Sie trug oft einen Pelzmantel oder einen schwarzen Herrenanzug, dazu ein weißes Hemd mit Stehkragen, Cowboymascherl, Stiefel und Schlapphut. Ihr Markenzeichen war eine ausziehbare Stahlrute. Damit schlug sie zu. Und sie schlug heftig zu, denn sie war furchtbar brutal, vor allem, wenn sie betrunken war. Sie zerschnitt das Gesicht ihrer Feinde, es waren Freier, die nicht bezahlten, oder Huren, die nicht gehorchten. Wanda Kuchwalek (vulgo: „Die wilde Wanda“) war Wiens erste und – soweit bekannt – bisher einzige Zuhälterin.
Wanda Gertrude Kuchwalek wurde am 22. Jänner 1947 in Wien geboren – als uneheliche Tochter einer Schlangentänzerin und eines sowjetischen Besatzungsoffiziers, den sie nie sehen sollte. Sie wuchs zunächst im Zirkuswagen ihrer Mutter auf, später zog sie zur Oma nach Floridsdorf. Mit 14 Jahren wurde sie erstmals verurteilt, wegen Schuleschwänzen, Alkoholkonsum und einer Rauferei. Sie landete in Erziehungsheimen und sagte später, andere Frauen hätten sie dort vergewaltigt. Das alles trug dazu bei, dass sie wurde, wer sie war.
Ende der 60er-Jahre tauchte Wanda Kuchwalek, die Technische Zeichnerin gelernt hatte, erstmals im Rotlichtmilieu auf. Kuchwalek war lesbisch, angeblich ekelte sie sich vor Männern, weshalb sie keine Prostituierte werden konnte. Sie ließ stattdessen Frauen für sich arbeiten; einige nahm sie als Geliebte. Ihr Revier war der 2. Bezirk rund um den Prater, Respekt verschaffte sie sich mit Gewalt. Die Welt schrieb: „Wanda‚ beschützte‘ mit Stahlrute, Totschläger, Messer und Pistole, sie zerschnitt die Gesichter ihrer Geliebten und Feinde gleichermaßen mit Rasierklingen oder verpasste ihnen ‚Zuckerfahrer ‘– Schnitte mit Würfelzuckerstücken quer über das Gesicht, die nur sehr schwer wieder heilten“. Natürlich wurde sie dafür verurteilt – sie verbrachte mehr als 20 Jahre im Gefängnis.
Trotzdem waren Menschen fasziniert von ihr: Sie lebte offen homosexuell, als das noch geächtet war; sie war in der Halbwelt unterwegs; sie zeigte sich vor Gericht respektlos und frech – das klang, nun ja, nicht langweilig. Ihre Brutalität blendeten manche offenbar aus. Auch heute wird Wanda Kuchwalek teilweise verklärt. So hat sich die Wiener Indie-Rockband Wanda nach ihr benannt.
In den 80er- und 90er-Jahren liefen ihre Geschäfte schlechter. Wanda Kuchwalek saß immer öfter mit ihrem Hund im Café „Amigo“ in der Brigittenau, trank und stritt sich. 1991 starb ihr Lebensmensch, die Großmutter. Am Ende lebte Kuchwalek von einer kleinen Sozialrente. Sie starb am 4. September 2004 mit nur 57 Jahren.

