Gustav Klimts Bild „Der Kuss“ gehört wie Edvard Munchs „Der Schrei“ zu jenen Gemälden der Kunstgeschichte, die man sofort erkennt – und die fast jeder kennt. Man muss gar nicht ins Museum gehen, um das Bild zu sehen, es ist millionenfach auf Kalender und Poster gedruckt. Manche beginnen den Tag mit Klimts Kuss (er ziert Kaffeetassen) und beenden ihn mit Klimts Kuss (er schmückt Kissenbezüge). Gustav Klimt hat das Jugendstil-Bild 1908 und 1909 angefertigt, also in jener Phase, in der er mit Goldfarben malte. Es zeigt mit ziemlicher Sicherheit Klimt selbst und seine Lebensgefährtin Emilie Flöge. Das 180 mal 180 Zentimeter große Gemälde hängt heute im Oberen Belvedere in Wien.
Gustav Klimt wurde am 14. Juli 1862 im damaligen Wiener Vorort Baumgarten geboren, er war das zweitälteste von sieben Kindern. Zunächst sollte Klimt den Beruf des Vaters Ernst erlernen, der Goldgraveur gewesen ist. Doch mit 14 Jahren erhielt er ein Stipendium für die k.k. Kunstgewerbeschule, der heutigen Akademie für angewandte Kunst. Danach bildete er mit seinem Bruder Ernst und dem Studienkollegen Franz Matsch eine Ateliergemeinschaft. Die selbst ernannte „Künstler-Compagnie“ gestaltete unter anderem Deckengemälde, zum Beispiel für die beiden Stiegenhäuser des Burgtheaters.
Klimt gründete 1897 mit einigen anderen Künstlern die Wiener Secession. Bis heute wird die Wiener Variante des Jugendstils auch Secessionsstil genannt. Klimt entwarf die Metalltüren für das Secessionsgebäude im 1. Bezirk, in dem bis heute Ausstellungen stattfinden. 1903 wurden dort 80 Werke Klimts gezeigt.
Er hatte zu jener Zeit diverse Ausstellungen im In- und Ausland (Prag, Dresden, München, Budapest, Berlin, Venedig, Rom) und war ein gefragter Porträtmaler. „Es gehörte zum guten Ton der Wiener Gesellschaft, sich von ihm porträtieren zu lassen“, schreibt Isabella Ackerl in ihrem Buch „Die bedeutendsten Österreicher des 19. und 20. Jahrhunderts“. Neben den Damen der Wiener Gesellschaft hatte er zahlreiche junge, teils sehr arme Modelle, von denen viele nackt posierten. Klimt soll mit einigen von ihnen Affären gehabt haben. Manche Kritiker – wie Raúl Ruiz in seinem Film „Klimt“ – deuten an, er habe etliche Frauen ausgebeutet, vor allem seelisch; andere wie die Wiener Kunsthistorikerin Agnes Husslein sagen, er habe die Frauen respektvoll behandelt. Angeblich hatte Klimt sechs (manche Quellen sagen: sieben) uneheliche Kinder. Er war nie verheiratet, seinen Haushalt führten die Mutter und nach deren Tod zwei Schwestern.
Gustav Klimt erlitt am 11. Jänner 1918 in seiner Wohnung in der Wiener Westbahnstraße einen Schlaganfall und starb am 6. Februar 1918 im Allgemeinen Krankenhaus in Wien. Seine Bilder erzielen heute Rekordpreise von mehr als 200 Millionen Euro.

