Bilder von Sebastian Kurz:Der doppelte Kurzzeit-Kanzler

Sebastian Kurz ist erst 35 Jahre alt. Nach seinem Rückzug aus der Politik schaut er dennoch auf eine lange Laufbahn zurück - inklusive zweier Rücktritte als Regierungschef. Bilder aus seinem politischen Leben.

Von Kassian Stroh

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Der politische Rückzug

Sebastian Kurz Resigns From Political Functions

Quelle: Getty Images

"Ich werde jetzt aufbrechen und meinen Sohn und meine Freundin aus dem Spital abholen." Mit diesen Worten verabschiedet sich Sebastian Kurz aus der Politik. Die Geburt seines Kindes ist der offizielle Grund des Rückzugs. Ihm sei bewusst geworden, "wie viel Schönes und Wichtiges es auch außerhalb der Politik" gebe. Hinter den Kulissen wurde schon länger spekuliert, Kurz würde seinen Wechsel in die Wirtschaft vorbereiten. Er trat zuletzt seltener politisch in Erscheinung und unternahm mehrere Auslandsreisen. In seiner Ansprache resümiert der Ex-Bundeskanzler seine politische Karriere und dankt seinen Wegbereitern.

Die laufenden Korruptionsermittlungen gegen ihn finden nur wenig Erwähnung. In letzter Zeit sei die Abwehr von Vorwürfen und Unterstellungen sein politischer Alltag gewesen. "Meine Leidenschaft für Politik, die ich zehn Jahre enorm hatte, ist sicherlich in dieser Phase auch ein Stück weit weniger geworden." Er freue sich auf den Tag, an dem er vor Gericht die Vorwürfe gegen ihn entkräften könne.

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Die schrille Kampagne

Austrian young OeVP politician Kurz addresses a news conference in Vienna

Quelle: REUTERS

Kurz wird 1986 in Wien geboren, wächst dort auch auf und beginnt, sich als Jugendlicher in der Jugendorganisation der Österreichischen Volkspartei (ÖVP) zu engagieren. Im Land bekannt wird er, als er 2009 zum Vorsitzenden der ÖVP-Jugend (Bundesobmann) gewählt wird und im Jahr darauf im Landtagswahlkampf in Wien eine schrille, von manchen als sexistisch betrachtete "Geilomobil"-Kampagne startet.

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Der schnelle Aufstieg

Austrian President Heinz Fischer and new Foreign Minister Kurz sign inauguration paper during a ceremony in Hofburg Palace in Vienna

Quelle: REUTERS

Im Jahr 2011 wird Kurz Integrationsstaatssekretär in Österreich, im Dezember 2013 Außenminister (hier bei der Amtseinführung mit dem damaligen Staatspräsidenten Heinz Fischer). Mit 27 Jahren ist er damit angeblich der jüngste Außenminister der ganzen Welt. In der Regierung setzt Kurz nicht nur den sozialdemokratischen Koalitionspartner unter Druck, sondern immer wieder auch seinen Parteichef und Vizekanzler, Reinhold Mitterlehner. Aus dieser Zeit rühren auch die Vorwürfe manipulierter Meinungsumfragen und Bestechung von Zeitungsherausgebern, deretwegen nun ermittelt wird.

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Der Parteichef

ÖVP segnet Neuausrichtung ab

Quelle: dpa

2017 schmeißt ÖVP-Chef Mitterlehner entnervt hin. Kurz lässt sich daraufhin zu seinem Nachfolger wählen - und schneidet die Partei ganz auf seine Person zu. Die altehrwürdige Österreichische Volkspartei wird damit zur "Liste Sebastian Kurz - die neue Volkspartei".

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Der Wahlsieger

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Quelle: AFP

Im Oktober 2017 kommt es zu Neuwahlen in Österreich, die den bisherigen Außenminister am Ende als strahlenden Sieger sehen. Die Kurz-ÖVP holt 7,5 Prozentpunkte mehr und wird zur stärksten Kraft im Nationalrat. Nun ist Kurz am Ziel: Der 31-Jährige kann Bundeskanzler werden. Dazu schmiedet er ein Regierungsbündnis mit der rechtspopulistischen FPÖ unter Heinz-Christian Strache.

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Das Ende der ersten Regierung Kurz

Ibiza Affäre Rücktritt Vize Kanzler HC Heinz Christian Strache Wien Ballhausplatz 18 05 2019 Bun

Quelle: imago images

Als im Mai 2019 das Ibiza-Video veröffentlicht wird, auf dem Strache einer vermeintlichen russischen Oligarchen-Nichte Staatsaufträge verspricht, wenn sie ihn im Wahlkampf unterstützt, bricht über die ÖVP-FPÖ-Koalition ein Sturm herein. Kurz beendet das Bündnis - nach gerade mal eineinhalb Jahren. Nur wenige Tage später wird er selbst gestürzt, durch ein von der Opposition eingebrachtes Misstrauensvotum im Nationalrat. Bundespräsident Alexander Van der Bellen vereidigt daraufhin eine parteiunabhängige Expertenregierung. Es kommt zu Neuwahlen im Herbst.

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Zum zweiten Mal Kanzler

Vereidigung von Österreichs neuer Regierung

Quelle: dpa

Die Neuwahlen gewinnt die Kurz-ÖVP erneut, sie baut ihren Vorsprung sogar aus. Anfang 2020 wird Kurz erneut zum Kanzler gewählt - diesmal von einer Koalition mit den Grünen unter Werner Kogler (rechts). Die Partei des grünen Vizekanzlers ist es dann, die nach den Hausdurchsuchungen unter anderem im Finanzministerium am Freitag faktisch Kurz' Kopf fordert: Es brauche "untadelige Personen" an der Regierungsspitze.

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Der zweite Rücktritt

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Quelle: AFP

Kurz erklärt daraufhin seinen Rücktritt, diesmal hat er sich 21 Monate im Amt gehalten. Ihm nachfolgen soll der bisherige Außenminister Alexander Schallenberg (rechts), mit dem die Grünen die Koalition mit der ÖVP fortsetzen wollen. Doch eine Karriere als Politiker ist für Kurz damit noch nicht beendet: Der 35-Jährige will Parteichef bleiben und Fraktionsvorsitzender im Nationalrat werden. Kurz zieht sich also aus der Regierung zurück, bleibt aber vorerst ein zentraler Mann der schwarz-grünen Koalition. Wenige Wochen später verlässt er nach der Geburt seines Sohnes schließlich vollständig die Politik.

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© SZ/vs
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