Österreich vor Präsidentenwahl:Rechtsextremes Buch mit Sprengkraft für Hofer

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3. Das Pamphlet

Besonders gefährlich ist für Norbert Hofer ein Buch, das er 2013 herausgegeben hat. Geschrieben hat es Michael Howanietz, ein Mitarbeiter der FPÖ-Parlamentsfraktion (in Österreich: Parlamentsclub), Hofer hat als Herausgeber ein Vorwort beigesteuert. Unter dem Titel "Für ein freies Österreich - Souveränität als Zukunftsmodell" stehen auf 149 Seiten höchstbrisante Inhalte, die im Internet frei einsehbar sind.

Es trieft vor frauenfeindlichen und biologistischen Passagen, Wortwahl und Inhalte sind mitunter typisch für rechtsextreme Pamphlete. So spricht der Autor von "kulturfremden Neuösterreichern" und davon, dass man die Fremden einlade, so "wie die Wespenlarve die Made langsam von innen zerfrißt".

Vom Aussterben der "waschechten" Einheimischen ist die Rede, weil diese so wenig Kinder bekämen. Gleich zweimal wird ein "Brutpflegetrieb" genannt, den der Autor sich von Frauen wünscht. Die Frauenquote wird "als Instrument der Gemeinschaftszersetzung" bezeichnet und an anderer Stelle heißt es, dass "manche junge Dame ihre zunächst gewollte Schwängerung bald für einen sexistischen Übergriff hält".

Der krude Inhalt ist bizarr verschwurbelt formuliert. Eine Textprobe:

"Der vom Thron des Familienoberhaupts gestoßene Mann sehnt sich unverändert nach einer Partnerin, die, trotz hipper den-Mädels-gehört-die Welt-Journale, in häuslichen Kategorien zu denken imstande ist, deren Brutpflegetrieb auferlegte Selbstverwirklichungsambitionen überragt. Die von feministischem Dekonstruktionsehrgeiz zur selbstverwirklichungsverpflichteten Geburtsscheinmutter umdefinierte Frau sehnt sich unverändert nach einem ganzen Kerl, der ihr alle die emotionalen und ökonomischen Sicherheiten gibt, die eine junge Mutter braucht, um sich mit weitgehend sorgloser Hingabe dem Nachwuchs zuwenden zu können."

Das in dem von Hofer herausgegebenen Buch vertretene Weltbild kennt nur hell und dunkel, nur Chaos und Ordnung. Vom "Zerfall der als Völker definierten Gemeinschaften" ist die Rede, von "eruptiver Gewalt" und einem drohenden Gemetzel durch Zuwanderung. Es drohe in Europa "ein an Brutalität nicht zu überbietender Bürgerkrieg". Außerdem agierten dubiose Mächte, es ist die Rede von geheimen Gesprächen, von der Bilderberg-Konferenz. Der "Umbau Europas in einen Zentralstaat nach Sowjetvorbild" sei schon 1989 geplant worden von US-Bankier David Rockefeller und Ex-Außenminister Henry Kissinger - auch der letzte sowjetische Staatschef Michail Gorbatschow sei dabei gewesen. Damit nicht genug: Die Aufarbeitung der Nazi-Zeit wird als "Selbstgeißelung der Schuldpropheten" verspottet.

Wenn ein Parteifreund den Parteichef interviewt

Die kruden Passagen, die in Deutschland nicht einmal die AfD vertritt, lässt Hofer nicht als rechtsextrem gelten. Die "Faschismuskeule, mich als rechtsextremen Menschen darzustellen", sei völlig aus der Luft gegriffen, kritisierte er. Für die frauenfeindlichen Passagen und den Autoren hat Hofer milden Tadel übrig. Das Wort "Brutpflegetrieb" sei wahrlich unglücklich gewählt worden. Das würde Autor Howanietz heute nicht mehr so machen, sagte Hofer dem Sender Puls4 im Oktober. Weitere Kritik am Buch übt der Präsidentschaftskandidat nicht, warum auch: "Der Inhalt ist insgesamt in Ordnung." Und den Nationalsozialismus verabscheue er, beteuerte er.

So räumte Hofer auch dieses heikle Thema viele Wochen vor der Wahl ab. Wie nah der Präsidentschaftskandidat seinem Autor Howanietz steht und ob er seine Ansichten zu Wespenlarven und zur angeblich zersetzenden Frauenquote teilt, wollte Hofer trotz mehrfacher SZ-Anfrage nicht beantworten.

Auch FPÖ-Mitarbeiter Howanietz ging nicht auf Anfragen ein. Der Mann scheint allerdings schon lange wohlgelitten bei den FPÖ-Oberen zu sein. Schon 2005 hat er mit seinem Parteichef Strache ein langes Interview geführt für die rechte Wochenzeitung Junge Freiheit.

Nach der Lektüre des Hofer/Howanietz-Werkes ist klar, dass das Wort "Freiheitlich" für die FPÖ nicht für Liberalität steht. Im Zentrum steht das Völkische, der Kampf der Kulturen. Konservativ-katholisch ist an dem Buch auch nichts, das Christentum wird weitgehend ausgeblendet. Doch das ist genau den Wählern wichtig, die Hofer braucht, um Präsident zu werden.

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