Österreich:Das Lächeln der Politiker

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Österreich: Nach der Wahl ist vor der Wahl: Am vergangenen Sonntag bestimmten die Tiroler einen neuen Landtag, am 9. Oktober findet in ganz Österreich die Bundespräsidentenwahl statt.

Nach der Wahl ist vor der Wahl: Am vergangenen Sonntag bestimmten die Tiroler einen neuen Landtag, am 9. Oktober findet in ganz Österreich die Bundespräsidentenwahl statt.

(Foto: Roland Schlager/dpa)

In Österreich freuen sich auch Politiker, die bei Wahlen Stimmen einbüßen. Warum es tröstlich ist, wenn Menschen ihre gute Laune behalten, auch wenn es nicht nach Plan läuft.

Von Dominik Prantl

Kurz nach der Tiroler Landtagswahl am vergangenen Sonntag saß ich in einem Café in Innsbruck und blätterte zu einem Espresso um 2,70 Euro in der Tiroler Tageszeitung. Ich mache das häufig, womöglich weil mich die Tiroler Tageszeitung ein wenig an die Allgemeine Zeitung in meinem Lieblingssehnsuchtsland Namibia erinnert und sie mittlerweile zu den fünf Zeitungen zählt, die ich am häufigsten lese. Jedenfalls blickte ich also in der Tiroler Tageszeitung auf einer Seite mit Fotos in jede Menge Siegergesichter.

Natürlich lachte der FPÖ-Chef Abwerzger über seinen zweiten Platz, und natürlich lachte die Frau Haselwanter-Schneider, deren Liste Fritz das Ergebnis fast verdoppelte. Aber auch der SPÖ-Chef Dornauer lachte, weil er demnächst wohl mitregieren darf, und sogar der Mattle Toni lächelte, so ein bisschen jedenfalls. Hatte er doch deutlich mehr als die von manchen befürchteten 30 Prozent erhalten und darf nun Landeshauptmann werden.

Dabei kam Mattles ÖVP auf fast zehn Prozentpunkte weniger als noch 2018. Dornauer war deutlich am Wahlziel von mindestens 20 Prozent vorbeigerauscht, und genau genommen hatte sogar Abwerzger sein von ihm ausgerufenes "Duell um Tirol" verloren.

Der Optimismus ist laut Umfragen gerade im Keller

Im Grunde ist es ja tröstlich, wenn die Menschen ihre gute Laune behalten, auch wenn es nicht nach Plan läuft. Allerdings habe ich im Laufe der Woche immer öfter den Eindruck gewonnen, dass sämtliche Politiker dieser Welt in geheime Lächelseminare gehen (auch wenn Karl Nehammer dann zu selten dort war oder nicht richtig aufgepasst hat). Klar, Giorgia Meloni lächelte ihr Meloni-Lächeln, und Silvio Berlusconi lächelt sein Berlusconi-Lächeln, was aber eher operative Ursachen hat. Sebastian Kurz lächelte selbstverständlich sein Kurz-im-Schafspelz-Lächeln. Zwar stand der am Mittwoch wieder einmal vorm ÖVP-Untersuchungsausschuss, wusste aber wohl, dass ihm dort nichts passiert. Sogar Arnold Schwarzenegger, der Alexander Van der Bellen bei der Wahl zum Bundespräsidenten unterstützt und ihn fast zärtlich Sascha nennt, ist kein schmallippiger Terminator mehr. Erstaunlicherweise wirkt Arnolds Grinsen aber immer noch eher spitzbübisch als antrainiert oder hintapeziert.

Am Ende der Woche waren die Tiroler Landtagswahlen dann schon kein großes Thema mehr, Meloni war untergetaucht, und auch Kurz bald wieder weg, ohne viel zu sagen. Dafür ging es um Heizschwammerl und -sitze in den Skiliften, die abgestellt werden müssen, damit Unternehmen Energiekosten-Zuschüsse von insgesamt 1,3 Milliarden Euro einstreichen dürfen. Viele - wahrscheinlich auch Gabriel Felbermayr als Chef des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung, der in der SZ kürzlich von einer "Vollkasko-Mentalität" sprach - finden das nur bedingt lustig. Überhaupt ist der Optimismus in Österreich laut einer Umfrage gerade ziemlich im Keller.

Vielleicht sollte wir aber auch einfach alle in ein vom Staat subventioniertes Lächelseminar bei Arnie und Basti gehen, statt die Bars mit teurem Espresso zu unterstützen. Geld genug scheint ja da zu sein.

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