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Österreichische Regentin:Herrscherin und Reichshausfrau

Kaiserin Maria Theresia, gemalt von Martin van Meytens 1759

(Foto: Martin van Meytens)

Vor 300 Jahren wurde Maria Theresia geboren. Zwei neue Biografien gehen der Frage nach: Wie war die legendäre Habsburgerin wirklich?

Geschichten von Helden und Antihelden werden mit Superlativen geschrieben, und Heldinnen wiederum funkeln schon allein wegen ihrer Seltenheit in den von Männern dominierten Geschichtsbüchern am glamourösesten hervor.

Bei der "edlen und erhabenen" Maria Theresia handle es sich um eine der "größten Fürsten, die je eine Krone trugen", heißt es im "Damen Conversations Lexikon", erschienen im Jahr 1834. Bei ihr verbanden sich die "schönsten weiblichen Tugenden mit den glänzenden Eigenschaften, die eine Krone würdig zieren".

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Noch überschwänglicher schreibt drei Dekaden später der Historiker Alfred von Arneth von ihr, Staatsarchivdirektor in Wien. Sie habe in "höherem Maße als irgend ein Monarch vor oder nach ihr zum Wohle der österreichischen Länder gewirkt" und diese zur "schönsten Blüthe" geführt. Maria Theresias Persönlichkeit bilde die "glänzendste Erscheinung, von welcher die Geschichte Österreichs zu berichten weiß".

Die Habsburger Kaiser von Rudolf I. über Maximilian I. bis zu Karl V. - sie alle verblassten gegenüber dieser Heldin, die im 19. Jahrhundert zu einer Nationalheiligen avancierte. Zeit für eine Entheiligung, Entehrung, Entheldung? Jedenfalls für Klarstellungen.

Seit nahezu 200 Jahren, seit Ritter von Arneth, hat sich kein Historiker mehr ernsthaft und eingehend mit Leben und Wirken der Königin-Kaiserin beschäftigt. Im Jubiläumsjahr dieser Habsburgerin, die am 13. Mai 1717 geboren wurde, erscheinen nun Maria-Theresia-Bücher von zwei Biografinnen.

Die Arbeit der Münsteraner Historikerin Barbara Stollberg-Rilinger setzt in der Erforschung dieser Herrscherin und in der Bibliografie zu dieser Person auf Dauer einen Meilenstein. Eine wesentlich straffere Studie stammt von der französischen Philosophin Élisabeth Badinter.

Eine Biografie wie ein Meilenstein

Barbara Stollberg-Rilinger, Jahrgang 1955 und seit zwanzig Jahren Inhaberin des Lehrstuhls für Frühe Neuzeit in Münster, hat sich in der internationalen Historikerelite etabliert, indem sie mit ihren Studien über Herrscherrituale und ihre Bedeutung Macht- und Standessymbole sehr plastisch dechiffrierte.

Unter anderem bekam sie den Leibniz-Preis und den Preis des Historischen Kollegs, und es würde keineswegs überraschen, wenn sie nun auch für ihre "Maria Theresia", die ganz nebenbei eine Enzyklopädie des Lebens am Hof im 18. Jahrhundert mitliefert, Auszeichnungen erhielte.

Die Superlative, die sich in diesem akribisch recherchierten und mehr als 1000 Seiten umfassenden Buch finden, lassen sich an einer Hand abzählen. Die Geschichte fasziniert trotzdem.

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Barbara Stollberg-Rilinger: Maria Theresia. Die Kaiserin in ihrer Zeit. Eine Biographie. Verlag C.H.Beck, München 2017. 1083 Seiten, 34 Euro. E-Book 28,99 Eur

Maria Theresias Vater, Kaiser Karl VI., hatte schon frühzeitig eine Regelung getroffen, die seinen weiblichen Nachkommen den Vorrang vor etwa konkurrierenden Töchtern seines Bruders gab: die Pragmatische Sanktion.

Dieses neue Habsburger Hausgesetz verschaffte Maria Theresia, deren einziger Bruder mit sieben Monaten gestorben war, die Nachfolge - und den anderen europäischen Mächten die Gelegenheit, das Haus Österreich mit allerlei Ansprüchen zu behelligen. Sie musste sich in einem achtjährigen Erbfolgekrieg behaupten, der Österreich allerdings die reiche Provinz Schlesien kostete.

"Die Tatsache, dass Maria Theresia eine Frau war, bedeutete für ihre Regentschaft Fluch und Segen zugleich", schreibt Barbara Stollberg-Rilinger. Friedrich II., der misogyne Preuße, stellte seine Angriffe gegen Österreich zu Beginn jenes Krieges als gut gemeinte Schutzmaßnahme dar: Junger und strammer Kavalier springt seiner ebenso jungen Kollegin, einer Vertreterin des schwachen Geschlechts, zur Seite - blanker Zynismus.