Serie „Original aus Wien“, Folge 21Mit Noblesse, Charme und Haltung

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Vilma Degischer machte zunächst eine Tanzausbildung, ehe sie Schauspielerin wurde.
Vilma Degischer machte zunächst eine Tanzausbildung, ehe sie Schauspielerin wurde. Collage: Katharina Wutta; Foto: Imago

Vilma Degischer spielte die strenge Schwiegermutter Sophie in der „Sissi“-Trilogie der 1950er-Jahre. Es war ein kurzer Ausflug in die Filmwelt, denn die elegante Schauspielerin war am Theater in der Josefstadt zu Hause.

Von Gerhard Fischer

Die Sätze, die Erzherzogin Sophie ihrer frisch angetrauten (und aus Bayern stammenden) Schwiegertochter Sissi vor dem Schloss Schönbrunn um die Ohren haut, sind großartig in ihrer Gemeinheit. „Hier hat Maria Theresia gelebt und gebadet“, sagt sie. „Das wird auch für eine kleine bayerische Prinzessin, die zufällig Kaiserin geworden ist, gut genug sein“. Vilma Degischer stellt diese Sophie in den zuckersüßen „Sissi“-Filmen der 1950er-Jahre vor allem als kühl, blasiert und streng dar. Der Standard schrieb einmal, Degischer spiele eine „schmallippige Xanthippe“.

Wilhelmine Anna Maria Thimig-Degischer wurde am 17. November 1911 in Wien geboren, als Tochter eines hohen Beamten und Hofrats. Sie machte zunächst eine Ausbildung in Ausdruckstanz und klassischem Ballett und trat schon als Elfjährige auf. Später studierte sie Schauspiel am Wiener Max-Reinhardt-Seminar und debütierte unter der Regie von Reinhardt am Deutschen Theater in Berlin. Sie spielte die Hermia in Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“.  Degischer war nun Schauspielerin, nicht mehr Tänzerin, aber ihre Tanzausbildung nutzte sie für ihr geschmeidiges Spiel.

Vilma Degischer, wie sie sich nun nannte, arbeitete in den folgenden Jahrzehnten hauptsächlich am Theater in der Josefstadt; von 1939 bis zu ihrem Tod 1992 gehörte sie zum Ensemble des Hauses, dessen Doyenne sie schließlich wurde. Sie verkörperte den „Josefstädter Stil“ der Wiener Theaterkunst, der „von Noblesse, Charme und Haltung“ geprägt sei, schrieb das Filmmagazin Cinema Austriaco. „Ihre angeborene Eleganz, ihre perfekte Eloquenz und ihre Vorliebe für das Kammerspiel machten sie zur perfekten Darstellerin für die Rollen adliger Frauen, aber auch von gequälten Protagonistinnen, deren persönliches Drama im Mittelpunkt des Stücks selbst stand.“ Degischer spielte etwa 400 Rollen in klassischen und modernen Theaterstücken.

In Film und Fernsehen war sie dagegen selten zu sehen, abgesehen von ihrer Rolle als Erzherzogin Sophie in der Sissi-Trilogie. Ob sich Degischer wenig für die Filmwelt interessierte oder die Filmwelt wenig für Degischer, bleibt dahingestellt.

Vilma Degischer war mit dem Schauspieler und Regisseur Hermann Thimig verheiratet, den sie am Deutschen Theater in Berlin („Ein Sommernachtstraum“, siehe oben) kennengelernt hatte. Die beiden hatten zwei Töchter, Hedwig und Johanna, genannt Hannerl. Hannerl Thimig wurde ebenfalls Schauspielerin. Vilma Degischer starb am 3. Mai 1992 im Alter von 80 Jahren, sie wurde auf dem Sieveringer Friedhof neben ihrem Ehemann begraben. In Wien-Währing gibt es den Vilma-Degischer-Park.

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