Österreich Tipps vom FPÖ-Politiker: "Asylanten, benehmt's euch!"

Zur beginnenden Freibadsaison sieht sich ein Lokalpolitiker der rechtspopulistischen FPÖ berufen, Flüchtlingen Verhaltensregeln zu diktieren. Das entsprechende Video löschte er mittlerweile.

Von Barbara Galaktionow

Armin Sippel ist Klubobmann der Grazer FPÖ (also deren Vorsitzender) und Mitglied im Grazer Gemeinderat. Sein politisches Credo verrät er als Teil seines Lebenslaufs auf der FPÖ-Website: "Nur wer jeden Tag aufs Neue die Probleme, Sorgen und Ängste der Bürger ernst nimmt und mit allen Mitteln zu bekämpfen versucht, ist es überhaupt wert, den Menschen in dieser Stadt dienen zu dürfen", heißt es da.

Eine dieser Sorgen, so befürchtet Sippel, könnte in der Angst der Frauen vor distanzlosen Flüchtlingen liegen. Und so hatte er auf seiner Facebook-Seite ein Video veröffentlicht, in dem er männlichen Flüchtlingen ein "paar Verhaltensregeln" zum Umgang mit Frauen in Österreich an die Hand gibt.

Was "man bei uns nicht macht": Frauen provokant anzuschauen oder ihnen sonst irgendwie "nachzustellen, so dass sie sich unwohl fühlen". Auch "Frauen zu bedrängen, ihnen an den Po zu fassen oder gar an den Busen zu grabschen", das geht nicht, stellt der FPÖ-Mann fest.

Eine Schaufensterpuppe zum Anschauungsunterricht

Als Demonstrationsobjekt dient Sippel dabei eine Schaufensterpuppe mit blonder Mähne, die sich zu Anfang des Videos von links ins Bild schiebt. Wichtige Aussagen werden überdies durch Schilder veranschaulicht, auf denen zum Beispiel "Nein" auf arabisch stehen soll - allerdings ist dort statt des arabischen Wortes "la" (Nein) der arabische Artikel "al" zu lesen.

"Wer sich eines dieser Vergehen schuldig macht", fährt der Politiker fort, "muss wissen, dass es bei uns eine Partei gibt (FPÖ-Schild schiebt sich ins Bild), die dafür sorgen wird, dass diejenigen, die unser Asylrecht missbrauchen, auch ganz schnell wieder dorthin gebracht werden (Schild mit Flugzeug schiebt sich ins Bild), wo sie herstammen."

"Also, sehr geehrte Herren Asylanten, benehmt's Euch!", schließt Sippel. "Und was das Wichtigste ist: Finger weg von unseren Frauen!!!"

Hunderte Facebook-Nutzer spotten über Sippel

Das Video hat Sippel mittlerweile wieder gelöscht. "Aufgrund der völlig aus dem Ruder gelaufenen Diskussion und den persönlichen Diffamierungen gegenüber meiner Person, habe ich das Video vorerst von meiner Seite entfernt", schreibt er. Zuvor hatten Hunderte Facebook-Nutzer über den FPÖ-Klubobmann und seine hölzern vorgetragenen Tipps gespöttelt. "Großer Blockbuster direkt aus da Gegend!", freute sich einer. "Spielen Sie ihr fantastisches Programm zur Zeit nur in Graz oder kommen Sie damit auch in die Bundeshauptstadt?", fragte ein anderer.

Und einer weiterer schrieb: "Ich bin ehrlich begeistert - Liebe FPÖ, bitte geht doch damit auf Bierzelt-Tour!" Denn ihn würden die Reaktionen interessieren, wenn die FPÖler helfend einschreiten, sollte sich ein Gast wieder mal an einer Servierkraft vergehen.

Sarkastische Kommentare fing sich der FPÖ-Mann mit seinem paternalistisch-altbackenen Ton vor allem auch von Frauen ein. "Lieber Herr Sippel, so ist es richtig! Denn unsere Frauen begrapschen wir schon selbst!", schrieb eine.

"Ich bin keine von EUREN Frauen"

Eine Userin empörte sich: "Unsere Frauen??? Sehr geehrter Herr Sippel, liebe FPÖ- NEIN, ich bin sicher keine von EUREN Frauen! Tut mir einen Gefallen, und hört damit auf, ständig so zu tun, als wenn wir euch gehören. Da fühle ich mich nämlich auch unwohl."

Ein Nutzer brachte es auf gut österreichisch auf den Punkt: "Afach traurig."

Ein bisschen erbärmlich fanden viele Kommentatoren auch, dass Sippel zunächst selbst den Begleittext zu seinem Video veränderte. Wurde der Clip zu Anfang relativ neutral angekündigt ("Mein neues Video"), sah sich der Lokalpolitiker später genötigt, zu betonen, dass auch die FPÖ Satire einsetzen dürfe, um Aufmerksamkeit zu erregen.

Inzwischen hat Sippel das Video von seiner Facebook-Seite entfernt. Er begründete das mit der "völlig aus dem Ruder gelaufenen Diskussion und den persönlichen Diffamierungen gegenüber meiner Person". Die Aufmerksamkeit, die er mit dem Selfmade-Filmchen erregte, wurde ihm dann offenbar doch ein bisschen viel.

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