„Original aus Wien“, Folge 30Hasi, Mausi, Mörtel

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Richard Lugner war erst Bau-, dann Society-Löwe. Er holte Stars wie Sophia Loren oder Roger Moore zum Wiener Opernball.
Richard Lugner war erst Bau-, dann Society-Löwe. Er holte Stars wie Sophia Loren oder Roger Moore zum Wiener Opernball. Collage: Alexander Bauer; Foto: Imago, Herbert P. Oczeret

Der Bauunternehmer Richard Lugner schmückte sich mit Promis auf dem Opernball und mit Frauen, die viel jünger waren. Vor allem aber liebte er das Scheinwerferlicht.

Von Gerhard Fischer

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Richard Lugner besaß ein großes Einkaufszentrum und schmückte sich beim Wiener Opernball mit Promis wie Sophia Loren, Faye Dunaway oder Roger Moore. Aber wenn man an ihn denkt, fallen einem vor allem seine Frauen ein – Frauen, die meistens blond und meistens Jahrzehnte jünger waren als er. Im Internet findet man sogar eine Auflistung, die Rubrik heißt „Übersicht der bekannten Partnerinnen“. Man zählt 19 und liest unter der Spalte Kosenamen (man könnte auch sagen: Tiernamen) unter anderem: Mausi, Hasi, Spatzi, Bienchen, Kolibri, Goldfisch – und Wildsau.

Richard Siegfried Lugner wurde am 11. Oktober 1932 in Wien geboren, sein Vater war Rechtsanwalt. Richard Lugner arbeitete zunächst bei einer Wiener Baufirma und erhielt 1962 die Baumeisterkonzession. Noch im selben Jahr gründete er ein Unternehmen, das sich auf die Renovierung von Altbauten und die Einrichtung von Tankstellen und Service-Stationen spezialisierte. Lugner errichtete die Wiener Moschee, renovierte den Stadttempel der jüdischen Kultusgemeinde und wurde zum größten Bauunternehmer der Stadt. In den „goldenen Zeiten“ habe er bis zu 600 Baustellen gleichzeitig zu betreuen gehabt, sagte er einmal. Ein Boulevardjournalist gab ihm schließlich den Namen „Mörtel“. Im September 1990 eröffnete er die Lugner City, ein riesiges, schmuckloses Einkaufszentrum im 15. Bezirk Rudolfsheim-Fünfhaus.

1992 begann Lugner, Promis als Begleitung für seinen Besuch beim Opernball zu engagieren; meistens waren es Schauspielerinnen, deren Scheinwerferlicht auch auf Lugner fiel. Dieser mutierte nun immer mehr vom Bau- zum Society-Löwen. Der Privatsender ATV zeigte die Reality-Soap „Die Lugners“, RTL die Doku-Soap „Lugner und Cathy – Der Millionär und das Bunny“. In der Satiresendung „Wir sind Kaiser“ bat Lugner jede Woche um eine Audienz beim Monarchen (alias Robert Palfrader), wurde aber immer wieder abgewiesen. Seine Ex-Frau Christina meinte, der Richard brauche „das ständige Kasperltheater wie Sauerstoff“.

Lugners politische Aussagen und Auftritte waren umstritten, er war eher rechts der Mitte daheim. Zweimal kandidierte er als Parteiloser – und erfolglos – zur Wahl des Bundespräsidenten. Die FPÖ hielt Wahlveranstaltungen in der Lugner City ab, und mit Ex-FPÖ-Chef Norbert Hofer besuchte er 2024 den Akademikerball in der Wiener Hofburg, ein Vernetzungstreffen der extremen Rechten. Lugners Tochter Jaqueline heiratete den FPÖ-Politiker Leo Kohlbauer. Richard Lugner war sechsmal verheiratet und hatte vier Kinder von drei Frauen. Bei der Wahl seiner Partnerinnen ließ er sich häufig von einer Astrologin beraten.

„Österreichs öffentlichster Mensch“, so das Magazin Profil, starb am 12. August 2024 mit 91 Jahren in seiner Villa in Wien-Döbling. Ende 2024 wurde „Lugner ist immörtal“ zum Spruch des Jahres gewählt.

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Vor einem Jahr starb Richard Lugner. Seitdem tobt ein Streit um sein Erbe, vor allem um eine 300-Quadratmeter-Villa. Auf der einen Seite: Witwe Simone Lugner, von ihm genannt „Bienchen“. Auf der anderen: der Rest des Lugner-Clans.

SZ PlusVon Gerhard Fischer

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