MeinungÖsterreichÖsterreich verbietet Social Media für Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre

Kolumne von Vinzent-Vitus Leitgeb

Lesezeit: 2 Min.

In Österreich verzichteten 70 000 Schülerinnen und Schüler drei Wochen lang auf ihre Smartphones. Sie nahmen an einem Experiment des ORF teil.
In Österreich verzichteten 70 000 Schülerinnen und Schüler drei Wochen lang auf ihre Smartphones. Sie nahmen an einem Experiment des ORF teil. Foto: Jens Kalaene, dpa

Die Regierung führt ein Social-Media-Verbot für unter 14-Jährige ein. Ein Experiment hat gerade gezeigt, dass Jugendliche einen Smartphone-Verzicht auch genießen können.

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Wer in der vergangenen Woche österreichische Medien verfolgt hat, konnte an vielen Stellen ähnliche Bilder sehen: Jugendliche, die auf ihre Smartphones schauen. Das war ein wenig ironisch, weil genau diese Jugendlichen gerade drei Wochen lang auf ihre Smartphones verzichtet hatten, im Rahmen eines Experiments für das ORF-Format „Dok 1“. 70 000 Schülerinnen und Schüler hatten sich dafür freiwillig gemeldet, um herauszufinden, wie es ihnen denn so geht, wenn sie ihre Bildschirmzeit vorübergehend drastisch reduzieren und vor allem soziale Medien komplett meiden.

Als der ORF vergangenes Jahr bereits mit 70 Jugendlichen dasselbe Experiment machte, beschrieben viele von ihnen in den ersten Tagen ohne Smartphone Entzugserscheinungen, die sich bald besserten. Und so war es offenbar auch dieses Mal. Selbst wenn die umfangreiche Auswertung des Experiments erst kommt, konnte man das in zahlreichen Berichten sehen: In einem Video der „Zeit im Bild“ erzählt eine Schülerin, dass gerade der erste Tag anstrengend und „ein bisschen überfordernd“ gewesen sei. Eine andere berichtet, dass sie richtig viel gelesen habe, sogar Goethe. In Oberösterreich sagen Jugendliche in einem Fernsehbeitrag, sie seien ausgeglichener, entspannter und glücklicher gewesen. Sogar die lange Klassenfahrt nach Wien sei ohne Smartphone schön gewesen, man habe Uno gespielt, gelacht und sich unterhalten.

Man sollte als älterer Mensch nicht den Fehler machen, diese Aussagen zu belächeln. Man kann fast sicher sein, dass nicht nur Jugendliche solche Erfahrungen machen, wenn sie mal zeitweise auf soziale Medien und Smartphones verzichten, sondern Erwachsene jedes Alters exakt dasselbe erzählen würden.

Interessant ist das neue ORF-Experiment aber natürlich trotzdem vor dem Hintergrund der aktuellen Debatte um ein Social-Media-Verbot für Kinder in Österreich. Am Freitag hat die Bundesregierung aus ÖVP, SPÖ und Neos sich auf ein solches geeinigt und erste Details vorgestellt. Social-Media-Plattformen sollen demnach für alle unter 14 verboten werden – welche Angebote genau darunterfallen, ist noch offen. Begleitend dazu soll es an Schulen mehr Unterricht zu KI, Medien und Social-Media geben.

Bildungsminister Christoph Wiederkehr (Neos) will Details zu den Lehrplänen kommende Woche vorstellen. Der Gesetzesentwurf zum Social-Media-Verbot soll dann Ende Juni vorliegen. Und man wird dabei vor allem noch auf die technischen Details schauen müssen. Digitalstaatssekretär Alexander Pröll (ÖVP) sprach am Freitag eher allgemein davon, dass moderne Methoden zur Altersverifikation eingesetzt werden sollen, die gleichzeitig die Privatsphäre schützten. Womöglich spielt er hier einfach auf Zeit, weil auch auf EU-Ebene an einem zweistufigen Authentifizierungsprozess gearbeitet wird. Vielleicht will er auch nur nicht auf einen größeren Konflikt in der Koalition eingehen. Prölls ÖVP dringt auf eine Klarnamenpflicht im Internet, die Koalitionspartner SPÖ und Neos sehen es aber kritisch.

Ist das nun also ein „guter Tag für die Kinder“, wie Pröll außerdem sagte? Wird ihnen „ihre Jugend zurückgegeben“? Das bleibt natürlich abzuwarten, auch wenn die Ergebnisse des Handy-Experiments dem recht geben könnten. Dann müsste man aber vielleicht auch selbstkritisch fragen, welche Vorbildrolle Erwachsene spielen können, um den Effekt zu verstärken. Wie oft sie auch freiwillig ihre Smartphones weglegen und ein Buch lesen oder sich wirklich Zeit nehmen, mit ihren Kindern zu lernen, sich mit ihnen zu unterhalten oder mit ihnen Uno zu spielen.

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