Serie „Original aus Wien“, Folge 25Wenn Schurli schlofn geht

Lesezeit: 2 Min.

Georg Danzer trat im Herbst seiner Karriere mit Rainhard Fendrich und Wolfgang Ambros auf. Sie nannten sich  Austria 3 .
Georg Danzer trat im Herbst seiner Karriere mit Rainhard Fendrich und Wolfgang Ambros auf. Sie nannten sich Austria 3. Collage: Katharina Wutta; Foto: Stefan M Prager, Imago

Der Liedermacher Georg Danzer sang für den Frieden und ein besseres Morgen. Bekannt wurde er aber mit einem Nackerten im Café Hawelka.

Von Gerhard Fischer

Am 10. Dezember 1997 trat Georg Danzer, genannt „Schurli“, im Theater an der Wien erstmals mit Wolfgang Ambros und Rainhard Fendrich auf. Es sollte eine einmalige Sache sein – ein Benefizkonzert zugunsten Obdachloser. Das Konzert war ein überwältigender Erfolg, und das Trio, das sich Austria 3 nannte, blieb deshalb gleich zehn Jahre zusammen. Sie waren die Pioniere des Austropop, oder? Danzer – der 400 witzige, sinnreiche und schlüpfrige Lieder schrieb und dabei Blues, Rock, Folk, NDW und Synthie-Pop kombinierte – hörte diese Zuschreibung, zumindest was ihn anging, angeblich nicht so gerne.

Georg Franz Danzer wurde am 7. Oktober 1946 im Arbeiterviertel Gaudenzdorf, Teil des 12. Bezirks Meidling, geboren. Der Vater war Kommunist und Beamter, die Mutter Angestellte einer Gold- und Silberscheideanstalt. Nach der Matura bereiste Danzer zunächst per Anhalter Deutschland, Italien und die Niederlande, ehe er sich an der Akademie der bildenden Künste in Wien bewarb – und abgelehnt wurde. Er studierte stattdessen Philosophie und Psychologie und schrieb Lieder für, unter anderem, André Heller und Marianne Mendt. Mit ihnen gehörte er zu jungen Musikern, die sich oft in Gerhard Bronners „Cabaret Fledermaus“ trafen und bald bekannt werden sollten.

Danzer war 1971 kurz Mitglied der Dialekt-Band The Madcaps, 1972 erschien seine Single „Tschik“, deren Text Danzer-Jünger sicher auswendig kennen: „Ah, mi kann kana rettn, i rauch stottn Beddn furn Schlofngeh. A so a Tschik hat a greßares Glick, ois wia unsarana“. Der Durchbruch gelang dann 1975 mit der Single „Jö schau“, der Persiflage auf einen Nackerten im Café Hawelka, und der LP „Ollas leiwand“. 1976  bildeten dann fünf seiner Lieder den Soundtrack zur ersten Folge der Satire-Krimireihe „Kottan ermittelt“. Bekannt wurde Danzer auch mit politischen Texten und Stellungnahmen. Die Süddeutsche Zeitung schrieb: „Er sang für den Frieden und gegen die Nachrüstung, für ein besseres Morgen oder wenigstens für ein entspannteres Verhältnis zu Drogen.“

Zwischendurch gab Danzer, der mittlerweile in Deutschland und Spanien lebte, die Musik auf und übersetzte in den frühen 90er-Jahren Bücher und Liedtexte aus dem Spanischen. 1994 kehrte er mit seiner zweiten Frau Bettina und den beiden gemeinsamen Kindern nach Österreich zurück.

Im April 2000 übernahm Georg Danzer den Vorsitz der Menschenrechtsorganisation SOS Mitmensch und engagierte sich gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus. Der langjährige Kettenraucher starb am 21. Juni 2007 an seinem Wohnort Asperhofen nahe St. Pölten an Lungenkrebs, und viele dachten wohl an die Tschik-Liedzeile: „Ah, mi kann kana rettn, i rauch stottn Beddn furn Schlofngeh.“ Danzers Asche wurde, wie er es gewünscht hatte, vor der Küste Mallorcas im Meer verstreut.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Serie „Original aus Wien“, Folge 5
:Flugangst beim Höhenflug

Falco war ein berühmter Musiker. Aber künstlerisch und psychisch ging es bei ihm bergauf und bergab. Vielleicht hatte das auch mit seinem Vater zu tun.

Von Gerhard Fischer

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: