Deutsch mit Wiener Einschlag. Schriftlich verständigte sie sich häufig auf Französisch, mitunter auf Italienisch.

Als die junge Königin im Jahr 1741 vor den ungarischen Ständen eine flammende Rede auf Lateinisch hielt und Unterstützung im Kampf gegen den nassforschen Preußenkönig Friedrich erbat, sollen die Magyaren begeistert die Säbel gezogen und gerufen haben, sie würden für die Königin sterben.

Kaiserin Maria Theresia mit ihrem Mann und ihren Kindern,

Maria Theresia, zu ihrer Rechten ihr Ehemann Kaiser Franz I. Stephan von Lothringen, zu ihrer Rechten ihr Sohn Joseph, der spätere Joseph II. Nach einem Kupferstich von J. G. Haid.

(Foto: Süddeutsche Zeitung Photo)

Grob gesagt, hat ihre vier Dekaden währende Regentschaft im Jahr 1740 trotz der widrigen äußeren Umstände gut begonnen. Doch je länger sie dauerte, desto schwerer tat sich Maria Theresia - und desto ungeschickter stellte sie sich an. Sie, die große Bewahrerin der alten Ordnung, hatte größte Schwierigkeiten mit der neuen Zeit und ihren geistigen Strömungen.

Aufklärung! Man kann bei Stollberg-Rilinger ungefähr nachempfinden, wie oft und immer öfter Maria Theresia die Hände über dem Kopf zusammenschlug, wenn sie mit dieser in ihren Augen misslichen "Modephilosophie" konfrontiert war. Auch die Mode selbst missfiel ihr: "Bald zieht man gar nichts mehr an und läuft herum wie die Neger", schrieb sie. Die Gesellschaft wandelte sich, und die Königin-Kaiserin wandelte sich nicht mit ihr, sondern bewegte sich in die Gegenrichtung.

Sie agierte am Anfang eher unkonventionell. Als ihr Johann Adolph Hasse 1744 nach einem Libretto von Pietro Metastasio eine Oper komponiert hatte, musste sie erst davon überzeugt werden, dass es nicht statthaft sei für eine Herrscherin, selbst darin aufzutreten.

Als Jugendliche war Maria Theresia häufig auf der Bühne aufgetreten. Auch im Staatswesen traf sie überraschende Entscheidungen. Sie reformierte das Organigramm am Hof, mit der Abschaffung der Hofkanzleien im Mai 1749 per Handbillets aus dem Schloss Schönbrunn stieß sie einer Schar alter Amtsträger vor den Kopf.

Herzzerreißende Einschätzungen

Welche Stimmungen sie auslöste, verfolgt Stollberg-Rilinger gern in den Aufzeichnungen des Obersthofmeisters Johann Joseph von Khevenhüller, einer wunderbaren Quelle aus erster Hand.

Khevenhüller war ein Höfling alter Schule, loyal bis zur Selbstverleugnung. Was er aber seinem Tagebuch anvertraute, war nicht immer nur schmeichelhaft für die Herrin. Es kam vor, dass die Monarchin Termine platzen ließ, weil "die Toilette nicht wohl gerathen und mann mit einem üblen Aufbutz in publico nicht erscheinen wollen", schreibt Khevenhüller.

Wobei Barbara Stollberg-Rilinger ihrer Hauptfigur deshalb nicht gleich einen Schönheitswahn andichten würde - vorschnelle Urteile sind ihr fremd. Vielmehr, sagt sie, habe Maria Theresia schlicht die Notwendigkeit erkannt, "den herrscherlichen Körper als solchen zu inszenieren. Der Habitus des Monarchen war eine Staatsangelegenheit."

Élisabeth Badinter hingegen nimmt sich zum Beschreiben des historischen Kontextes selten Zeit. Sie schildert eine Frauengeschichte und produziert nahezu herzzerreißende Einschätzungen wie diese: "Der Konflikt zwischen Mutter und Herrscherin muss herzzerreißend gewesen sein", nachdem die Königin ihren Sohn und Mitregenten düpiert hatte.

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Zu den Aufgaben einer guten Herrscherin gehörte es zweifellos nicht, ihren Nachruhm durch die Vernichtung von Akten zu beeinflussen. Archivieren ließ sie nur, was ihr gefiel und womit sie gefallen konnte. Uneitel, wie die Maria-Theresia-Verehrer des 19. Jahrhunderts in ihren panegyrischen Lebensberichten schrieben, war diese Frau sicher nicht. Und großherzig gegen die kleinen Leute, die Armen und Beladenen, war sie auch nicht. Vielmehr, das arbeitet Stollberg-Rilinger klug heraus, handelte sie mit Gunst. Als Gegenleistung erwartete sie Loyalität.

Einen bemerkenswerten Ausschnitt dieses riesigen Gemäldes, das Barbara Stollberg-Rilinger um ihr Porträt der Habsburgerin herum malt, bildet die Beziehung Maria Theresias zu ihrem Mann Franz Stephan ab. So agil und temperamentvoll die Frau war, so träge erschien er. Aber sie liebte ihn, und zwar - so märchenhaft es auch klingt - von Kindheit an bis zu seinem Tod.

Franz Stephan von Lothringen hatte einen schweren Stand am Wiener Hof: Sie war die Herrin, er hatte nichts zu melden. Bis sie ihm die Kaiserwürde verschaffte. Maria Theresia wurde selbst nie zur Kaiserin gekrönt, sie trug den Titel als Kaisergattin.

Badinter macht ein von Maria Theresia angestrebtes "Modell des bürgerlichen Ehepaars, wie es hätte prüder nicht sein können" aus. Bei Stollberg-Rilinger dagegen lernt man, dass die Königin-Kaiserin überhaupt keinen Begriff von einer bürgerlichen Ehe hatte - dieses Modell entstand erst im nächsten Jahrhundert.

Jedenfalls beruhte die Liebe in ihrer eigenartigen Intensität offenbar nicht auf Gegenseitigkeit. Franz Stephan erlaubte sich Seitensprünge, was letztendlich die notorische Keuschheitspolitik seiner Frau entfachte. Sie verbot Bälle und setzte Spitzel ein, die sexuellen Ausschweifungen im Volk nachspüren mussten.

Für eine Heldin war Maria Theresia zu verbissen. Sogar das "Damen Conversations Lexicon" attestierte, ihr religiöser Eifer habe sie bisweilen zu Handlungen hingerissen, "die den Glanz ihres Andenkens trüben".

Barbara Stollberg-Rilinger: Maria Theresia. Die Kaiserin in ihrer Zeit. Eine Biographie. Verlag C.H.Beck, München 2017. 1083 Seiten, 34 Euro. E-Book 28,99 Euro.

Élisabeth Badinter: Maria Theresia. Die Macht der Frau. Aus dem Französischen von Horst Brühmann und Petra Willim. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2017. 301 Seiten, 24 Euro. E-Book 17,99 Euro.

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